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Helfen geschlechtergetrennte Klassen für den Lernerfolg? Die Zukunft des Kathi in Wil hängt davon ab

Bringen geschlechtergetrennte Klassen einen Vorteil? Experten sind sich uneinig.
Gianni Amstutz
Am Kathi werden ausschliesslich Mädchen beschult. In Zukunft würden in der Schule auch Bubenklassen unterrichtet. Bild: Mareycke Frehner

Am Kathi werden ausschliesslich Mädchen beschult. In Zukunft würden in der Schule auch Bubenklassen unterrichtet. Bild: Mareycke Frehner

Die Gretchenfrage, welche die Stadt Wil seit Jahrzehnten beschäftigt, schlägt plötzlich national Wellen. Auf den Schulanfang hin haben zahlreiche Medien dem Thema geschlechtergetrennte Klassen Artikel gewidmet. «Schulen sind bubenfeindlich» titelte etwa die «Schweiz am Wochenende» und das Schweizer Radio und Fernsehen stellte auf seiner Internetseite die Frage «Braucht es reine Buben-Klassen?»

In Wil könnte das Thema keine höhere Brisanz haben. Schliesslich steht hier die Zukunft der Mädchensekundarschule St.Katharina auf Messers Schneide. Der Stadtrat will künftig ein Modell mit nur noch drei öffentlichen Oberstufen – und plant ohne das Kathi. In den nächsten Wochen bis Monaten sollte das Geschäft im Parlament behandelt werden. Falls das Kathi weiter besteht, wird es künftig neben Mädchenklassen auch Bubenklassen führen – und so den Forderungen von Bildungsexperten nachkommen. Sie verlangen Bubenklassen, um der von ihnen ins Feld geführten systematischen Benachteiligung von Knaben entgegenzuwirken.

Jungen ticken anders als Mädchen

Einer dieser Experten ist Allan Guggenbühl. Im Tagblatt-Artikel bezeichnet er die Buben als «Bildungsverlierer des vergangenen Jahrzehnts». Immer stärker fokussiere die Schule auf soziale und emotionale Kompetenzen sowie selbstgesteuertes Lernen. Knaben bräuchten hingegen eine klare Struktur und Frontalunterricht. Da die Schwerpunkte aber vermehrt anders lägen, litten die Leistungen der Schüler, so die Meinung von einigen Experten. Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl findet deshalb, man müsse Geschlechterunterschiede im Unterricht mehr berücksichtigen – allenfalls auch reine Bubenklassen ins Auge fassen.

Ähnlich argumentieren die Verantwortlichen des Kathi. «Eine Sache ist unbestritten: Mädchen sind anders, Knaben auch», halten sie in ihrem Positionspapier zur Erhaltung des Kathi fest. Deshalb bräuchten sie eine Schule, an der sie ihren Anlagen und Bedürfnissen entsprechend lernen und sich entwickeln können. Bei einem solchen System steige die Chance, dass die Kinder ernst genommen und gefördert werden.

Nur ein minimaler positiver Effekt

Einig ist man sich unter den Experten aber nicht, ob geschlechtergetrennte Klassen Schülerinnen und Schülern einen Bildungsvorteil bieten – schon gar nicht in Wil. Der ehemalige Kleinklassenlehrer René Walcher hat verschiedene Studien und Metastudien analysiert und kommt zu einem anderen Ergebnis. Sein Fazit: Geschlechtergetrennter Unterricht habe nur einen minimalen positiven Effekt auf den schulischen Erfolg. Er bezeichnet diesen Unterschied als vernachlässigbar.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern gebe es hingegen im psychosozialen Bereich. Knaben weisen gemäss den untersuchten Studien ein höheres Gewaltpotenzial sowie eine schlechtere Affektkontrolle auf. Für Walcher ist dies aber kein Grund für geschlechtergetrennte Klassen. Die Studien zeigen, dass eine geschlechtergetrennte Beschulung keine Vorteile bezüglich der akademischen Leistungen der Kinder erbringt – weder für Mädchen noch für Buben.»

Der eindeutige Beweis fehlt

Ob nun also geschlechtergetrennte Klassen einen merklichen Vorteil erbringen, ist umstritten. Der Königsweg hin zur idealen Bildung bleibt Ansichtssache. Das zeigt sich daran, dass selbst Walcher in seiner Analyse auf Studien hinweist, die geschlechtergetrennten Klassen einen grossen Einfluss zuschreiben. Diese Studien, so Walchers Ansicht, seien jedoch weniger verlässlich, da die Ergebnisse aufgrund von Faktoren wie sozioökonomischer Status, IQ oder Nationalität verzerrt seien.

Im Gegenzug basiert auch die Annahme von Jugendpsychologe Allan Guggenbühl und der Kathi-Verantwortlichen, wonach geschlechtergetrennte Klassen zu einer besseren Leistung der Schülerinnen und Schüler führt, auf keinen eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Stadtparlamentarier werden sich bei dieser Forschungslage wohl in erster Linie auf ihr Gefühl verlassen müssen. Oder aber sie orientieren sich bei ihrer Entscheidung an anderen Faktoren.

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