Rutishauser setzt auf Cannabis:
Hanf-Plantage auf zwei Hektaren in Züberwangen

Die Blumenfamilie Rutishauser AG vollzieht einen weiteren Schritt in Richtung Diversifizierung. Nach dem erfolgreichen Start am Standort Fällanden vor zwei Jahren, wird nun auch in Züberwangen Hanf für das Tochterunternehmen Galenus AG kultiviert.

Andrea Häusler
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Die Galenus AG wird in Züberwangen Medizinalpflanzen kultivieren. Maik Schär (links), Betriebsleiter Galenus AG, sowie Bruno Rutishauser, Geschäftsführer der Rutishauser AG begutachten die Entwicklung der Hanfpflanzen. (Bild: PD)

Die Galenus AG wird in Züberwangen Medizinalpflanzen kultivieren. Maik Schär (links), Betriebsleiter Galenus AG, sowie Bruno Rutishauser, Geschäftsführer der Rutishauser AG begutachten die Entwicklung der Hanfpflanzen. (Bild: PD)

Das Cannabis-Geschäft boomt. Start-ups, Landwirte, Kosmetik- und Pharmafirmen buhlen um einen Markt, dessen globales Potenzial die Handelszeitung jüngst auf über 60 Milliarden Franken im Jahr 2024 bezifferte. Derweil für die Schweizer Cannabis-Industrie ein Umsatzpotenzial von bis zu fünf Milliarden prognostiziert wurde. CBD zur Behandlung von Krebs, Parkinson, multiple Sklerose oder Epilepsie – allein die potenziellen Anwendungsmöglichkeiten von Hanf als Medizinalwirkstoff scheinen schier grenzenlos.

Mit dem Einstieg ins Cannabisgeschäft will die Rutishauser AG ein Stück vom Milliardenkuchen für sich beanspruchen und damit gleichzeitig die Zukunft des Unternehmens und seiner rund 100 Mitarbeitenden langfristig sichern.

Im Sommer 2017 am Produktionsstandort im zürcherischen Fällanden projektartig lanciert, wird der Hanfanbau nun in Züberwangen im grossen Stil betrieben. Neu werden in den Gewächshäusern nebst Tulpen und Topfpflanzen auch Cannabispflanzen angebaut. Zuständig für das Geschäftsfeld «Gesundheit-/Kosmetik» ist die Galenus AG, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Rutishauser AG.

Künftig werden auf einer Fläche von rund 20'000 Quadratmetern Heilpflanzen gezogen. Dabei handelt es sich zunächst ausschliesslich um legalen Medizinalhanf mit einem tiefen Wert des berauschend wirkenden Tetrahydrocannabinols (THC) und einem hohen Gehalt an Cannabidiol (CBD). Dessen Anbau ist zwar reglementiert, doch fällt das Produkt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz.

Gegen 15 weitere Pflanzen in der Testphase

Um optimale Bedingungen für den Wuchs des Hanfs zu erzielen, soll in einem Teil der bestehenden Gewächshäuser eine LED-Lichtanlage eingebaut werden. Dank dieser können die Lichtverhältnisse den gewünschten Wuchsbedingungen entsprechend gesteuert werden. Die neue Verdunklung des Gewächshauses hat zum Ziel, die Lichtemissionen zu reduzieren und einer unerwünschten Besonnung vorzubeugen.

Medizinalhanf ist zwar das Hauptprodukt, welches unter den gewaltigen Glasdächern gedeiht, aber nicht das einzige. Unter anderem wurden in Züberwangen auch Tests mit Baldrianpflanzen gemacht, wie Bruno Rutishauser, Geschäftsführer der Rutishauser AG, sagt. Weitere zehn bis fünfzehn Pflanzen befänden sich derzeit in der Versuchsphase. Welche dies sind, darüber hält er sich aus nahe liegenden Gründen bedeckt.

Keine Zweifel lässt Rutishauser hingegen an der künftigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Er sagt: 

«Der Detailhandel verändert sich.»

Massenprodukte wie etwa Primeln oder Geranien aus eigener Produktion im Markt zu platzieren rechne sich zunehmend weniger. «Trotz modernster Automatisierung», macht er klar und lässt damit gleichzeitig wissen, wo für die Hanfplantage Platz geschaffen wurde.

Dennoch betont Bruno Rutishauser, dass das Familienunternehmen weiterhin ein starkes Bein im Blumengeschäft behalten wolle. Wobei der Fokus künftig stärker auf der Spezialisierung, der Fachkompetenz, dem Service und der stetigen Anpassung an das sich ändernde Marktumfeld liege. 

Sicherheitsdispositiv rund um Hanfproduktion

Nebst der Gewächshaus-Produktion setzt die Galenus AG in Zusammenarbeit mit einem lokalen Landwirt auf die Outdoor-Produktion von Cannabis. Der Medizinalhanf wird auf einem Grundstück angebaut, welches direkt an die Gewächshäuser der Blumenfamilie Rutishauser südlich von Züberwangen angrenzt. Geplant ist der Anbau auf einer Fläche von rund einer Hektare. Dabei gehe es vor allem darum, eigene Erfahrungen mit Outdoor-Anlagen zu sammeln, sagt Bruno Rutishauser. Solche Produktionen gebe es schweizweit einige und vor Ort erworbenes Wissen sei im Austausch mit Produzenten wertvoll.

Allerdings ist der Outdoor-Hanf qualitativ ein anderer. Unter freiem Himmel werde primär Biomasse, sprich Grüngut, produziert. Im Gewächshaus gehe es um die Blüte, mit deren Erzeugnissen ein hochwertigerer Markt bedient werden könne, erklärt Rutishauser.

Die Outdoor-Anlage soll eingezäunt und mit einer Videoüberwachung gesichert werden. Die Sicherheit ist laut Rutishauser ohnehin ein grosses Thema.

«Der Pflanze sieht man den tiefen THC-Gehalt nicht an.»

Wichtig sei deshalb eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei und transparente und klare Prozesse innerhalb des Unternehmens.

Medropharm GmbH als Partner

In Züberwangen entsteht laut Bruno Rutishauser «eine grosse Nummer» in der Gewächshausproduktion von Medizinalhanf. Kooperationspartner der Galenus AG bleibt die Medropharm GmbH in Kradolf, welche auf Cannabinoiden und cannabinoidhaltige Produkte spezialisiert ist, Produkte für Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikbranche entwickelt und vermarktet. «Wir beschränken uns auf den Agrarteil», sagt Bruno Rutishauser.

Trotz des Standortwechsels für die Grossproduktion bleibt der Betrieb in Fällanden wichtig. Wobei dort der Fokus auf der Vermehrung, nicht auf der Kultivierung liegt.

In Nordamerika bauen sie Thurgauer Cannabis an

Seit rund einem Jahr besteht die strategische Kooperation zwischen der Medropharm aus Schönenberg und einem kanadischen Unternehmen. Nun reisten die Pflanzen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen nach Übersee.