HANDBALL: Optimistisch in die Zukunft

Auf die neue Saison hin tritt Flawil in der 2. Liga wieder eigenständig auf. Angetreten mit lauter Eigengewächsen, verlief der Saisonstart für die junge Equipe durchzogen. Der Zuversicht tut dies keinen Abbruch.

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Oliver Gees (links) und Roger Koller im Training. (Bild: David Metzger)

Oliver Gees (links) und Roger Koller im Training. (Bild: David Metzger)

Beinahe hätte es die Flawiler erwischt. Zwei Spielzeiten ist es bereits wieder her, als der damals eigenständige HC Flawil sportlich eigentlich bereits in die Niederungen der 3. Liga abgestiegen war. Weil man sich auf die darauffolgende Saison hin aber mit dem KTV Wil verbrüderte, entkam man dem Abstieg doch noch und verblieb als Spielgemeinschaft in der 2. Liga.

Damit nicht genug: Weil es den Wilern auf die jetzige Saison aufgrund personeller Ressourcen nicht mehr möglich war, die Spielgemeinschaft aufrechtzuerhalten, trat der KTV die Ligazugehörigkeit freiwillig an die Flawiler ab. So hat es der HC Flawil auf diplomatischem Weg geschafft, den eigentlich schon feststehenden Abstieg in die 3. Liga mit einem cleveren Schachzug zu umgehen. «Natürlich ist das für uns ein Glücksfall, denn wir profitieren», sagt Präsident Sascha Gees. Der HC Flawil habe in der Spielgemeinschaft aber ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht und hätte sie gerne weitergeführt. «Wir sind mit dem KTV Wil zusammengewachsen und lösen das Ganze nicht im Streit auf», so Gees.

Im Abwehrverhalten noch Aufholbedarf

Zurück in der Eigenständigkeit, tritt der HC Flawil mit einem jungen Team aus lauter Eigengewächsen auf. 22,1 Jahre jung ist die Mannschaft im Durchschnitt. «Potenzial für die Zukunft ist vorhanden», sagt Cheftrainer Roger Koller. Was dem Team in der Saison 2017/18 noch fehlt, ist der Erfolg. Aus den ersten vier Spielen resultierten vier Punkte. «Nervenstärke und Stabilität fehlen uns in den entscheidenden Situa­tionen noch», sagt Trainer Koller und ergänzt, dass man insbesondere im Abwehrverhalten zimperlicher und weniger ängstlich zu agieren hätte.

Das Trainergespann um Koller und Assistent Oliver Gees zieht in Flawil seit mittlerweile acht Monaten die Fäden. «Noch befinden wir uns mitten im Prozess, unseren Spielstil auf die eigenen Bedürfnisse und Visionen anzupassen», sagt Koller. Gefördert werden Technik, Taktik und Kondition. Das Zusammenspiel dieser Elemente soll dann auf die Leistung abfärben. Und stimmt die Leistung, wird sich das auch auf die Resultate abfärben.

Nichts mit dem Abstieg zu tun haben

Dass sich die Flawiler nach einem durchzogenen Saisonstart, wie im Vorjahr, in eine Negativspirale reiten und am Ende Mühe haben werden, den Ligaerhalt zu realisieren, glaubt Koller nicht. «Das passiert diesmal nicht.» Die Strategie beim HC Flawil ist nach vorne ausgerichtet. Die Zielvorgabe sieht in diesem Jahr wie folgt aus: «In einer attraktiven Liga wollen wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben», so Sascha Gees.

Baustellen ortet der Präsident andernorts. «Wir haben das Massenproblem, dass wir zu viele junge und talentierte Spieler besitzen.» Gelindert werden soll das mit einer zusätzlichen Aktivmannschaft in der 4. Liga, die als Sprung- und Auffangbecken für die 1. Mannschaft fungiert.

Darüber hinaus ist der HC Flawil aber gut aufgestellt. Die Finanzen sind dank eines gutgesinnten Gewerbes intakt. In der immer grösser werdenden Frauenabteilung wird wiederholt der Aufstieg in die 2. Liga angestrebt. Stirnrunzeln bekommt Gees einzig, wenn er von der Schiedsrichterproblematik erzählt. Nur 40 Prozent der geforderten Spiele kann der Verein mit eigenen Schiedsrichtern abdecken. «Längerfristig wird uns das jährlich gut 8000 Franken kosten.» Wie man die Situation bewältigt, ist offen. Ein Abwerben bei anderen Vereinen steht nicht zur Debatte. Die hohe Reputation, die der HC Flawil in der Region geniesst, soll nicht gefährdet werden.

David Metzger

sport@wilerzeitung.ch