Haben die Bed-and-Breakfast-Anbieter aus der Region Wil vom Traumsommer profitiert?

Wer in die Ferien fährt, bucht eine Unterkunft. Für mehrere Tage oder nur für eine Nacht, im Voraus oder erst bei der Ankunft am Ziel. Der Sommer war schön und heiss, Touristen weilten auch in der Region.

Zita Meienhofer
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In der Region gibt es mehrere Privatpersonen, die Bed and Breakfast in ihrem Haus anbieten. (Bilder: PD)

In der Region gibt es mehrere Privatpersonen, die Bed and Breakfast in ihrem Haus anbieten. (Bilder: PD)

Der Sommer ist zwar noch nicht vorbei, für die meisten sind jedoch die Sommerferien zu Ende. Die Bevölkerung ist wieder zurück, die Touristen, die hier weilten, wieder zu Hause. Die Region Wil ist zwar nicht unbedingt ein Touristenmagnet, trotzdem müssen Ferienmachende und Durchreisende irgendwo übernachten. Wo sie das tun? In Hotels, in Bed and Breakfast – kurz BnB – oder auch in Airbnbs. Campingplätze gibt es zwischen Wil und Flawil oder Lütisburg und Niederhelfenschwil keine. In den vergangenen Wochen war nicht nur Ferienzeit, es trübte zudem meist keine Wolke den Himmel, die Temperaturen waren sommerlich.

Eine Nachfrage bei den BnB-Anbietern zeigt: sie waren und sind weiterhin gut ausgebucht – auch bei schlechtem Wetter.

Stellensuchende und weniger Asiaten

Von den Befragten hat einzig Heini Weber vom BnB am Freudenberg in Oberuzwil bessere Jahre erlebt. Seit fünf Jahren bietet er zwei Schlafplätze in einem Zimmer an. Zu Beginn sei es besser gelaufen, sagt er. Den Grund sieht er in der Tatsache, dass in Uzwil und Umgebung vermehrt Hotels Übernachtungen zu günstigeren Preisen als auch schon anbieten. Es sind nicht Touristen, die bei ihm nach einer Herberge Ausschau halten. «Es sind vor allem Leute, die auf Stellensuche sind», sagt Weber. Zurzeit hat er sein Zimmer während der Woche an einen Mann vermietet, der in Uzwil arbeitet, aber entfernt wohnt.

«Zwischen Mitte Juni und Mitte September sowie zwischen Weihnachten und Neujahr sind meine Zimmer ausgebucht», sagt Barbara Weber vom BnB Winzenberg in Lütisburg, «schon weit im Voraus, unabhängig des Wetters.» Seit drei Jahren vermietet sie drei Zimmer, die sich in einem umgebauten Ökonomiegebäude mit Aufenthaltsraum und Küche befinden. Bei Webers nächtigen nicht nur Feriengäste, auch Arbeiter oder Durchreisende, die am anderen Tag in Zürich wieder den Flieger besteigen. Ihre Unterkunft ist ebenfalls im Herbst und Winter begehrt – auch der Aussicht wegen –, vor allem bei Studenten für das Schreiben der Bachelor- oder Masterarbeiten oder bei Buchautoren. Die Gäste im Sommer und Winter kommen von überall her. Aufgefallen ist Barbara Weber einzig, dass sie diesen Sommer fast keine Asiaten beherbergte, während es im Vorjahr auffallend viele waren.

Unabhängig vom Wetter gut ausgebucht

Ebenfalls gut ausgebucht – wetterunabhängig – ist das BnB Alpenblick in Lütisburg, das Maya Guillebeau seit 2007 betreibt. Sie bietet drei Schlafplätze an. Velofahrer oder Wanderer, die spontan bei ihr nächtigen, habe sie immer wieder. «Ob es dieses Jahr mehr waren, kann ich jedoch nicht sagen», sagt sie. Auch bei ihr suchen Leute aus ganz verschiedenen Ländern Unterkunft; Leute, die auf der Durchreise sind, die einige Tage bleiben und Ausflüge machen oder die für eine bestimmte Zeit in der Region arbeiten.

Patricia Hauser von der Villa Donkey in Degersheim, die mit ihrer Familie seit zwölf Jahren das wohl bekannteste und grösste BnB der Region betreibt, sagt, dass das schöne Wetter ihr sicherlich einige Velofahrer bescherte, die spontan übernachteten und so die «Löcher» stopften. Die Villa Donkey kann sich aber auch unabhängig der Wetterverhältnisse über eine gute Auslastung freuen. Beispielsweise am vergangenen Samstag: «So viele Leute waren noch nie auf dem Platz», sagt die BnB-Betreiberin.

