Henau/Niederuzwil
«Unsere Kirche strahlt anders»: Mehrheit der Kirchbürger will keine 5G-Antenne auf dem Turm

Die Stimmberechtigten der Katholischen Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil konnten sich an der Versammlung am Montagabend dazu äussern, ob Liegenschaften der Kirche als Standorte für eine Mobilfunkantenne vermietet werden. Ein weiteres Traktandum war die Sanierung der Kirche in Niederuzwil.

Larissa Flammer
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Die katholische Kirche Henau, wo sich die Gemeinde zur Versammlung traf.

Die katholische Kirche Henau, wo sich die Gemeinde zur Versammlung traf.

Bild: Larissa Flammer (13. April 2020)

«Eine Kirche soll ein Hotspot sein – für Religion», sagte ein Mitglied der Katholischen Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil. Mobilfunksignale soll der Kirchturm aber nicht senden, findet der Mann. «Unsere Kirche strahlt anders.»

Das Thema 5G-Antenne war an der Kirchgemeindeversammlung am Montagabend in der Kirche Henau traktandiert. Der Präsident des Kirchenverwaltungsrats, Paul Gähwiler-Wick, erklärte, dass das Thema überall aktuell sei. «Wir sind im letzten Jahr gleich zweimal angefragt worden, ob wir auf unseren Liegenschaften Platz für eine Antenne zur Verfügung stellen.»

Paul Gähwiler-Wick.

Paul Gähwiler-Wick.

Bild: Larissa Flammer

Zwar könne der Kirchenverwaltungsrat in eigener Kompetenz über eine solche Vermietung entscheiden, spätestens bei der Baueingabe könnten sich aber alle zu Wort melden. Deshalb führte er bei den 60 anwesenden Stimmberechtigten eine Konsultativabstimmung durch.

31 sind dagegen, 15 dafür

«Ich bin konsequent dagegen», sagte ein zweiter Stimmbürger. Die Langzeitfolgen für die Gesundheit seien absolut nicht erforscht. Ein dritter Votant brachte den optischen Aspekt ins Spiel. Die Friedhofgestaltung müsse Rücksicht darauf nehmen, dass der Blick auf den Kirchturm nicht gestört werde. Da könne er nicht nachvollziehen, dass man jetzt eine Antenne auf den Turm bauen wolle. Gähwiler-Wick erklärte, dass Kirchtürme für Mobilfunkanbieter so interessant seien, weil die Antenne in den Bau integriert werden könne. «Das Aussehen wäre nicht tangiert.»

Bei den drei kritischen Voten blieb es, Befürworter meldeten sich nicht zu Wort. Dabei gäbe es auch Argumente für eine Vermietung, wie der Präsident ausführte: Die Einnahmen von jährlich 20'000 Franken würden helfen, die wegfallenden Kirchensteuern zu kompensieren. Und auch die Kirche könne nicht mehr ohne die aktuellen Mobilfunk- und Datenübertragungstechnologien arbeiten.

Bei der Abstimmung zeigte sich, dass auch diese Argumente auf Zustimmung stiessen. 15 der 60 anwesenden Stimmberechtigten sprachen sich für eine Vermietung von Standorten für 5G-Antennen aus. 31 Personen sagten jedoch Nein. Der Kirchenverwaltungsrat werde die Voten und das Ergebnis der Konsultativabstimmung in seinem Entscheid berücksichtigten, versprach Gähwiler-Wick.

Sanierung für 1,9 Millionen Franken

«Gebäude sind wie Menschen: Im Alter kommt das eine oder andere Gebrechen», sagte Roland Lüthy. Der Projektleiter stellte den Kirchbürgerinnen und -bürgern die Vorbereitungsarbeiten zur Sanierung der Kirche Niederuzwil vor. Diese ist bald 90-jährig, die letzte grössere Sanierung ist über 30 Jahre her. Das Architekturbüro Klemens Dudli führte eine Bestandesaufnahme sowie das Vorprojekt zur Sanierung durch. Lüthy sagte:

«Der allgemeine bauliche Zustand ist recht passabel.»

Trotzdem gebe es einige Handlungsfelder. Unter anderem überlegen die Verantwortlichen, den beschädigten Verbindungsgang zwischen Pfarrhaus und Kirche abzubrechen. Die seitlichen Kircheneingänge sollen für Menschen mit einer Gehbeeinträchtigung besser zugänglich werden. In der Kirche wären Verbesserungen an der Beleuchtung und Akustik, der Heizung und auch der Lüftung nötig.

Die Hauptarbeiten sind voraussichtlich im Jahr 2023 geplant. Das Projekt «Weiterentwicklung Kirche 2.0» muss aber zuerst abgeschlossen werden, bevor das Bauprojekt zur Abstimmung vorgelegt werden kann. Stand heute rechnet Lüthy mit Kosten von 1,9 Millionen Franken.

Übrige Geschäfte einstimmig genehmigt

Die Jahresrechnung 2020, die mit einem Gewinn von 3576 Franken schloss, das Budget 2021, das mit einem Verlust von 60'000 Franken rechnet, und der Steuerplan der Kirchgemeinde wurden einstimmig genehmigt. Ebenfalls einstimmig wurde Marc Brühwiler aus Henau in die Geschäftsprüfungskommission gewählt. Da die Versammlung im vergangenen Jahr ausfiel, verabschiedete und verdankte Präsident Paul Gähwiler-Wick am Montag gleich sechs Personen, die seither ein Amt in der Gemeinde abgegeben haben. (lsf)

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