«Hauptsach fesch samma!»

«Bösch drohen Konsequenzen» Wiler Zeitung vom 15. April 2015 «Bösch drohen Konsequenzen» Wiler Zeitung vom 15. April 2015

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Facebook ist ein Segen für die Menschheit. Wo sonst hätte SVP-Stadtparlamentarierin und Mitglied der Bildungskommission, Sarah Bösch, der Öffentlichkeit mitteilen können, jetzt sei sie gerade betrunken aus dem Strassenverkehr gezogen worden, fühle sich aber blendend dabei.

Dass sich SVP-Kollege Mario Schmitt als gebranntes Kind so vehement für seine Parteikollegin einsetzt («ein Kavaliersdelikt»), vermag auch nicht zu erstaunen.

Der Österreicher sagt dazu: «Hauptsach fesch samma!»

Franz Billia,

Löwenstrasse 2

9500 Wil

Sind denn alle gegen die SVP?

Wieder einmal macht jemand aus der Wiler SVP Schlagzeilen. Diesmal ist es eine junge Frau, die erst seit kurzem für die SVP-Fraktion im Stadtparlament sitzt und eine Dummheit gemacht hat, indem sie alkoholisiert Auto gefahren ist. Damit aber noch nicht genug. Als sie von der Polizei kontrolliert wurde, stellte sie ein Bild mit negativen Kommentaren über die Polizisten, die sie angehalten haben, auf Facebook, was ganz klar ein Fehlverhalten von ihr war. Das Ganze hat einen grossen Aufruhr verursacht und die Medien haben das Thema geradezu gierig aufgenommen. Verschärfend kam für die Sarah Bösch dazu, dass sie Mitglied der SVP-Fraktion im Wiler Stadtparlament ist, denn das ist für ihre Kritiker offenbar ein weiterer Grund, sie blosszustellen.

Ich selbst war Mitglied der SVP-Fraktion im Stadtparlament und gleichzeitig Präsident der SVP Wil und habe dabei die Erfahrung gemacht, dass wohl kaum eine andere politische Partei dermassen unter Beobachtung steht wie die SVP. Offenbar haben viele nie überwunden, dass die SVP in den vergangenen Jahren einen grossen Zulauf hatte und seither als Oppositionspartei politisiert. Sie eckt an und scheut sich nicht, Klartext zu reden, auch wenn das vielen, die das Sagen haben, nicht gefällt. Dementsprechend wird reagiert, wenn man bei SVP-Leuten Fehler entdeckt. Was mich am meisten stört, ist, dass einzelne Verfehlungen sofort auf alle Parteimitglieder und SVP-Politiker zurückfallen, die sich in guten Treuen und mit grossem Einsatz für die Allgemeinheit engagieren. Sie sind nicht unbedingt die besseren Menschen als die anderen, aber ganz sicher auch nicht schlechtere.

Wenn man aktiv ist, so passieren Fehler. Und wie heisst es so schön: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Die betreffende Frau Bösch, die ich übrigens persönlich nicht kenne, wird so bestraft werden, wie das bei Verkehrsdelikten üblich ist, das ist völlig normal und auch richtig. Man sollte ihr aber trotzdem die Chance geben zu zeigen, dass sie sich im Stadtparlament für die Allgemeinheit einsetzen will, und sie nicht einfach medial fertigmachen, wie das in diesen Tagen geschieht.

Erwin Hauser, ehemaliges Mitglied des Wiler Stadtparlaments

Rainstrasse 16b, 9500 Wil

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