Heisser Besenstiel-Blues im «Park»-Keller

Es ging wieder mal heiss zu und her im Keller des Restaurants Park zu Flawil. Chicago Hot Club war zu Gast am Montag, ein heisser Club aus Chicago, der dem Namen nach etwas ganz anderes assoziieren würde und gewiss nicht aus Chicago kommt.

Michael Hug
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Singt nicht, weil er es kann, sondern der Schönste ist: Rolf Albisser (rechts) mit Gregor Bruhin, die beiden Frontmänner des Chicago Hot Clubs. (Bild: Michael Hug)

Singt nicht, weil er es kann, sondern der Schönste ist: Rolf Albisser (rechts) mit Gregor Bruhin, die beiden Frontmänner des Chicago Hot Clubs. (Bild: Michael Hug)

Es ging wieder mal heiss zu und her im Keller des Restaurants Park zu Flawil. Chicago Hot Club war zu Gast am Montag, ein heisser Club aus Chicago, der dem Namen nach etwas ganz anderes assoziieren würde und gewiss nicht aus Chicago kommt. Bei den sechs Mitgliedern dieses Clubs handelt es sich um Musiker, um gestandene, währschafte Freizeitmusiker aus dem Aargau. Trompete, Posaune, Klarinette, Bass, Schlagzeug und Banjo steht üblicherweise für Dixie-Jazz. Doch das wäre bei diesen älteren, immer noch «heissen» Herren nur die halbe Wahrheit gewesen.

Afroamerikanische Herkunft

Chicago Hot Club bot, bei aller Hitze im Namen, vor allem gemütliche Musik. «Hot», also heiss nach Art der Aargauer ist Vollgas, mitreissend, einheizend, brisant, dennoch entspannend.

Ihre Interpretationen bekannter Standards leben von Improvisationen und Soli: Emotionelle Sängerparts (Gregor Bruhin oder Rolf Albisser), drückende Klarinettenimpros (Ueli Brunner), wahnwitzige Posaunenläufe (Rolf Albisser, der auch singt, aber nicht, weil er es kann, sondern, gemäss eigenen Worten, der Schönste ist) oder schmetternde Trompetensoli von Gregor Bruhin (als Instrumentenhändler auch der Mechaniker der Band), der mit seiner Jugendlichkeit den Altersdurchschnitt der Band unter 60 Jahre drückt.

Kein Besenstiel-Blues

Dann und wann liess man dem Ältesten im Line-up den Vortritt (Fredi Baranowski), der, konzentriert auf sein Banjo, 45 Jahre Bühnenpräsenz in Erinnerung rief, oder den Zweitältesten, aber am Schlagzeug immer noch drauf wie ein Junger (Hajo Commes). Am Bass, zurückhaltend, jedoch nicht minder zum Groove beitragend, meldete sich bei Gelegenheit Ernst Grödel kräftig zu Ton.

Man bot einiges, was die Kollekte in der Mitte des Abends bei weitem rechtfertigte: Klassiker des Dixielands, Evergreens aus den Vierzigern und Fünfzigern, lüpfige Swing-Megasellers, Ohrwürmer aus Chicagos Bluesclubs oder Cajun aus New Orleans. «Eh, la bas» ist so ein Song mit französisch-kreolischen Wurzeln, über den man üblicherweise nichts weiss, der aber jedem und jeder nach nur drei Takten in den Ohren schwingt. «Basin Street Blues», der kein Blues ist, sondern eine Jazzballade aus dem Jahr 1928, ist auch so ein Ohrwurm, dessen Titel, wie Bruhin lachend meinte, nicht «Besenstiel-Blues» heisst.

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