«Habt ihr Bock auf Funk?»

Was früher beim St. Galler Open Air Tradition hatte, scheint immer mehr für das Rätenberg Open Air in Kirchberg zu gelten. Es zieht den Regen richtiggehend an, doch das Publikum kümmert das nicht. So auch vorgestern Samstag.

Michael Hug
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Kirchberg. Das «Räti» findet nur in Schlechtwetter-Jahren statt. Es scheint, als suchte sich «Emma», die Veranstaltergruppe des Räti-Open-Airs, jeweils das Datum aus, an dem es sicher regnet. Das war im vergangenen Jahr so und früher auch schon. Dauerregen oder Wettersturz – alles schon gehabt. Am Samstag war die Variante Gewitter mit Nachgang angesagt. «Da baut man eine Woche für einen tiptoppen Anlass und dann verregnet es alles», sagte Co-Organisator Bruno Metzger. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr kam heuer der Regen erst während der Veranstaltung, was das Publikum nicht voraussehen konnte, und so pilgerte es dann auch in grosser Zahl am Nachmittag zum 12. «Räti» auf den Rätenberg.

Und es blieb

Ein Gewitter kann einen gestandenen Open-Air-Fan nicht nach Hause treiben, war die unausgesprochene Meinung. Ausserdem war das angesagte Programm mit lauter Höhepunkten bestückt. Bands aus der Region mit Tradition, die die meisten aber schon eine Weile nicht mehr gesehen und erlebt hatten. Voran «Chickenleg Shuffle» mit Roman Fischer, Pädi und Thomas Egli, Laura Strasser, Marc Ledergerber und Gitarrenhexer Thur Wicki. Vor Jahren haben sie zusammengefunden und in der Region mit feurigen Auftritten abgeräumt. X-fach sind sie in die Versenkung ab- und ebenso wieder aufgetaucht. Jedesmal trafen sie auf ein begeisterungsfähiges Publikum. Auch diesmal.

Covers zum Mitfeiern

Rythm & Blues ist «Chickenlegs» Heimat, «ZZ Top» oder Jimi Hendrix sind die Vorlagen. Covers, die man kennt und man mittanzen und abfeiern kann. «Ihr tut uns leid da draussen im Regen», meinte Roman Fischer irgendwann zwischen zwei Songs, «wir sollten vielleicht etwas weiter nach hinten rücken dann könnt ihr vorne auf die Bühne und wärt unter Dach.» Das ging natürlich nicht, die Bühne war zu klein, doch das Publikum liess sich seine Laune nicht verdriessen. Irgendwie war es sich des Wetters doch nicht so sicher und hatte Regenschirme mitgenommen. Auch waren da noch zahlreiche Dinger, die an diesem Tag nicht mehr gebraucht wurden: Sonnenschirme. Darunter konnten sechs Menschen gut geschützt stehen. Bis der Stoff nicht mehr dichthielt.

Zehn Hühner gerettet

«Chick Peace», die Newcomer aus der Region, durften das 12. «Räti» eröffnen. Es wird behauptet, dass Bassist Christoph Koller zehn Hühner aus einem brennenden Stall gerettet hat. Die spektakuläre Rettungsaktion soll für alle Mistkratzerli ohne einen einzigen Kratzer verlaufen sein, so dass sie nun weiter in Frieden leben können. Dies ist die Selbstdeklaration zum Bandnamen. Die ganz Jungen bereiteten auf die etwas Älteren vor. «Monophon» hatte seinen grossen Auftritt vor einer Woche am St. Galler Open Air. «Absolut genial» war ihr Gig im Sittertobel, sagte Gitarrist Cornel Kammermann, «und hier oben ist es auch wieder absolut genial.»

Region stark vertreten

Heuer sei die Region stark vertreten, kündigte «Emma» im Vorfeld an. Wie wahr, wie wahr. Um das Quartett mit Bands aus dem Alttoggenburg zu komplettieren, durften «Starch» nicht fehlen. Endlich spielte das bis nach Asien bekannte Funk-Septett wieder am Ort ihrer Geburt. Die sieben dankten es mit drei Ehrengästen: Aus Los Angeles die Backgroundsängerin Sharlotte Gibson, aus St. Gallen Funker Gee K und aus Basel der Mundart-Rap-Pionier Black Tiger. «Habt ihr Bock auf Funk?», fragte Bassist Simon Winiger ins mittlerweile wieder einigermassen angetrocknete Publikum. Man hatte. Die Party dauerte bis weit nach Mitternacht.