Helfen, wo Hilfe benötigt wird: Jörg Caluori aus Niederbüren organisiert in Südafrika Essenspakete für die unter der Coronakrise leidende Bevölkerung

In Südafrika geht während der Coronakrise vielen Menschen das Geld aus – und damit auch die Möglichkeit, Lebensmittel zu kaufen. Jörg Caluori organisiert Essenspakete für die notleidende Bevölkerung.

Christof Lampart
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Von Niederbüren aus unterstützen Pia und Jörg Caluori Menschen in Südafrika, die unter der Coronakrise leiden.

Von Niederbüren aus unterstützen Pia und Jörg Caluori Menschen in Südafrika, die unter der Coronakrise leiden.


Nik Roth

Vor rund zwei Jahren erwarben die in Niederbüren wohnenden Pia und Jörg Caluori in Südafrika ein Haus am Strand in einem Vorort der Stadt Kapstadt. «Dort haben wir uns von Anfang an sehr wohl gefühlt», erzählt Jörg Caluori. Das Land, das Klima, die netten Menschen – all das wuchs den beiden schnell ans Herz. Doch sie waren – wie sie es selbst beschreiben – «alles andere als blinde Touristen». Und so sammelten sie schon bald Geld und Kleider für zwei Waisenheime.

Als nun aufgrund der Covid- 19-Pandemie der totale Lockdown über jene Township verhängt wurde, in der die Hausangestellten der Caluoris wohnen, wussten sie: «Wir müssen unbedingt helfen», so Pia Caluori. Denn im Gegensatz zum hervorragenden Sozialnetz in der Schweiz stellt sich die Situation in Südafrika für die Armen, darunter viele ausländische Taglöhner, als verheerend dar: «Das Elend ist unübersehbar», so Jörg Caluori, «denn mit dem Lockdown haben die Menschen in den Townships von einem Tag auf den anderen keine Arbeit mehr.»

Ohne Einkommen kein Essen

Mehr noch: Ausser zum Esseneinkaufen darf niemand die eigenen vier Wände verlassen. Was das bedeutet, verdeutlicht Jörg Caluori: «Oft lebt eine Familie mit sechs Personen in einem Raum, der so gross ist wie bei uns ein Kinderzimmer. Von Social Distancing kann da keine Rede sein».

Vor allem aber geht vielen Menschen ohne Arbeit in Südafrika das Geld aus – und damit auch die Möglichkeit, Lebensmittel zu kaufen. «In der Regel arbeiten die Leute am Tag und erhalten abends dann umgerechnet 10 bis 15 Franken, mit denen sie dann Essen für die Familie kaufen», weiss Jörg Caluori. Doch mit dem Lockdown fehlt die Arbeit und so auch das Einkommen.

Auf eigene Faust Essenspakete organisiert

Als die Caluoris von ihren Angestellten mitgeteilt bekamen, dass sie nichts mehr zu essen hätten, organisierten sie auf eigene Faust erste Essenspakete. «Wir schickten Geld an unsere Haushälterin. Sie erstellte Listen mit Leuten, von denen sie wusste, dass sie dringend auf Essenspakete angewiesen sind. Zusammen mit unserem Allrounder organisierte sie dann Essenspakete, die den Grundbedarf für einen Monat decken, und verteilte sie per Truck fair unter der Bevölkerung», erklärt Jörg Caluori.

Fünf Kilo Reis und zwei Liter Shumba

Bis anhin konnte 300 Familien mit einem Paket geholfen werden. Jedes Paket enthält dasselbe, nämlich je fünf Kilo Maismehl, Mehl, Reis und Samp (ein Getreide, das mit Bohnen gekocht wird), zwei Kilo Bohnen, zwei Liter Speiseöl, 800 Gramm Erdnussbutter/Marmelade, 250 Gramm Tea/Kaffee, zwei Kilo Instant-Haferbrei, zwei Liter Milch, 800 Gramm Sardinen mit gebackenen Bohnen, vier Mal Hefe, zwei Kilo Waschmittel, 1000 Gramm Seife und fünf Liter des ebenso nahrhaften wie beliebten Shumba-Getränks.

Helfen mit offizieller Erlaubnis

Geschah dies anfänglich aufgrund der angebrachten Eile noch illegal, so haben die Niederbürener mittlerweile vom Township-Vorsteher die offizielle Erlaubnis erhalten, zu helfen. «Wir stehen, zusammen mit unseren beiden Mitarbeitern, welche sehr gläubige und verlässliche Menschen sind, dafür ein, dass jeder Franken für notbedürftige Familien verwendet wird», verspricht Jörg Caluori. Kaum hat er dies gesagt, «plingt» sein Smartphone: «Unsere Haushälterin hat mir die Abrechnung für die Lebensmittel geschickt», erklärt Caluori – und zeigt stolz die penible Abrechnung.

Doch obwohl bis anhin einige Freunde und auch bis dato ihnen unbekannte Personen mit Geldspenden halfen, geht dem Ehepaar aktuell ziemlich rasch das Geld aus. «Wir wären sehr froh, wenn wir durch diesen Artikel noch einiges an Spenden generieren können. Wir garantieren, bei allem, was uns heilig ist, dass jeder Franken nur für die notleidenden Familien verwendet wird. Auf unsere Leute vor Ort ist absolut Verlass», so Jörg Caluori.

Helfen, bis die Leute wieder selbst arbeiten können

Allerdings ist für die Caluoris auch klar, dass die Hilfe nur so lange andauern soll, wie auch die Covid-19-Krise die Bevölkerung daran hindert, arbeiten zu gehen. «Sobald sie wieder selbst Geld verdienen, werden wir diese Hilfsaktion mit dem Wissen einstellen, dass wir vielen Menschen helfen konnten, ein wenig besser durch eine schwere Zeit zu kommen», so Pia Caluori.