Helfen ist mehr als nur ein Hobby: Die Bronschhoferin Regina Krohn ist als Samariterin des Jahres nominiert

Das Medizinische begeistert Regina Krohn nicht nur beruflich: Die Pflegefachfrau ist auch leidenschaftliche Samariterin. Dieses Engagement bescherte ihr nun die Nominierung zur Samariterin des Jahres 2019.

Daniela Huijser
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Wird sie die Samariterin des Jahres 2019? Die Bronschhoferin Regina Krohn ist eine von fünf Nominierten aus dem Kanton St. Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein.

Wird sie die Samariterin des Jahres 2019? Die Bronschhoferin Regina Krohn ist eine von fünf Nominierten aus dem Kanton St. Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein.

Ralph Ribi

Mit strahlendem Lächeln blickt Regina Krohn in die Kamera, während der Fotograf ein Bild ums andere schiesst. Fast so routiniert wie ein Model präsentiert sie sich und die Samariterausrüstung im Blitzlicht. Kein Wunder, Regina Krohn ist in diesen Tagen eine gefragte Frau. Seit ihrer Nominierung zur Samariterin des Jahres 2019 klopfen die lokalen Medien bei der 22-jährigen Pflegefachfrau an.

Der plötzliche Rummel um ihre Person erstaunt die Bronschhoferin, aber sie lässt sich gerne auf die Medien ein. Nicht, weil sie das Rampenlicht sucht, sondern weil sie die Gelegenheit nutzt, um Werbung für den Samariterverein Wil zu machen. Denn bei diesem engagiert sie sich mit viel Herzblut.

Schnuppertag im Spital Wil begeisterte sie

Regina Krohn war 16, als sie Lust auf ein neues Hobby hatte. Der Samariterverein stand damals nicht in der engeren Auswahl. Das änderte sich am Stadtfest, als die Jugendliche einen Samariterposten sah und überrascht feststellte, dass dort auch junge Leute Dienst taten. «Ich sprach sie an und erhielt viele Informationen, die mich zu einem Schnupperbesuch bei einer Übung bewegten.» Mit Schnuppern hatte sie zuvor schon bei der Berufswahl gute Erfahrungen gemacht. Regina Krohn erzählt:

«Ich wusste zwar schon früh, dass ich etwas mit Medizin machen wollte, doch der Pflegebereich reizte mich gar nicht. Und das obwohl meine Mutter als Pflegefachfrau arbeitet.»

Doch dann liess sie sich zu einem Schnuppertag im Spital Wil überreden – und war so begeistert, dass sie die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit in Angriff nahm.

Sehr schnell im Verein integriert

Begeistert war die Teenagerin auch vom Schnupperabend beim Samariterverein. Gleich danach wurde sie Mitglied und absolvierte verschiedene Kurse. Bald schon durfte sie selber Postendienst leisten. «Ich fühlte mich schnell sehr wohl im Verein», erinnert sich Regina Krohn an die Zeit vor sechs Jahren. «Ich war extrem rasch integriert und wurde sehr gut gefördert. Die Kurse gefielen mir; ich machte den Samaritergrundkurs, lernte Reanimation und genoss es, ein so sinnvolles Hobby zu haben.»

Unter anderem im Umgang mit dem Reanimationsgerät wurde Regina Krohn geschult.

Unter anderem im Umgang mit dem Reanimationsgerät wurde Regina Krohn geschult.

Bild: Ralph Ribi

Auf der Strecke blieb damals das Geigenspiel, ihr langjähriges Hobby. Zeit aber blieb für die Weiterbildung zur Pflegefachfrau – und für ihren Freund. Der könne zwar kein Blut sehen, wie Regina Krohn lachend erzählt, aber er unterstütze ihr Engagement im Verein auf seine Weise. «Wenn ein Postendienst spätabends zu Ende geht, holt er mich zum Beispiel ab.»

Die Familie unterstützt sie

Unterstützung erfährt die Samariterin auch aus ihrem engsten Familienkreis: Ihre jüngste Schwester wie auch ihre Mutter sind Mitglieder des Vereins geworden. «Meine Mutter macht selten Postendienst, aber mit meiner Schwester war ich schon ab und zu gemeinsam im Einsatz.»

