Helden auf dem Feld

Alltag

Andrea Häusler
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Die Schlachtrufe sind laut, schrill, markdurchdringend. Mit Stöcken, Zaunpfählen und Astgabeln bewaffnet lieferten sich Knaben und Mädchen ein scheinbar unerbittliches Gefecht. Wer gegen wen ficht und um welche mutmasslich territorialen Ansprüche es auf der Wiese hinter dem Flawiler Pfadiheim geht, ist unklar. Fest steht hingegen: Es ist kein Spiel, sondern Ernst. Wenn man dem kleinen, um Atem ringenden Haudegen in der kurzen Hose und den Schweissperlen auf der Stirn Glauben schenkt. Nachfragen geht nicht. Der Bub hat sich längst wieder brüllend und stockschwingend ins Getümmel gestürzt.

Ziemlich gefährlich, findet ein erwachsener Zaungast den spielerischen Ernstfall auf dem Schlachtfeld Riederen. Tatsächlich will man sich nicht vorstellen, was im unglücklichsten Fall (auch unbeabsichtigt) mit den hölzernen Degen und Lanzen passieren könnte. Die Szene hat sich jetzt nach Norden verschoben. Auf dem Kiesplatz bei den zahlreichen Velos wird «Kriegsrat» gehalten. Bis aus dem nahen Gebüsch die nächste Attacke gestartet wird. «Hey, warum gehst Du auf mich los?» Das Mädchen schaut ungläubig. Der um einen Kopf kleinere Bub vor ihr wirkt irritiert und senkt sofort den krummen Ast. Freund oder Feind? Vielleicht sowohl als auch?

Allmählich beruhigt sich die Lage. Die Kräfte der kleinen Kämpferinnen und Kämpfer scheinen zu schwinden. Man steht beisammen, die Stöcke bei Fuss. Die ersten verabschieden sich an den Verpflegungsstand. Sinnvoll? Gefährlich? Oder einfach nur wohltuend, dass es sie – Internet- und Smartphone-Generationen hin oder her – noch immer gibt: Kinder, die ohne Anleitung und käufliches Spielzubehör gemeinsam Spass haben können. Der ältere Beobachter von vorhin hat das Lächeln wiedergefunden. «Klar ist das Ganze nicht ganz ungefährlich. Aber: Genau so haben wir früher doch auch gespielt.»

Andrea Häusler

redaktion@wilerzeitung.ch