Unter anderem, weil etliche am Sonntag das Schwingfest auf der Schwägalp besuchten. Es sind nicht nur Touristen aus aller Welt, die bei Hausers eine Unterkunft buchen, es sind auch immer wieder Leute, die während einer bestimmten Zeit in der Region einer Arbeit nachgehen oder Bekannte und Verwandte besuchen.

Golfspieler und Kursbesucher

Die Wetterverhältnisse spürt Monika Helbling vom BnB Sunneblueme in Niederbüren nicht. «Ich habe wenig Touristen. Oft sind es Leute, die hier Verwandte besuchen oder sich für einen Kurs eingeschrieben haben», sagt sie. Meist sind es allerdings Golfspieler vom sich in der Nähe befindenden Golfplatz. «Spontane Buchungen sind sehr selten», sagt Monika Helbling. Ihr BnB betreibt sie seit 2013, aufgrund ihrer sehr positiven und interessanten Erfahrungen, die sie und ihr Mann während Reisen und Ferien in BnBs gemacht hatten. Deshalb erstellten sie auch ihr Haus so, dass ein BnB eingerichtet werden konnte.

Wie die Jungfrau zum Kind, kam Karin Zimmermann zu ihrem BnB. Sie hatte sich in das zum Verkauf ausgeschriebene Haus in der Wiler Altstadt verguckt. Da bereits ihre Vorgängerin im Haus das BnB Bett am Weiher führte, beliess es Karin Zimmermann bei diesem Konzept, obwohl es sehr zeitaufwendig sei, wie sie sagt. Sie, die in Eschlikon wohnt, beschäftigt deshalb Teilzeitangestellte, die sie unterstützen.

Das Wetter ist auch beim BnB am Weiher in Wil nicht ausschlaggebend, dass die Zimmer meist ausgebucht sind. Karin Zimmermann ist hingegen aufgefallen, dass sich dieses Jahr vermehrt spontan Velofahrer für eine Nacht niederliessen. Grösstenteils beherbergt sie Touristen aus aller Welt, aber auch Gäste, die in Wil Verwandte besuchen oder auf einem Fest eingeladen seien, sowie Geschäftsleute.

«Es übernachten sehr viele Manager oder CEOs hier, was mich vorerst verwunderte», sagt sie. «Diese schätzen die absolute Ruhe und die Privatsphäre, die sie hier haben.»

Orgelbauer, Pilger oder die Verwandten

Ob ihr BnB bei lange anhaltendem schönen Wetter besser oder weniger gut ausgelastet ist, kann Eva Sheikh nicht beantworten. Sie und ihr Mann Tariq führen das BnB25 in Münchwilen das erste Jahr. Zudem hatten sie während der Sommerferien teilweise geschlossen, weil im BnB Verwandte übernachteten. Da Tariq Sheikh aus Pakistan stammt, kommunizieren Sheikhs nicht nur in Deutsch, Englisch, Italienisch oder Französisch, sondern auch in Urdu, Hindi, Punjabi. Dies ist wohl mitunter ein Grund, weshalb Inder und Pakistani bei ihnen übernachten. Meist buchen die sechs Schlafplätze Geschäftsleute oder Handwerker, wie zurzeit ein Orgelbauer, Leute, die eine Weiterbildung besuchen und Pilger aus Deutschland, da Münchwilen am Jakobsweg liegt.

Das BnB haben Sheikhs eingerichtet, da die vier Töchter ausgezogen sind und Tariq Sheikh, der als Chef de Service arbeitete, pensioniert wurde. Er ist es denn auch, der die Gäste bedient.

Positive Erfahrung gemacht, Freundschaften geschlossen

Was allen BnB-Anbietern gemeinsam ist: Sie haben überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Die, welche sich ohne zu bezahlen aus dem Staub machen oder sonst negativ auffallen, sind Einzelfälle. Oft entstehen interessante Gespräche zwischen Anbieter und Gast, hin und wieder sogar Freundschaften. Gebucht werden die Unterkünfte meist über die Internetplattform www.booking.com. Alle genannten BnB-Anbieter sind auf der Website von BnB Schweiz (www.bnb.ch) zu finden. Das ist eine Unternehmung, welche die Unterkünfte nach Qualitätsstandards kontrolliert. Hier können die ungebetenen Gäste gemeldet werden, für weitere Buchungen werden sie gesperrt.