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Hauptsache authentisch: Rapperin Doris Mete alias Deeyoung aus Uzwil spricht unverblümt über ihre Empfindungen

Dank der Teilnahme an der Castingshow "The Voice of Germany" wird Doris Mete alias Deeyoung regelmässig auf der Strasse erkannt. Die 28-jährige Rapperin aus Uzwil über schwierige Zeiten, Mobbing und eine vielversprechende Zukunft.
Angelina Donati

«Was?! Du rappst?», so die schon oft gehörte Frage männlicher Gegenspielern, begleitet von einem herablassenden Blick. Die Musikerin Doris Mete aus Uzwil muss sich als Frau in einer Männerdomäne viel Fieses anhören. Die 28-Jährige weiss sich aber zu wehren: «Denkst du, ich bin nur hier, um gut auszusehen?», schiesst es aus ihr heraus. Sobald sie aufgetreten sei, hätten sich die Einschätzungen der Skeptiker plötzlich geändert und sie wollten sogar mit ihr zusammenarbeiten. Die Uzwilerin kann darüber nur müde lächeln. Was für sie zählt, ist Authentizität.

Unverblümt sind auch ihre Rap-Songs. Ob Liebeskummer, Politik oder eine Hommage an ihre Mutter: Es sind alles Themen, die tief aus ihrem Innern kommen, Themen, die sie bewegen. «Schreiben ist für mich wie eine Therapie», bekennt sie. «Ich kann mich dadurch von diesen Erlebnissen lösen und mit der Vergangenheit besser abschliessen.» Auch Fluchwörter gehören bei ihrem Musikstil dazu, wie sie weiter erzählt.

«Nur übertreiben sollte man nicht. Schliesslich ist man ja auch ein Vorbild für die Jugend.»

Deshalb ist auch das «Geprotze» oder drogenverherrlichende Musik nicht ihres. In ihren unverfälschten Texten sollen sich auch andere widererkennen, die womöglich dasselbe wie sie durchgemacht haben. «Mit meiner Musik will ich etwas Bewegen und die Leute zum Nachdenken anregen.»

Musikshow als eine der schönsten Zeiten

Selbst wenn ihre Erlebnisse niedergeschrieben sind, kann es sein, dass die Gefühle mal wieder hochkommen. Noch heute bedrückt Doris Mete, dass sich ihre erste grosse Liebe vor zwei Jahren einfach vom Acker machte. «Damals ging es mir echt nicht gut. Auch, weil es nie zu einem klärenden Gespräch kam», sagt sie. Die Beziehung habe ihr enorm viel bedeutet. Noch nie habe sie sich jemandem so geöffnet. Das abrupte Ende habe sie gebrochen. «Doch heute geht es mir prächtig», sagt sie und strahlt.

Grund zum Strahlen hat die Rapperin mit dem Künstlernamen Deeyoung schliesslich auch: Sie schwebt sozusagen im siebten Musikhimmel. Zwar schreibt sie schon seit ihrer Kindheit Gedichte, zeichnet und rappt seit sie elf Jahre alt ist. Bei «Superstar» im Jahr 2006 ersang sie sich den fünften Platz. Seit ihrem Auftritt bei der Castingshow «The Voice of Germany» im vergangenen Herbst hat sie richtig Berühmtheit erlangt und sich weit herum einen Namen gemacht. Ihr Talent konnte die Uzwilerin bis zu den Sing-Offs, eine Stufe vor dem Halbfinal, unter Beweis stellen. Offenbar habe es eine Rapperin noch nie so weit geschafft. «Es war eine der schönsten Zeiten, die ich je erleben durfte», so ihr Résumé. «Die gemachten Bekanntschaften und Erfahrungen waren Gold wert.» Wehmut, an eine Zeit, die alle wie eine Familie zusammengeschweisst habe, schwinge aber auch mit.

Schon manche Ideen Doris Metes sind beim «Gare de Lion» in Wil entstanden. (Bilder und Video: Angelina Donati)

Schon manche Ideen Doris Metes sind beim «Gare de Lion» in Wil entstanden. (Bilder und Video: Angelina Donati)

Anderen Menschen weiterhelfen

Nun, nach ihrem Auftritt im Fernsehen, wird die gelernte Detailhandelsfachfrau mit aramäischen Wurzeln oft angestarrt und angesprochen. Und auch Anfragen haben zugenommen. Etwa für Rap-Workshops für Kinder, was der 28-Jährigen ohnehin besonders zusagt. Absolviert sie doch ein Vorpraktikum in einem Jugendtreff in St. Gallen, um danach Sozialpädagogik zu studieren.

«Ich möchte bei den Menschen in die Tiefe gehen und ihnen helfen. Das ist, wofür mein Herz schlägt.»

Mit der Musik finde sie zudem einen anderen Zugang zu den Jugendlichen, wie sie feststellt. Sie ist quasi eine von ihnen. «Auch ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn man als Jugendliche gemobbt wird. Und auch ich habe schon Niederlagen erlebt und musste mit ihnen umgehen.» Das Wichtigste sei, sich nicht unterkriegen zu lassen, nie aufzugeben und an sich selbst zu glauben. «Man muss nicht mit dem Strom schwimmen.»

Auch in Zeichnungen legt die 28-Jährige ihre Gedanken nieder.

Auch in Zeichnungen legt die 28-Jährige ihre Gedanken nieder.

Der Einheitsbrei ist ihr ohnehin zuwider. «Wir Menschen verblöden heute förmlich», sagt sie und spielt damit an, dass viele Leute ständig nur noch ins Handy starren. Manchmal wünscht sie sich daher den Sommer 1996 herbei, als die Technik noch nicht so weit fortgeschritten war wie heute. Auch sie pflege einen Instagram-Account, jedoch in Massen. Diese Plattform habe durchaus gute Seiten. Dennoch sollte das eigene Leben nicht davon diktiert werden. «Was mich am meisten frustriert, ist, dass alles perfekt dargestellt wird, die Realität aber anders aussieht. Das verunsichert Mädchen wie auch Jungs und kann sie zur Verzweiflung bringen.»

Rapperinnen hätten in der Männerdomäne einen schweren Stand, sagt Doris Mete.

Rapperinnen hätten in der Männerdomäne einen schweren Stand, sagt Doris Mete.

Musikkarriere geht weiter bergauf

Chancen, als Musikerin in der Schweiz Fuss fassen zu können, rechnet sich Doris Mete nicht gross aus. «Viel grösseres Potenzial haben Künstler in Deutschland oder Amerika», sagt sie und fügt hinzu: «Ich habe aus Deutschland ein spannendes Angebot erhalten.» Noch sei alles ganz frisch. Mehr verraten dürfe sie nicht. «Mit meiner Musikkarriere geht es auf jeden Fall weiter», sagt sie und strahlt erneut.

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