Glosse

Haarsträubende Wortkreationen aus der Coiffeur-Welt

Coiffeuse und Coiffeure sind kreativ - besonders, wenn es um die Benennung ihrer Lokale geht.

Tobias Söldi
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Ein Coiffeur konzentriert sich auf seine Kernkompetenz: Haare schneiden.

Ein Coiffeur konzentriert sich auf seine Kernkompetenz: Haare schneiden.


Bild: Mareycke Frehner

Coiffeure sind kreative Menschen. Selbst die widerspenstigsten Haarbüschel und unförmigsten Frisuren vermögen sie geschickt in formvollendete Kunstwerke zu verwandeln. Kreativ sind sie aber auch in einem anderen Bereich, nämlich bei der Benennung ihrer Geschäfte.

Der eigene Nachname reicht da längst nicht mehr aus. Roger Bieri Hairstyling, Brühlmann Coiffure oder Coiffeur Sandro? Damit gewinnt heutzutage kaum jemand den Kampf um die Aufmerksamkeit der potenziellen Kundschaft. Vielmehr braucht es gewitzte Namen, die in Erinnerung bleiben. Und da scheint der Erfindungsreichtum der Coiffeusen und Coiffeure grenzenlos zu sein – obwohl man sich ebendiese Grenzen angesichts haarsträubender Stilblüten manchmal sehnlichst herbeiwünscht.

Elitäre Meisterleistung, unübertroffene Selbstreferenzialität

Eine der beliebtesten Strategien zur Namensfindung ist das Einfügen des Wortes Haar in inhaltlich fremde Begriffe mit gleichklingenden Wortteilen. So entstehen Klassiker der Coiffeur-Sprachkunst wie die Haarmonie – oder die frisierte Version davon, die Viel-Haarmonie (die einzige der hier aufgezählten Kreationen übrigens, die in der Region nicht existiert).

Extravaganter ist, wer nicht nur Wörter durcheinanderwirbelt, sondern auch Sprachen. Eine geradezu elitäre Meisterleistung ist dem Coiffeur Elitehair gelungen. Unübertroffen in Sachen Selbstreferenzialität: der Coiffeur Hairzog. Fast schon lieblos erscheint dagegen angesichts solcher kreativen Höhenflüge ein branchennahes Wort wie Haargenau als Geschäftsname.

Die Schuhmacherkollegen als Vorbild

Etwas zu weit aus dem Fenster lehnt sich der Coiffeur Haar a kiri. Denn mit der ritualisierten Art des männlichen Suizids, die etwa ab der Mitte des 12.Jahrhunderts in Japan innerhalb der Schicht der Samurai unter dem Namen Harakiri verbreitet war, hat das Geschäft hoffentlich nichts am Hut – auch wenn bei beidem spitzige Gegenstände im Spiel sind.

Man mag diese Zeilen als Haarspalterei abtun. Aber vielleicht sollte sich die Haare schneidende Zunft auch ein Beispiel an der Bescheidenheit ihrer Schuhmacherkollegen nehmen, wo es bekanntlich heisst: «Schuster, bleib bei deinen Leisten». In dem Sinne: Coiffeuse und Coiffeure, bleibt bei euren Haaren und Scheren.