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Heisst es Obig oder Obet?

Seitenblick
Simon Dudle

Das Orakel muss es dieses Jahr wieder mal richten. Vor der Fussball-WM wird es den Weltmeister tippen. Es kann anhand der Aussprache von zehn Mundart-Begriffen aber auch sagen, wo in der Schweiz die eigene Herkunft liegt. Das behauptet zumindest das Chuchi-Chäschtli-Orakel, welches unter www.dialects.from.ch seine Dienste anbietet.

Das Orakel gehört anhand eines Selbstversuches getestet. Das Wort «Hand» tönt in der Äbtestadt nicht anders. Aus «nicht» wird in Wil «nöd». «Heute» wird zu «hüt». Auch beim Wort «Fenster» ist die Abweichung gering – hin zu «Fenschter». Das «gestern» heisst auf Wilerisch «geschter».

Bei der Hälfte taucht langsam die Frage auf, wie das Orakel bei diesen Worten Sprachunterschiede ausmachen will. Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend tadeln. Apropos Abend: Daraus wird «Obig». Auch kein Problem ist Wort «gehorchen». Es wird zu «folge». Der «Mond» bleibt in der Wiler Mundart unverändert. Interessant wird es bei «jeweils». Hier bietet das Orakel in der Auswahlliste ganze 41 Varianten an, wie man das im Lande aussprechen kann. In Wil sagt man «amigs». Beim Wort «Holzsplitter» scheiden sich die Dialekte: In der Äbtestadt ist von einem «Schpise» die Rede.

Das Orakel ist gefüttert und soll nun bestätigen, dass die Herkunft Wil ist. Ein Klick, und das Resultat ist da. Mit 90-prozentiger Übereinstimmung wird dieser Dialekt in ... Meilen am Zürichsee gesprochen. Liegt es am Orakel oder dem Schreibenden beziehungsweise Sprechenden? Um dies herauszufinden, bietet das Orakel die Gegenprobe an. Man kann eine Ortschaft eingeben und dann schauen, wie die Wörter dort ausgesprochen werden. Es gibt drei Abweichungen. In Wil sagt man scheinbar nicht «amigs», sondern «amel», statt «Obig» heisst es «Obet», und der Himmelskörper heisst nicht «Mond», sondern «Mo».

Das Orakel bezieht die Infos aus dem «Sprachatlas der deutschen Schweiz». Die Dialekt-Aufnahmen stammen aus den Jahren 1939 bis 1958. Der Sprachwandel trägt das Seine dazu bei, dass es sich «nur» um ein Orakel handelt und nicht um Wissenschaft.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

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