Hagel wegen Unchristlichkeit

Vor 100 Jahren

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Ein Hagelschauer über Flawil und St. Gallen wurde vor 100 Jahren sogar im Kanton Aargau zum Thema. Die «Wiler Zeitung» bezieht sich in einer Juliausgabe von 1917 auf einen Artikel im «Badener Tagblatt». Darin wurde der Wettinger Kaplan Schönenberger zitiert. Er glaubte zu wissen, weshalb ausgerechnet Flawil und St. Gallen von Hagel heimgesucht worden seien. Nämlich, so der Kaplan, weil die dortigen Behörden den Fabrikarbeitern erlaubt hätten, am Sonntag Garten- und Feldarbeiten zu verrichten. Diesselbe gewitterschwangere Wolke habe Gossau verschont. Das wiederum führte der Kaplan darauf zurück, dass jene Ortschaft von einer religiösen Behörde gesegnet sei, die sich zu «keinem solch unchristlichen Akt hinreissen liess». Der Finger Gottes sei zweifellos spürbar.

Die «Freiämter-Zeitung» stellte auf diese Aussage offenbar die «etwas boshafte» Frage, warum es die Kulturen des Klosters Baldegg so stark verhagelt habe, dass dort die Experten der schweizerischen Hagelversicherungsgesellschaft 75 und mehr Prozent Schaden abschätzten. Weiter, so rezitiert die «Wiler Zeitung», wollte die «Freiämter-Zeitung» auch wissen, warum der Hagel dort sogar die gemalten Scheiben am Kloster eingeschlagen habe. (uam)