«Halten uns da möglichst raus»

Seit Wochen herrscht ein heftiger, öffentlich ausgetragener Übernahmekampf um den Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach. Die Nebengeräusche dringen bis in die Ostschweiz. In Bronschhofen hält man sich in dieser Thematik bewusst zurück.

Hans Suter
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BRONSCHHOFEN. Die Meldung liess aufhorchen: Am 28. Juni gaben die Gesellschaften um die Düsseldorfer Schmolz + Bickenbach GmbH & Co. KG und die Venetos Holding AG die Bildung einer Gruppe und den Erwerb von 20,46 Prozent – und später weiteren 4,83 Prozent – der Aktien an Schmolz + Bickenbach AG bekannt. Bei näherem Hinsehen springen drei Fakten ins Auge. Erstens: Die Schmolz + Bickenbach GmbH & Co. KG (S+B KG) ist im alleinigen Besitz der Gründerfamilie. Zweitens: Diese Kommanditgesellschaft hält 15,17 Prozent aller Aktien an der Schmolz +Bickenbach AG, die ihren Sitz in Emmenbrücke und Düsseldorf hat. Und drittens: Die Venetos Holding AG gehört zur Renova AG, die ihrerseits von Viktor Vekselberg kontrolliert wird und nun 25,29 Prozent aller Aktien an der Schmolz+Bickenbach AG (S+B AG) hält. Zweitgrösste Aktionärin ist die Gebuka AG mit Sitz in Neuheim und wird von Gerold Büttiker kontrolliert, der Mitglied des Verwaltungsrats der S+B AG ist. Rund 55 Prozent der Aktien befinden sich im breiten Publikumsbesitz.

VR lehnt Angebot ab

Als Gruppe halten die Schmolz + Bickenbach GmbH & Co. KG und die Renova AG somit 40,46 Prozent der Aktien. Das verpflichtet sie, ein öffentliches Übernahmeangebot zu unterbreiten, was diese denn auch taten. Die Renova/S+B KG-Gruppe bietet 2.85 Franken pro Aktie. «Viel zu wenig», heisst es von anderer Seite. Der Verwaltungsrat der S+B AG schreibt: «Gemäss Expertengutachten liegt der faire Wert zwischen 3.95 und 5.70 Franken.» Aktuell liegt der börsengehandelte Titel bei rund 3.30 Franken, mit grösseren täglichen Schwankungen. Innerhalb dreier Monate hat die Aktie rund 30 Prozent an Wert zugelegt. Wer sie vor fünf Jahren kaufte, hat indes einen Verlust von mehr als 85 Prozent erlitten. Und wer sie vor zehn Jahren erwarb, freut sich über einen Wertzuwachs von fast 100 Prozent. Der Verwaltungsrat hat einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Zudem hat dieser bis auf ein Mitglied geschlossen den Rücktritt erklärt. Dazu gehört auch Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder, dem einst die Wiler Heizkörperfabrik Zehnder-Runtal AG gehörte. An einer ausserordentlichen Generalversammlung im Monat September soll ein neuer Verwaltungsrat gewählt werden.

Die Perle bleibt ruhig

Trotz aller Hektik im Übernahmekampf ist es ruhig geblieben um die Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG in Bronschhofen. Die im Stahlhandel tätige Firma gehört der S+B KG, also der Gründerfamilie, die sich mit Viktor Vekelsbergs Renova AG zusammengetan hat. Das Unternehmen mit Sitz in Wil beschäftigt in Bronschhofen 90 Personen und gilt in der Branche als wahre Perle. Umsatz- und Gewinnzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt. Vor noch nicht allzu langer Zeit galt die Firma als grösster Steuerzahler Bronschhofens. Welche Auswirkungen hat der Übernahmekampf auf Bronschhofen? «Eigentlich keinen», sagt Walo Hegelbach, der dem Unternehmen als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident vorsteht. «Wir halten uns da bewusst raus.»

Hoffnung auf Ruhe

Sollte der öffentlich geführte Machtkampf um die mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldete S+B AG noch lange dauern, befürchtet Walo Hegelbach zunehmenden Imageschaden. Auch für das von ihm geführte Unternehmen. «Wir sind zwar völlig autonom. Doch das wird von aussen nicht immer so wahrgenommen, weshalb wir vermehrt auf die Situation angesprochen werden.» Er hofft deshalb, dass die Fronten nach der Generalversammlung geklärt sind und wieder Ruhe einkehrt. «Auf keinen Fall aber wollen wir in die Angelegenheit hineingezogen werden», sagt Walo Hegelbach.