Hauruck in Uzwil

Uzwils Exekutive verordnet Gemeindemitarbeitern längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn. Die Meldung, als Primeur in dieser Zeitung erschienen, nahm schnell Fahrt auf. Fand in nationalen Gazetten ihren Niederschlag. Online-Foren füllten sich mit Kommentaren.

Drucken
Teilen

Uzwils Exekutive verordnet Gemeindemitarbeitern längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn. Die Meldung, als Primeur in dieser Zeitung erschienen, nahm schnell Fahrt auf. Fand in nationalen Gazetten ihren Niederschlag. Online-Foren füllten sich mit Kommentaren. Radio und Fernsehen nahmen sich des Themas an. «Schweiz aktuell» strahlte zu bester Sendezeit einen Bericht aus. Wobei SRF eine Landkarte einblendete, um Zuschauern zu veranschaulichen, wo sich Uzwil, gerne mit Uznach verwechselt, überhaupt befindet. Die Industriemetropole, ansonsten nur wenig wahrgenommen, dominierte für einmal die Schlagzeilen. «Hauruck in Uzwil», titelte eine Zeitung.

Doch welcher Teufel hat den Gemeinderat geritten, eine solche Massnahme anzuordnen? Der überwiegende Teil der Leser kritisiert den Entscheid. Moniert wird, dass die Anhörung des Personals eher Formsache war. Dass der Gemeinderat Bedenken der Mitarbeiter nicht berücksichtigt hat. Gewerkschaften kritisieren, das Vorgehen fördere die neoliberale Deregulierung des Arbeitsrechts. Ganz im Gegensatz zu den beiden Sozialdemokraten in der siebenköpfigen Exekutive, die den Entscheid offenbar mitgetragen haben. Diesen Genossen ist nicht bewusst, dass sie die Anliegen der Arbeitnehmerschaft vertreten müssten. Der Konjunktiv hat hier leider durchaus seine Berechtigung. Bemerkenswert auch, dass Vorbereitungen für den Bau des Gemeindehauses mit der Arbeitszeitverlängerung vermischt wurden.

Der Gemeinderat begründet sein Vorgehen als Reaktion auf veränderte wirtschaftliche Umstände. Weist darauf hin, dass der Technologiekonzern Bühler die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 45 Stunden erhöht hat. Doch lassen sich ein stark exportorientiertes Industrieunternehmen und eine öffentliche Verwaltung, die kommunal Dienstleistungen zu erbringen hat, miteinander vergleichen? Die Rede ist von Solidarität. Die Frage sei erlaubt: Hat die Industrie der Gemeindeverwaltung je einen Bonus zukommen lassen?

Fritz Studli schätzt die Dienstleistungen seiner Gemeinde. Hier hat sich einiges zum Positiven verändert. Stets wird er dort kompetent und freundlich beraten. Dessen ungeachtet hat der Gemeinderat «Flurschaden» in Kauf genommen. Indem Angestellte die Sanktion am Arbeitsplatz diskutieren, dürfte nun viel Zeit verloren statt gewonnen werden.

Studli erinnert sich in diesem Zusammenhang an seine Zeit auf der Redaktion. Oft sass er frühmorgens am Pult, hackte Berichte in seine Schreibmaschine. Entwickelte Filme, erstellte Abzüge. Besuchte Veranstaltungen, die nicht selten bis Mitternacht dauerten. «Jamais le dimanche», Titel eines Filmklassikers, gilt nicht für Journalisten. Sonntags muss die Montagsausgabe produziert werden. Und so blieben 60-Stunden-Wochen keine Seltenheit. Doch Studli hat sich nie beklagt. War mit dem nötigen «feu sacré» dabei. Die Faszination, die vom Journalismus ausgeht, hat ihn bis heute begleitet.

Fritz Studli ist Journalist im Ruhestand und kommentiert regelmässig das Lokalgeschehen.

Aktuelle Nachrichten