«Haben die Hausaufgaben stets gemacht»

In der Stadt Wil blickt man auf ein kurzweiliges Jahr zurück. 2016 dürfte nicht anders werden. Im Jahresend-Interview äussert sich Stadtpräsidentin Susanne Hartmann zur Kathi-Frage, einem neuerlichen Bergholz-Umbau und zur Situation im öffentlichen Verkehr.

Simon Dudle
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Stadtpräsidentin Susanne Hartmann gibt Wil die Schulnote 5,5. (Bild: Urs Bucher)

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann gibt Wil die Schulnote 5,5. (Bild: Urs Bucher)

Frau Hartmann, betreffend öV hat Wil Anfang Dezember mit dem Verlust des Intercity-Halts einen Rückschritt erlitten. Wurde auf politischer Ebene zu wenig Druck ausgeübt?

Susanne Hartmann: Der Wegfall des Morgenzugs nach Zürich ist sehr bedauerlich, zumal ich den Beteuerungen der SBB nicht vollumfänglich glaube, dass sie dies im neuen Fahrplan adäquat kompensieren können. Der Stadtrat hat sich daher schon im Vorfeld bei den zuständigen Stellen im Rahmen seiner Möglichkeiten umfassend und intensiv gegen eine Streichung des IC-Zughalts gewehrt. Leider vergebens. Dennoch kann festgehalten werden: Die Stadt Wil verfügt nach wie vor über eine sehr gute Anbindung an die Bahn. Wir haben weiter zwei schnelle Verbindungen nach Zürich, die für Berufspendelnde und damit als Standortfaktoren auch für den Wohnort Wil wichtig sind.

Die Kathi-Frage hat wegen Rückweisungsanträgen im Stadtparlament Verzögerungen erfahren. Wie ist der aktuelle Stand?

Hartmann: Der nun eingeschlagene Weg ist eine sehr gute Option, die Oberstufenfrage in der Stadt Wil umfassend und unter Miteinbezug des wichtigsten Partners, der Stiftung Schule St. Katharina, zu klären und zu lösen. Die offenen, konstruktiven und vertrauensbildenden Gespräche, die 2015 unter meiner Leitung zwischen einer Delegation des Stadt- und Schulrates sowie des Stiftungsrates Schule St. Katharina stattgefunden haben, haben eine gute Basis hierfür gelegt.

Kommt die Vorlage im Februar ins Stadtparlament?

Hartmann: Die vorberatende Kommission des Stadtparlaments wird Mitte Januar zum zweitenmal tagen. Ich bin zuversichtlich, dass der Bericht und Antrag voraussichtlich an der Februarsitzung durch das Parlament beraten und verabschiedet werden kann.

Das neue Bergholz wurde 2013 eröffnet und wird womöglich schon bald wieder ausgebaut. Was sagt die Stadtpräsidentin dazu?

Hartmann: Der FC Wil hat sich sportlich ambitionierte Ziele gesetzt. Diese hätten gegebenenfalls Auswirkungen auf die Stadionsituation. Clubleitung und Investoren sind vor diesem Hintergrund an das Departement Bau, Umwelt und Verkehr herangetreten und haben im Rahmen eines unverbindlichen Gesprächs ihre Vorstellungen dargelegt. Konkrete Vorhaben oder gar Pläne wurden dem Stadtrat noch nicht präsentiert, so dass ich mich nicht dazu äussern kann. Klar ist, dass der Stadtrat dem Fussballclub bei seiner weiteren Entwicklung keine Steine in den Weg legen will. Eine finanzielle Beteiligung der Stadt Wil an einem Stadionausbau ist aber aus meiner Sicht kein Thema.

Dem vergangenen Jahr 2014 gaben Sie die Schulnote 5,3. Und dem Jahr 2015?

Hartmann: Um im Schuljargon zu bleiben: Die Stadt Wil hat im vergangenen Jahr stets ihre Hausaufgaben gemacht. Sie war sorgfältig bei der Erarbeitung von Konzepten und fleissig beim Umsetzen von Projekten. Sie hat Prüfungen erfolgreich gemeistert und sich auch mündlich, sprich bei übergeordneten Vernehmlassungen oder Diskussionen stets aktiv und konstruktiv eingebracht. Als ehemalige Lehrerin würde ich einem solchen Schüler die Note 5,5 geben.

Wie geht es der Stadt heute?

Hartmann: Grundsätzlich gut, nicht nur, was die Entwicklung als Ganzes und die Finanzen angeht. Zudem konnten in den vergangenen zwölf Monaten auch verschiedene wichtige Geschäfte abgeschlossen oder weiter umgesetzt werden. Jedes dieser Projekte hat seinen eigenen, wesentlichen Teil dazu beigetragen, die Stadt Wil weiterzuentwickeln und sie so weiterhin attraktiv zu erhalten als Lebens-, Wohn- und Arbeitsort und als Regional- und Zentrumsstadt.

Wo muss 2016 der Hebel angesetzt werden?

Hartmann: Den Hebel ansetzen, das klingt nach dringendem, akutem Handlungsbedarf. Einen solchen sehe ich aber für 2016 nicht. Die Stadt Wil ist als Lebens-, Wohn- und Arbeitsort und als Regional- und Zentrumsstadt auf einem guten Weg. Diesen Weg wollen wir auch im nächsten Jahr konsequent so weiterverfolgen, um uns in verschiedenen Belangen noch weiter verbessern zu können. Mit zukunftsgerichteten Projekten wie der Aufgaben- und Leistungsüberprüfung oder dem Prozess «Kundenorientierung», die 2015 angestossen oder vorangebracht werden konnten, sind hierbei wichtige Dinge bereits aufgegleist.

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