Über diesen Anhänger verfügt der Samariterverein seit Kurzem.

Über diesen Anhänger verfügt der Samariterverein seit Kurzem.

Bild: Andrea Häusler

Für diese Einsätze steht seit kurzem ein top ausgerüsteter Anhänger zur Verfügung. Regina Krohn war wesentlich daran beteiligt, dass dieser mobile Raum mit Ausrüstung, Liegebett und Besprechungstisch angeschafft werden konnte. Entsprechend stolz zeigt sie dem Fotografen die vielen durchdachten Details im Anhänger.

Apropos Einsätze: Diese verlaufen gewöhnlich ziemlich ruhig. Keine blutüberströmten Patienten, keine laute Hektik am Einsatzort.

«Meistens sind es kleine Verletzungen und Wunden, die wir versorgen. Aber ich erlebte auch schon leichtes Herzklopfen, als ich zu Personen gerufen wurde, die nicht mehr ansprechbar waren.»

Oft handle es sich dabei aber um Schlafende, die zu viel Drogen oder Alkohol konsumiert haben.

Geglückte Reanimation

Bei einem schwereren Fall werde sowieso der Rettungsdienst gerufen, so wie kürzlich bei einer Sportveranstaltung, als Vereinsmitglieder jemanden reanimieren musste. «Zum Glück hatten wir Erfolg.»

Die Ausrüstung von Regina Krohn.

Die Ausrüstung von Regina Krohn.

Bild: Ralph Ribi

Die Arbeit des Rettungsdienstes beeindruckt die junge Pflegefachfrau sehr. So sehr, dass sie sich zur Rettungssanitäterin ausbilden will. Den Studienplatz an der Höheren Fachschule hat sie bereits auf sicher, nun benötigt sie noch eine Ausbildungsstelle. Wenn’s damit klappt, beginnt die Ausbildung im August. Für den Samariterverein wird sich Regina Krohn aber trotzdem weiterhin Zeit nehmen. Gerade absolviert sie die Ausbildung zur Samariterlehrerin und kann dann die monatlichen Übungen leiten. «Die sind immer sehr spannend und lehrreich», schwärmt sie.

Know-how nützt im Alltag

Ein Höhepunkt des Vereinsjahrs ist jeweils eine grosse Übung gemeinsam mit dem Samariterverein Münchwilen, bei dem verschiedenste Bereiche geübt beziehungsweise vermittelt werden. «Solche Anlässe bringen uns allen viel. Dank meinen Kursen konnte ich auch schon einmal privat helfen», erzählt Regina Krohn.

«Ich war zufälligerweise in der Nähe, als ein Velofahrer angefahren wurde und stürzte. Damals war ich sehr froh um mein Know-how.»

Und der Velofahrer ebenfalls, wie er in einem Dankesbrief an seine Helferin schrieb.

Wahl findet wegen des Corona-Virus im kleinen Rahmen statt

Die Vereinsmitglieder treffen sich aber nicht nur, um Neues zu lernen. Auch die Geselligkeit wird gepflegt, etwa bei Kegelabend oder einer Vereinsreise. Gesellig hätte es auch am 7. März werden sollen. Dann war in Bazenheid die Wahl der Samariterin des Jahres 2019 geplant. Wegen des Corona-Virus findet die öffentliche Feier nun nicht statt. Gewählt wird im kleinen Rahmen.

Nominiert sind fünf Samariter aus dem Kanton St.Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein. «Als ich von meiner Nominierung erfuhr, war ich sehr überrascht – und auch erfreut», sagt Regina Krohn. «Unsere Präsidentin Ursula Forrer meldete mich nämlich ohne mein Wissen an.» Und deshalb steht die leidenschaftliche Samariterin nun im Licht der Öffentlichkeit. «Aber für den Verein mache ich das gerne», sagt sie und schmunzelt. «Das ist beste Werbung für ein richtig cooles Hobby.»

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