Hefti und Baumann setzen in St. Moritz auf Frauenpower

BOB. Die Olympia-Zweiten Beat Hefti und Alex Baumann konzentrieren sich seit Anfang Saison nicht zuletzt aus finanziellen Überlegungen auf den Zweierbob.

Urs Huwyler
Merken
Drucken
Teilen
Ab heute wird das neuformierte Team erstmals gemeinsam den St. Moritzer Bobrun herunterfahren und am Wochenende am Weltcup-Rennen teilnehmen. (Bild: pd)

Ab heute wird das neuformierte Team erstmals gemeinsam den St. Moritzer Bobrun herunterfahren und am Wochenende am Weltcup-Rennen teilnehmen. (Bild: pd)

BOB. Die Olympia-Zweiten Beat Hefti und Alex Baumann konzentrieren sich seit Anfang Saison nicht zuletzt aus finanziellen Überlegungen auf den Zweierbob. «Es macht mehr Sinn, in einer Disziplin um den Sieg mitzufahren als zweimal Mittelmass zu sein», lautet das Motto der beiden Mitgliedern des Micarna-Teams. Eine Strategie, die Nationaltrainer und ex-Weltklasse-Pilot Wolfgang Stampfer (Oe) befürwortet. «Es wäre natürlich ideal, könnte Beat auch erfolgreich Vierer fahren. Aber es fehlt an leistungsstarken Anschiebern. Also gilt es, die Kräfte zu konzentrieren und nicht den funktionierenden Vierer von Rico Peter auseinanderzureissen», erklärt Stampfer.

Mit den Zweier-Starts und wöchentlichen Spitzenresultaten ist es für die seit dem Sieg in Königssee im Gesamtweltcup führenden Europameister nicht getan. Nach Reglement muss Pilot Hefti pro Saison mindestens ein (kostenintensives) Vierer-Rennen bestreiten, um in der Quotenplatz-Wertung zu verbleiben. Das Resultat spielt keine Rolle. Die Mannschaft muss einfach auf den Kufen in Vollbesetzung das Ziel erreichen. So, als müsste ein Langlauf-Sprinter auch einen 50-km-Marathon oder ein Rad-Bahnfahrer eine Alpenetappe überleben. Über (Un-)Sinn der FIBT-Regelung möchten die beiden Sportler nicht diskutieren.

Baumann freut sich

Statt zwei gewichtige Männer temporär einzukaufen, bestreiten Hefti/Baumann den Weltcup in St. Moritz mit Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Siebenkämpferin Linda Züblin auf den Positionen zwei und drei. Spirig absolvierte vor einem Jahr mit dem Männer-Doppel zwei Fahrten in St. Moritz, Züblin erhält immer wieder Anfragen aus Bobkreisen, ob sie während der Wintermonate nicht in den Eiskanal wechseln wolle. Derzeit versucht sich mit der Kanadierin Kaillie Humphris bereits eine Pilotin bei den Männern. Aber ein doppeltes gemischtes Doppel gab es noch nie. «Wenn es Beat und Alex nützt, machen wir mit.» Eine Zusammensetzung, auf die sich Alex Baumann freut. «Ich fahre jetzt seit acht Jahren ausschliesslich mit Männern. Das neue Team dürfte zumindest bildlich attraktiver sein als die bisherigen Mannschaften», sieht der mit Faustballerin Tina Baumann befreundete Bremser nur Vorteile im doppelten Doppel.

Reglement erfüllt

Die ganze Geschichte hat einen willkommenen Nebeneffekt. «So können wir für unseren Sport, speziell für die Frauen, Werbung betreiben», fügt Beat Hefti an. «Nicola Spirig weilt sowieso in St. Moritz, und Linda Züblin kann danach abschätzen, ob sie irgendwann die Sportart wechseln möchte.» Dass er und Alex Baumann wie die Spitzensportlerinnen dem Micarna-Team angehören, hat die Umsetzung der «verrückten» Idee realisieren lassen. «Wenn es Beat und Alex nützt, machen wir natürlich mit», sagten Spirig und Züblin spontan zu. «Bei andern Teams hätten wir abgelehnt. Bei ihnen handelt es sich immerhin um die Olympia-Zweiten, und ihnen vertrauen wir», wissen die Sommer-Sportlerinnen, bei wem sie im Schlitten durchgeschüttelt werden. Heute Mittwoch absolviert das Quartett nach einem trockenen Anschiebe-Training zwei Läufe. Dann folgt ein zweiter Trainingsblock. «Mehr ist nicht möglich.

Freude bei der Micarna

Die Qualifikation für den Final-Durchgang der besten 20 Teams dürfte ausser Reichweite liegen. Aber wir haben mit einem minimalen Aufwand das Reglement erfüllt», tönt es bei den vier Topathleten, denen eines gewiss ist: Sie werden grosse mediale Beachtung finden. Dies wiederum freut auch die Micarna in Bazenheid und somit die ganze Region.