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HANDICAP: Blind in die Blechlawine

Wenn der Wiler Guido Böhler auf die Strasse hinausgeht, muss er den anderen Verkehrsteilnehmern blind vertrauen können. Denn der 55-Jährige sieht nichts mehr. Immer öfter gerät er aber in gefährliche Situationen.
Ursula Ammann
Guido Böhler überquert mit seinem Blindenführhund Benley den Fussgängerstreifen auf der St. Gallerstrasse. (Bild: Ursula Ammann)

Guido Böhler überquert mit seinem Blindenführhund Benley den Fussgängerstreifen auf der St. Gallerstrasse. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

«Zebra», sagt Guido Böhler zu seinem Hund Benley. Der Golden-Retriever-Rüde steuert den Fussgängerstreifen auf der St. Gallerstrasse an. Mit dem weissen Stock ertastet Guido Böhler die Hilfslinien am Boden und bleibt stehen. Hund Benley dreht sich in die richtige Position. Von links nähert sich ein Lastwagen. Er bremst. Böhler wartet, bis er hört, dass die Räder stillstehen. Dann fordert er Benley zum Passieren auf und hält gleichzeitig den weissen Stock sichtbar in die Höhe. Hund und Herrchen treten auf die Strasse hinaus und gehen bis zur Mittelinsel, wo sich das Szenario von vorne abspielt. Nicht immer klappt die Strassenüberquerung so einwandfrei wie in diesem Fall. Immer häufiger nämlich erlebt Guido Böhler gefährliche Situationen. Sei es, dass ihm Autofahrer beim Einbiegen in einen Parkplatz den Weg abschneiden oder dass sie am Fussgängerstreifen nicht warten ­können. Erst kürzlich hat er das wieder zu spüren bekommen. «Immer dann, wenn ich den Stock in die Höhe heben und loslaufen wollte, sind die Autos wieder angefahren», sagt der 55-Jährige. Für den blinden Familienvater wäre es jedoch wichtig, dass die Fahrzeuge auf beiden Spuren stillstehen bleiben, bis er die Strasse überquert hat.

Appell für Geduld und Rücksichtnahme

Guido Böhler ist durch eine Netzhautdegeneration fast komplett erblindet. Nur hell und dunkel kann er noch wahrnehmen. Wenn er im Strassenverkehr unterwegs ist, spielt das Gehör deshalb eine umso wichtigere Rolle. Bei den vielen Lärmquellen ist die Orientierung allerdings nicht immer einfach.

«Es fällt mir manchmal schwer zu beurteilen, ob ein Auto wirklich angehalten hat, wenn gleichzeitig noch die Kirchenglocken läuten und irgendwo eine Baumaschine brummt», erklärt Guido Böhler.

Der Wiler und sein Hund sind jeden Tag in der Stadt unterwegs – sei es zur Arbeit im Gesundheitscenter der Santémed oder in der Freizeit. Angst auf die Strasse zu gehen hat Guido Böhler trotz ­Negativerlebnissen keine. An die Autofahrer kann er nur appellieren, Geduld aufzubringen und Rücksicht zu nehmen. Der Grossteil verhalte sich angemessen, sagt er. «Aber ein einziger kann vieles kaputtmachen.»

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