Harmonie gewinnt Kampf der Blasmusik

Allein die Harmonie Flawil hatte Chancen auf die Siegesloorbeeren, die Musikformation stand als Gewinnerin des Blasmusik-Wettbewerbs zum vornherein fest. Manipulation? Korruption und illegale Wetten? Mitnichten. Alles hatte seine Richtigkeit.

Andrea Häusler
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«I did it my way» mit «Harmonie»-Trompeter Alexander Riezler als Gesangssolist. (Bilder: Andrea Häusler)

«I did it my way» mit «Harmonie»-Trompeter Alexander Riezler als Gesangssolist. (Bilder: Andrea Häusler)

FLAWIL. Es mutete seltsam an: keine Übertragungswagen des Schweizer Radio und Fernsehens, kein Kamerateam, keine Tontechniker vor der Bühne im Lindensaal. Dabei hatte der helvetische Nationalsender angekündigt, die beste Blasmusik-Formation der Schweiz in einer Live-Show zu küren. «Kampf der Orchester», heisst das neue Format, das die Fernsehzuschauer von den Stühlen blasen soll. Orchester? «Kampf der Blasmusik» steht in kapitalen Lettern über dem Empfangsbogen vor dem Eingang. Tatsächlich macht fast nur das Wort den Unterschied. Denn was die Harmoniemusik Flawil an ihren beiden Unterhaltungsabenden bietet, ist ein äusserst kreatives, mit viel spassigen Effekten und professionellem Charme inszeniertes Abbild des Sendeformats vom SRF. Sechs Musikformationen treten in den Halbfinals gegeneinander an – jede mit ihrem individuellen Namen, Jury-Coach und Outfit. Die Harmoniemusik zeigt sich wandelbar – musikalisch und optisch. Nur beim genauen Hingucken lassen sich bei den «verschiedenen Musikvereinen» die stets gleichen Gesichter ausmachen.

Über den Sieg zur Uniform

Ob die Flawiler Musikantinnen und Musikanten nun dekoriert mit hawaiianischen Blumenketten auftraten, mit antiquierter Kopfbedeckung oder weissem Frack – ihr Ziel war dasselbe: der Sieg und damit ein Zustupf für die neuen Uniformen, über deren Notwendigkeit nach den teils schrillen Auftritten am Wochenende keinerlei Zweifel mehr bestand. Dafür legten sie sich ins Zeug. Und nicht nur sie. Auch ihre Coaches, welche die Fähigkeiten, das Niveau und den musikalischen Ausdruck der Patenformationen zur Erheiterung des Publikums vollmundig und gestikulierend in den höchsten Tönen zu loben wussten. Sie waren es auch, die in den Halbfinals als Juroren amteten und die besten drei Formationen ins Finale schickten: die «HMF Youngsters» unter der Direktion von Wolfang Dautel mit «Rockin' Trumpets», die «Broadway Showmasters» unter der Leitung von Hans «Hair-mann» mit der «Alpina Fanfare» und schliesslich die HMF selber mit dem Stück «Zarathustra 2000». Nun hatte das Publikum mit seinem Applaus die Wahl und Aufgabe, den Sieger zu küren, der – mit welchem Outfit auch immer – bereits zum vornherein feststand: die Flawiler Harmoniemusik. Und diese freute sich schliesslich instrumental mit «It's a beautiful day», bedankte sich mit «Thank you for the music» und verabschiedete sich mit dem «Swiss mountain song», bzw. dem «Marsch der Medici». Glücklich, den Geldbeutel für die Neuuniformierung weiter gefüllt und dem Publikum ein unterhaltsames, musikalisches Wettkampf-Feeling vermittelt zu haben.

Coaches: Andi Carniello und Eddy Frey. Nicht im Bild: Christoph Diem

Coaches: Andi Carniello und Eddy Frey. Nicht im Bild: Christoph Diem

Mit Pauken und Trompeten auf Punktefang.

Mit Pauken und Trompeten auf Punktefang.