«Hauptsache, der Abfall ist weg»

Der Weierer Jürg Gähwiler arbeitet als Klärmeister in der ARA Zuzwil. Faszinierend am Beruf findet er die Vielseitigkeit. Sein Ziel ist es, dass die Biologie – das Abwasser fliesst in die Thur – mit möglichst wenig Giftstoffen belastet wird.

Ramona Cavelti
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ZUZWIL. Jahr für Jahr erfüllt das Abwasser der Zuzwiler Abwasserreinigungsanlage (ARA) die Qualitätsziele. Das ist eine gute Bilanz. Zu verdanken ist sie Jürg Gähwiler, der seit zehn Jahren in der ARA arbeitet; seit drei Jahren als Klärmeister. Genug hat er noch lange nicht: «Wenn ich gesund bleibe, möchte ich den Beruf bis zu meiner Pensionierung ausüben», sagt er.

Als Aussendienstmitarbeiter der Gemeindeverwaltung Zuzwil hat er vor zehn Jahren begonnen, zu 30 Prozent in der Kläranlage zu arbeiten. Die restlichen 70 Prozent war er beim Bauamt tätig. «Als die ARA 1993 saniert wurde, habe ich als Polier mitgearbeitet, bekam Einblicke, und mein Interesse wuchs», erinnert sich Gähwiler. Nun arbeitet er seit bald drei Jahren hauptberuflich in der ARA. Die Ausbildung zum Klärmeister absolvierte er berufsbegleitend, eine Lehre dafür gibt es nicht.

Vielseitiger Beruf

«Im Beruf Klärmeister sind viele Berufe vereint», sagt Jürg Gähwiler, und zählt Beispiele auf: Gärtner, da er sich um den Unterhalt der Anlage kümmern muss. Putzmann, da die Anlage täglich gesäubert werden muss. Auch Feinarbeit ist gefragt, dann nämlich, wenn es um die Laborarbeiten und die Mechanik geht. «Mich fasziniert die Vielseitigkeit», sagt Gähwiler. Zum Tagesablauf des Klärmeisters gehören auch die Wasserproben, die jeweils morgens genommen und analysiert werden. Im Verlauf des Tages kümmert sich Jürg Gähwiler um den Unterhalt, den Service und die Maschinen. «Die Abläufe sind nicht jeden Tag gleich, denn die Arbeit ist auch vom Wetter abhängig», sagt er.

Klärwärter sein ist zeitintensiv. Jürg Gähwiler arbeitet alleine mit einem Stellvertreter. Im Pikettdienst sind sie zu dritt. «Jede dritte Woche bin ich täglich in der Kläranlage. Ausserdem muss ich stets abrufbereit sein», erzählt Gähwiler. Dies schränke natürlich auch die Auswahl der Hobbies ein.

Keine groben Vorfälle

Während seiner zehnjährigen Arbeitszeit in der Zuzwiler Kläranlage gab es nie gröbere Zwischenfälle. So erinnert sich Jürg Gähwiler nur an einen Vorfall vor zwei Jahren, als Heizöl ausgelaufen war. Dies schadet den Bakterien, die normalerweise das Wasser reinigen. «Mein wichtigstes Anliegen ist es denn auch, dass keine giftigen Stoffe in die Biologie gelangen», sagt Gähwiler. Denn das gereinigte Abwasser fliesse direkt in die Thur.

Natur schützen ist nicht einfach

Dieses Ziel zu erfüllen, wird immer schwieriger. Gähwiler spricht das Problem der Mikroverunreinigungen an. Substanzen wie Medikamente oder Hormone könnten nicht vollständig aus dem Wasser entfernt werden. Schon eine geringe Menge davon könne aber für Tiere und Pflanzen gefährlich sein. «Eine weitere Reinigungsstufe in der ARA könnte das Problem beheben. Dieses Projekt und die Vorschriften dazu sind aber noch nicht konkret und werden zurzeit vom Kanton ausgearbeitet.»

Die Medikamente gelangen nicht nur über die Ausscheidung in das Abwasser, wie Gähwiler weiss. Es gebe auch Personen, die Medikamente über die Toilette entsorgten. «Die Leute sind zu wenig sensibilisiert. Hauptsache, der Abfall ist weg.»

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