Heidi neu erleben: Weil die Bilder in den Büchern zu klein waren, hat sie Marlene Stör einfach neu gezeichnet

Marlene Stör hat die Heidi-Geschichte zeichnerisch festgehalten und zeigt dies mit anderen Preziosen bis im März im Ortsmuseum Oberuzwil.

Kathrin Meier-Gross
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Marlene Stör hat ihre Bilder aus der Heidi-Geschichte der Zeitepoche angepasst.

Marlene Stör hat ihre Bilder aus der Heidi-Geschichte der Zeitepoche angepasst.

Bild: Kathrin Meier-Gross

«Unglaublich, dieser riesige Schatz an genauen und bezaubernden Zeichnungen. Da steckt immens viel Arbeit dahinter», fasste Rita Geiger-Germann am Sonntag ihre ersten Eindrücke zusammen, als sie mit ihrem Gatten Toni die Ausstellung im Ortsmuseum Oberuzwil besuchte. Tatsächlich bestechen die Bilder durch ihre Detailtreue.

Beeindruckend genau

Die Bichwilerin Marlene Stör lässt in ihren Farbstiftzeichnungen die Heidi-Geschichte aufleben und zeigt das Leben, wie es sich auf einer einfachen Alp abgespielt haben könnte. Kleider, Möbel, Häuser und Fortbewegungsmittel hat sie der Zeit um 1880 angepasst, jenen Jahren, als Johanna Spyri die Geschichte von Heidi aufgeschrieben hat. Beeindruckend sind die genauen Darstellungen der heimischen Alpenflora und Fauna.

Die Umgebung muss stimmen

Als vierfache Mutter, die nebenbei eine Spielgruppe leitete, konnte sich Marlene Stör schon immer gut in die Kinderwelt hineinversetzen. Als sie ihren in Japan lebenden Enkelinnen die Heidi-Geschichte zeigen wollte, wurde ihr bewusst, dass die Silva-Bücher nur mit kleinen Bildern illustriert waren. Darauf beschloss sie, den ersten Teil der Geschichte zeichnerisch darzustellen. So entstanden von 2007 bis 2011 fünf Bände in deutscher und englischer Sprache.

Die ersten drei Bücher hat sie in ihrem Atelier in Quinten gezeichnet. Die vitale und sportliche Frau, die im Frühling ihren 70. Geburtstag feiern kann, hatte sich am Walensee ein Atelier eingerichtet, wo sie sich von der nahen Bergwelt inspirieren liess. Für den vierten Band «Winter im Dörfli», verbrachte sie den Winter in einem Wohnwagen in den Flumserbergen. Am Tag auf den Ski, nachts zeichnend. «Die Umgebung muss stimmen», schmunzelt die Zeichnerin.

Nächste Traumdestination: Amden

Für die Realisation des fünften und letzten Heidibuchs hatte sie ihre Traumdestination gefunden: ein altes Haus oberhalb Amden mit Ausblick auf den Mürtschenstock.

Den Text für die Bücher hat sie jeweils während der Schnorchelferien in Ägypten geschrieben. Da sie keinen Verlag finden konnte, der die Bücher publizieren wollte, hatte sie kurzerhand ihren Eigenverlag gegründet. Um die Kosten abzuarbeiten, besuchte sie Buchhandlungen und führte Lesungen durch.

Gwunderchästli-Gschicht mit vielen Erlebnissen

Als gelernte Dekorateurin hat sie auch ein Flair für gestalterische Arbeiten. So entstanden unter anderem die «Gwunderchästli». Eines zeigt die zwölf Monate. Marlene Stör hat dazu das entsprechende Buch produziert, in dem sie zu jedem Monat ein positives und ein weniger erfreuliches Erlebnis erzählt.

Ideen hat die leidenschaftliche Sammlerin zuhauf. Engel aus Holz und Rinde sind entstanden. Bilder, die mit farbigen Schoggipapierkügelchen verziert sind und Rosenbilder. Sie sind auch auf Postkarten und Tassen erhältlich. Marlene Stör strotzt vor Schaffensdrang. Aber immer im Einklang mit Aktivitäten in der Natur – beim Wandern, im Schnee, im Wasser.

Jeden zweiten Sonntag im Monat geöffnet

Die Ausstellung dauert bis März. Das Ortsmuseum ist jeden zweiten Sonntag im Monat geöffnet. Neben der aktuellen Ausstellung mit den Werken von Marlene Stör zeigt das Ortsmuseum auch die Sammlung von Mario Klaus. Der Bichwiler hat im Branchenbuch der Schweiz von 1920 sage und schreibe 28 Gaststätten in Oberuzwil gezählt. In seinem Archiv hat er die entsprechenden Fotografien und Postkarten gefunden. Diese erzählen vom gesellschaftlichen Leben vor 100 Jahren, als noch Pferdefuhrwerke verkehrten und die Tiere versorgt werden mussten. Einige der Gasthäuser stehen noch, andere sind Vergangenheit.