Henau und der Gerstensaft

Die traditionelle Metzgete der Vereinigung für Kulturgut Uzwil stand diesmal im Zeichen des frühen Mittelalters in der Region. Gastredner war Jakob Kuratli vom Stiftsarchiv St. Gallen.

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UZWIL. Marcel Bauer, Präsident der Vereinigung für Kulturgut Uzwil, konnte rund 30 Personen begrüssen. Vorgängig zum Essen war ein Vortrag angesagt. Referent Jakob Kuratli ging weit in die Vergangenheit zurück, ins frühe Mittelalter um 754. Es war das Jahr, als Henau erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Referent vermittelte den Zuhörern das an sich etwas «trockene» Thema auf unterhaltsame, kurzweilige Art. Gebannt verfolgten sie seine Ausführungen zu den gezeigten Bildern und Dokumenten, und fühlten sich bald in die graue Vorzeit zurückversetzt.

In seinem Vortrag ging es vor allem um die Schenkungen, welche im frühen Mittelalter an die Fürstabtei St. Gallen gemacht wurden, und deren Verpachtung mit der Abgabe eines Zehnten (Zins). Diese Vorgehensweise war damals sehr verbreitet und hatte seine Gründe in der unsicheren Zeit, welche geprägt war durch Kriege und Überfälle. Die Schenkungen und Verpachtungen wurden von den Ordensleuten des Klosters akribisch aufgeschrieben – in Urkunden, welche zum grossen Teil noch heute in den Archiven vorhanden sind.

Bedeutendes Kloster

Die Fürstabtei St. Gallen gehörte zu seiner Zeit zu den Top-5 aller Klöster im damaligen Europa, es spielte sozusagen in der Champions League und war bedeutsam und mächtig. Seine Besitztümer waren in halb Europa verstreut, viele davon wurden von den Vorbesitzern als Schenkung dem Kloster überlassen und danach gegen anfallende Pachtzinsen wieder zurückgenommen. Damals gab es die Schweiz wie sie heute ist noch nicht. In der Region liessen sich hauptsächlich Alemannen nieder, welche Wald (aus dem Besitz des Kaisers) rodeten und das Land urbar machten. Die entstandenen Siedlungen gingen anschliessend in ihren Besitz über. Allerdings waren diese Besitztümer in Gefahr, von räuberischen Franken erbeutet zu werden. Um sich davor zu schützen, wurden die Besitztümer dem Kloster geschenkt und danach wieder gepachtet.

Als Gegenleistung des Klosters standen die Siedlungen nun unter dessen Schutz. Um das Ganze rechtlich abzustützen, wurden Urkunden aufgesetzt, welche die Schenkung dokumentierte und auch für die Nachfahren Gültigkeit hatten. Diese Urkunden bestanden damals aus Pergament.

Bier als Pachtzins

Heute befinden sich noch rund 800 dieser Urkunden im Besitz des Stiftsarchivs St. Gallen. Auch bei der Urkunde aus dem Jahre 754, in welcher zum ersten Mal der Name Henau aufgeführt war, handelte es sich um eine Schenkungsurkunde. Henau war damals Ausstellungsort der Fürstabtei St. Gallen und deshalb sehr bedeutend für das Kloster. Als Pachtzins wurde unter anderem auch Bier aufgeführt, es war die erste urkundliche Erwähnung des Gerstensaftes.

Nach dem Vortrag widmeten sich die Anwesenden dem bereit stehenden Metzgete-Buffett und genossen die Spezialitäten aus der Küche des Kafi Wäspi. (pd)