Heisses Wasser soll bald fliessen

Wil und Bazenheid wollen ein Fernwärmenetz – die Realisierbarkeit hat eine Studie bereits belegt. Um das Projekt voranzutreiben, wurde nun eine Interessengemeinschaft gegründet. In zwei Jahren soll in Bazenheid das Wasser fliessen.

Stefan Etter
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Mit solchen Rohren könnte die Kehrichtverbrennungsanlage die Fernwärme nach Bazenheid und nach Wil weiterleiten. (Bild: Hannes Thalmann)

Mit solchen Rohren könnte die Kehrichtverbrennungsanlage die Fernwärme nach Bazenheid und nach Wil weiterleiten. (Bild: Hannes Thalmann)

WIL. «Das Projekt kostet zwar viel Schweiss und Arbeit», sagt Daniel Meili, Wiler Stadtrat. «Doch der Aufwand ist sinnvoll und das Projekt ökologisch erstrebenswert.» Die Rede ist vom geplanten Fernwärmenetz. Bereits heute beliefert der Energiepark des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) mehrere Industriebetriebe in Bazenheid mit Dampf. Künftig soll über ein Röhrensystem Fernwärme in Form von heissem Wasser nach Wil, Bazenheid und Kirchberg geleitet werden. «Dadurch können wir die bereits vorhandene und ökologische Energiequelle nutzen und gleichzeitig den Anteil fossiler Energiequellen reduzieren», sagt Meili. Dass das Projekt technisch und wirtschaftlich realisierbar ist, habe eine im September publizierte Machbarkeitsstudie bestätigt.

Kirchberg aus dem Spiel

Um das Fernwärmenetz voranzutreiben und konkret zu bearbeiten, wurde die Interessengemeinschaft Fernwärme Kirchberg-Wil gegründet (IGF) – bestehend aus Vertretern der Stadt Wil, der Technischen Betriebe Wil, der Gemeinde Kirchberg, der Regionalwerk Toggenburg AG, der Dorfkorporation Bazenheid und des ZAB als Zulieferer. «Die IG ist dazu da, um dem Projekt einen gemeinsamen Träger zuzuteilen, einheitliche Tarifstrukturen zu entwickeln und Marketingstrategien zu koordinieren», sagt Donat Ledergerber, Gemeinderat in Kirchberg.

Donat Ledergerber präsidiert zusammen mit Daniel Meili die Geschicke des IGF. «Geplant war ursprünglich ein dreigliedriges Fernwärmenetz», sagt Ledergerber. Bestehend aus drei selbständigen Projekten: dem Dorf Kirchberg, Bazenheid und der Stadt Wil. Die Machbarkeitsstudie habe aber gezeigt, dass Kirchberg nicht rentabel ist. Der Höhenunterschied und die Distanz mache es zu kompliziert. «Zudem wäre der Druck, um das warme Wasser zu transportieren, wohl zu klein.» Kirchberg sei deswegen aus dem Spiel. «Vorerst.»

Fokus auf Grossunternehmen

Stattdessen sieht es beim Projekt Bazenheid gut aus. «Nur schon aufgrund der kurzen Distanz zwischen dem ZAB und dem Dorf», erklärt Ledergerber. Zudem beliefere der ZAB bereits die Micarna mit Wasserdampf, was die Weiterleitung von heissem Wasser nach Bazenheid vereinfache. «Auch seitens potenzieller Abnehmer haben wir bereits sehr gute Signale.» Der Fokus liege hierbei auf den grossen Abnehmern wie Industriebetrieben und öffentlichen Gebäuden wie Turnhallen oder Schulhäuser. «Sobald die ersten Verträge unterzeichnet sind, beginnen die Bauarbeiten.»

Laut Ledergerber ist geplant, im Herbst 2016 die ersten Kunden mit Wärme zu versorgen. «Die Schwierigkeit ist, dass wir innert nützlicher Frist möglichst viele Kunden gewinnen müssen.» Das sei nicht einfach. «Nicht jeder wird eine Ölheizung ersetzen, wenn sie erst zwei Jahre alt ist.» Trotzdem ist Ledergerber überzeugt, genügend Kunden für das «sympathische» Projekt zu gewinnen. «Vielleicht auch am 16. Februar 2015, wenn wir in Bazenheid konkret über das Projekt informieren.»

Möglichst dichtes Netz

Etwas anders sieht es beim Projekt in Wil aus. «Während Bazenheid bereits beim Detailprojekt ist, befinden wir uns noch in einem frühen Stadium der Planung», sagt Daniel Meili. «Wil ist grösser als Bazenheid und die politischen Prozesse dauern länger. Zudem sind bei uns die Kosten höher.» Nun gehe es darum, Faktoren wie Distanz, Wärmeverlust, Baukosten und potenzielle Abnehmer zu analysieren. «Das Ziel ist, ein möglichst dichtes Fernwärmenetz zu bauen.» Davon würden auch viele Wiler Haushalte profitieren, die aufgrund der hiesigen Topographie fast flächendeckend erschlossen werden können. «Die Altstadt aber wohl eher nicht. Doch wie fein das Netz wird, hängt von der Zahl interessierter Abnehmer ab, die wir rentabel anschliessen können.»

Um die Wirtschaftlichkeit in Wil noch detaillierter zu prüfen, haben die Verantwortlichen eine weitere Studie in Auftrag gegeben. Die Bevölkerung werde weitergehend informiert, sobald genügend Interessenten in Wil vorhanden sind, spätestens aber in einem Jahr. «Schliesslich wollen wir konkurrenzfähig und eigenwirtschaftlich Energie produzieren.» Wie hoch die Kosten ausfallen werden, könne derzeit aber noch nicht beziffert werden.

Daniel Meili Stadtrat in Wil und Co-Präsident der IG Fernwärme (Bild: pd)

Daniel Meili Stadtrat in Wil und Co-Präsident der IG Fernwärme (Bild: pd)

Donat Ledergerber Gemeinderat in Kirchberg und Co-Präsident der IG Fernwärme (Bild: Urs Bucher)

Donat Ledergerber Gemeinderat in Kirchberg und Co-Präsident der IG Fernwärme (Bild: Urs Bucher)