Härtefallgesetz
«Der Take-away gibt mir eine Tagesstruktur»: Wie Kantonsrat und Wirt Linus Thalmann die Coronakrise meistert

Viele Gastronomen sind wütend, dass sie im März noch nicht öffnen dürfen. Kantonsrat und Gastrounternehmer Linus Thalmann ist hingegen zufrieden mit dem Inhalt des Coronahärtefallgesetzes. «Gesunde Betriebe können so überleben», sagt er.

Zita Meienhofer
Drucken
Teilen
Für Linus Thalmann ist es mittlerweile möglich, dass gesunde Betriebe trotz Corona eine schwarze Null schreiben können.

Für Linus Thalmann ist es mittlerweile möglich, dass gesunde Betriebe trotz Corona eine schwarze Null schreiben können.

Bild: Benjamin Manser

«Am Tor zum Toggenburg bieten wir Ihnen von Herzen gerne Gastfreundschaft und Unterkunft.» So heisst Linus Thalmann seine Gäste auf der Website des Toggenburgerhofs in Kirchberg willkommen. Der Geschäftsführer der Hotel Toggenburgerhof AG sowie der Mountain Event GmbH, einem Unternehmen für Konzertveranstaltung und Catering, ist auch Kantonsrat sowie Vorstandsmitglied von Gastro St.Gallen sowie des Gewerbeverbandes des Kantons.

Am Mittwoch hatte er im Kantonsrat über das Coronahärtefallgesetz zu bestimmen. Der Bundesrat hatte vergangene Woche das eidgenössische Härtefallprogramm ausgeweitet, die St.Galler Regierung hatte in ihrer Sitzung vom Mittwoch die kantonalen Härtefallregeln entsprechend angepasst. Er sei mittlerweile zufrieden über den Inhalt des Gesetzes, sagt er. So sei es möglich, dass gesunde Betriebe im 2020 eine schwarze Null schreiben können. «Wir haben das Maximum erreicht», sagt er.

Gesetz ist die Rettung für gesunde Gastrobetriebe

Linus Thalmann ist überzeugt, dass dieses Gesetz die Rettung für die gesunden Gastrobetriebe ist. Wer überschuldet gewesen sei, den gebe es wohl schon gar nicht mehr. Dass im Toggenburg oder im Fürstenland eine Konkurswelle anrollen werde, das glaubt der 52-Jährige nicht. Und hält ein Beispiel bereit: «Eine Brauerei treibt einen Wirt jetzt doch nicht in den Konkurs.»

Er glaubt, dass es bis zu zwei Jahre dauern kann, bis diese Welle ausbrechen könnte. Die aktuellen endgültigen Schliessungen haben gemäss Thalmann meist andere Gründe. Entscheidend wird zudem sein, was der Bundesrat in Bezug auf die Öffnung der Restaurants beschliessen wird. «Wenn wir erst im Mai wieder öffnen können», so der Gastronom, «dann bin ich überzeugt, dass manch ein über 60-jähriger Wirt nicht mehr öffnen wird.» Denn, gemäss Thalmann, sind zwei Jahre nötig, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Traditionelle Dorf-Restaurants könnten verschwinden

Dass eine Krise eine Chance sein kann, das sagt Thalmann nicht nur, diese Chance packte er auch am Schopf. Während er beim ersten Lockdown geschlossen hatte, baute er im Herbst einen Take-away-Service auf. «Im Frühling kam alles überraschend schnell, wir konnten nicht reagieren», so Thalmann. In den letzten Monaten im 2020 konnte er Erfahrungen mit dem Take-away sammeln, seit Januar entwickelt sich dieser Service «erfreulich», sagt er. Und: «Es gibt mir eine Tagesstruktur, obwohl die Einnahmen nicht gross sind.» Auf die Frage, was man während eines Lockdowns mache, antwortet er: «Laufen, Netflix schauen, gamen.»

Eine Krise bringt Raum für Neues, wird den Gastrobereich verändern, ist Thalmann überzeugt. Wohin die Veränderung gehen wird? Die Vermutungen Thalmanns: «Mehr Event-Gastronomie, Spezialitäten-Restaurants, die traditionellen Dorf-Restaurants werden verschwinden.»