Handy-Manie

In Algetshausen wehren sich die Einwohner gegen eine neue, grössere Mobilfunkantenne. Sie wollen das Ortsbild und vor allem ihre Gesundheit schützen. Sie fürchten die Auswirkungen der Strahlungen. Die Mobilfunkanbieter stehen unter Zugzwang. Der Konkurrenz- und Verdrängungskampf ist gross.

Urs Bänziger
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St. Gallen - Urs Bänziger Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

St. Gallen - Urs Bänziger Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

In Algetshausen wehren sich die Einwohner gegen eine neue, grössere Mobilfunkantenne. Sie wollen das Ortsbild und vor allem ihre Gesundheit schützen. Sie fürchten die Auswirkungen der Strahlungen. Die Mobilfunkanbieter stehen unter Zugzwang. Der Konkurrenz- und Verdrängungskampf ist gross. Wer kein lückenloses Netz anbieten kann, steht im Abseits.

Ein Leben ohne Handy ist nicht mehr denkbar. Die Jungen drücken andauernd an diesem Unding, das die Welt verändert hat. Das Handy hat das Buch als Nachtlektüre ersetzt. Man ist rund um die Uhr empfangsbereit – Strahlungen hin oder her. Auch die Älteren ziehen notgedrungen nach. Pro Senectute bietet Kurse an. Die Seniorinnen und Senioren nutzen das Angebot, wollen sie mit ihren Kindern und Enkelkindern in Kontakt bleiben.

Gesundheitsschädigende Strahlen und Ortsbild zerstörende Antennenmasten sind nur eine Seite der Handy-Manie. Wir sind von diesen kleinen Dingern abhängig geworden. Sie ersparen uns nicht nur das Denken und Nachdenken, sondern auch das Gespräch von Auge zu Auge. Wer stört sich heute noch daran, wenn zwei an einem Tisch sitzen, aber keiner mit dem anderen spricht. Stattdessen starren beide gebannt auf dieses kleine Unding.

Mehr als die Strahlungen, machen uns die Handys krank. Ohne sie machen wir keinen Schritt mehr aus dem Haus. Ein Handy zu verlieren, ist schlimmer als das Portemonnaie. Die Abhängigkeit macht uns teilnahmslos. In Algetshausen kämpfen sie gegen eine grössere Mobilfunkantenne, aber gegen die globale Handy-Manie scheint jeder Kampf aussichtslos zu sein.