Hackbrett einmal «anderscht»

Zum Saisonschluss der MVG Flawiler Kultur war am Freitag mit Anderscht ein aussergewöhnliches Trio zu Gast. Dieses macht etwas andere Musik mit Wiedererkennungseffekt auf zwei Hackbrettern.

Michael Hug
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Virtuos und leichtfüssig: Trio Anderscht mit Fredi Zuberbühler, Andrea Kind und Roland Christen am Bass. (Bild: Michael Hug)

Virtuos und leichtfüssig: Trio Anderscht mit Fredi Zuberbühler, Andrea Kind und Roland Christen am Bass. (Bild: Michael Hug)

FLAWIL. Ein letztes Mal in diesem Winter, dann ist für die MVG Sommerpause. Das Programm für den Herbst sei noch nicht ganz beieinander, sagt Kassier Erwin Bossart. Doch wenn das 78. Programm so beginnt, wie das 77. aufgehört hat, darf man mit Fug und Recht voller Spannung sein.

Der letzte Gast der Saison, das Trio Anderscht, ist in der Tat ein etwas anderes Hackbretttrio. Der Appenzeller Fredi Zuberbühler und die Rheintalerin Andrea Kind konzertieren und harmonieren schon seit mehr als zehn Jahren als virtuose und feinfühlige Hackbrettspieler zusammen. Mit dem dritten Bassisten, dem St. Galler Roland Christen, scheint man nun auch die ideale Besetzung beim Bass gefunden zu haben.

Neue Sphären mit Jazz

Der Jazzer Christen hat den beiden Ausnahmekönnern an den brandneuen, vier Oktaven umfassenden Konzerthackbrettern zu neuen Sphären verholfen. Da ist zum Beispiel die Überarbeitung des Folklore-Gassenhauers «Lueget vo Berge und Tal» neu im Programm. Oder der «Libertango», der nun mit einem Appenzeller Zäuerli den Abend einleitet. Oder das «Take Five», das Zuberbühler/Kind schon ab ihrer ersten CD «Saitenflug» im Repertoire führen, aber heute, nach mehr als zehn Jahren, mit Christen sorgsam auseinandergenommen und kreativ neu zusammengefügt haben. Daselbst noch so ein Cover, das Bach'sche «Air», bei dem jeder Ton haarklein stimmt, wie ein Kenner der Materie im Publikum feststellt.

Zwischen den Stilen springen

Doch Anderscht hat noch Anderes drauf, «Hey Gadjo», eine Eigenkomposition von Andrea Kind zum Beispiel. Dieser Querschnitt zeigt, wie universell und gewandt das Trio zwischen den Stilen hin und her springt. Und doch seine Wurzeln nicht übersieht. Ab der ersten Sekunde verschwinden übliche Ansichten oder Hörgewohnheiten über das Hackbrettspiel. Natürlich interpretieren die drei «Anderschten» auch Hackbrettalltag wie das «Hackbrettzäuerli», aber sie verstehen sich auch auf das Fusionieren von Althergebrachtem mit hartem Rock aus den Siebzigern – «Deepsitter». Besonders stolz ist Fredi Zuberbühler auf die zwei von ihm auf CAD gezeichneten sowie von Baldur Stocker gebauten Hackbretter. Sie tönen nicht nur viel besser als alles andere auf dem Markt, sie sind mit 27 auch 7 Kilo leichter.