HENAU/WIL: Für eine gelbe Karte vor Gericht

Nächste Woche muss sich ein Goalie der Breitensportabteilung des FC Wil vor dem Kreisgericht in Flawil verantworten, weil er einen Gegner bei einem Zweikampf mit den Stollen am Knie fahrlässig verletzt haben soll. Es droht eine bedingte Geldstrafe.

Simon Dudle
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Auch ohne ausgesprochene rote Karte kann ein Foul ins Gericht führen. (Symbolbild) (Bild: Michel Canonica)

Auch ohne ausgesprochene rote Karte kann ein Foul ins Gericht führen. (Symbolbild) (Bild: Michel Canonica)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Tatort war der Sportplatz Loh­äcker in Henau, wo Ende Mai des vergangenen Jahres das 4.-Liga-Spiel zwischen der zweiten Mannschaft des FC Henau und dem besten Breitensportteam des FC Wil ausgetragen wurde. Nach einem abgewehrten Angriff der Wiler leitete der Goalie der Henauer einen Konter über rechts ein, indem er dem Flügelspieler den Ball zuwarf. Dieser rannte der Linie entlang und passte dann flach und scharf zur Mitte, wo sein Teamkollege von der Strafraumgrenze aus noch ein paar Schritte machte. Danach kam es zur Situation, welche ein Nachspiel im Gerichtssaal hat.

Denn gleichzeitig versuchte auch der Goalie der Wiler an den Ball zu kommen. Da dieser weder mit den Händen noch mit dem Kopf voran in die Aktion steigen wollte, versuchte er den Ball mit dem Fuss abzuwehren. Der Henauer Offensivspieler merkte, dass er nicht an das Spielgerät kommt, und setzte zu einem Sprung an, um den Zusammenprall zu vermeiden. Doch der Torhüter traf den Angreifer mit gestrecktem Bein am rechten Knie in einer Höhe zwischen 60 bis ­ 90 cm über Boden, so dass der Henauer Richtung Tor stürzte.

Vorwurf: Bewusst eine Verletzung riskiert

Der gefoulte Spieler erlitt an ­seinem rechten Knie eine so genannte Spalt- und Impressionsfraktur am lateralen Tibiakopf, wobei auf dem Knie eine Zeit lang noch das Stollenprofil des Goalieschuhs zu sehen war. Für das Foul erhielt der Torhüter eine gelbe Karte und es gab Penalty. Dies ist zumindest die Schilderung der Situation in der Anklageschrift. Eine solche wurde erstellt, weil gegen den Wiler Goalie im Nachgang des Spiels ein Verfahren eingeleitet worden ist. Nächste Woche am Mittwoch findet nun der Gerichtsfall am Bezirksgericht Wil in Flawil statt.

Es geht um fahrlässige Körperverletzung. Der Goalie habe um das von ihm ausgehende Verletzungsrisiko gewusst. «Durch eine andere Abwehraktion, namentlich durch Hineinrutschen mit den Händen voran, durch Hineinrutschen mit dem Fuss am Boden oder durch Zulassen eines Tores, wäre die Verletzung vermeidbar gewesen», ist in der Anklageschrift zu lesen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Geldstrafe von 300 Franken. Da diese bei einer Probezeit von zwei Jahren bedingt aufgeschoben werden soll, muss der Angeklagte die Strafe womöglich nicht bezahlen. Wird dem Antrag des Staats­anwalts stattgegeben, muss der Goalie aber trotzdem 655 Franken hinblättern: Nämlich 100 Franken Busse, 350 Franken Gebühren der Staatsanwaltschaft und 205 Franken für besondere Auslagen. Allfällige Zivilforderungen würden auf dem Weg des Zivilprozesses verwiesen.

Vergangenes Jahr ein Fall vor dem OFV-Rekursgericht

Muss sich nun jeder Hobbyfussballer fürchten, für ein Foul vor Gericht gezerrt zu werden? «Im Zivilrecht kann man gegen alles vorgehen. Das ist legitim», sagt Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes OFV. Er spricht von einem Einzelfall. Wobei er diese Aussage nicht mit 100-prozentiger Sicherheit belegen kann. «Wir vom OFV werden nicht automatisch involviert. Nur wenn eine Akteneinsicht verlangt wird, stellen wir die Unterlagen dem Gericht zu», sagt Häuselmann.

Ganz grundsätzlich gibt es zwei mögliche Wege der Sanktionierung. Wenn der Fussballverband aktiv wird, erlässt er eine Verfügung. Gegen diese sind eine Einsprache und auch ein Rekurs möglich. Vor dem OFV-Rekursgericht ist in der Saison 2016/2017 laut Häuselmann ein Fall verhandelt worden, zuvor jahrelang keiner. Der Verband hat neuerdings die Möglichkeit, schon in seinem Urteil eine Einsprache auszuschliessen. Wird dann der Fall weitergezogen, landet er direkt vor dem Rekursgericht. Die nächste höhere Instanz wäre dann der internationale Sportgerichtshof TAS.

Der zweite Weg ist der zivilrechtliche. Hierbei ist es theoretisch möglich, dass ein Fall bis vor das Bundesgericht weitergezogen wird.