Haare lassen auf dem Bärenplatz

Der Stadtrat führt eine öffentliche Vernehmlassung zum Altstadtleitbild durch. Eine Plakatausstellung macht auf die Online-Umfrage aufmerksam. Besonders im Fokus steht der Bärenplatz, wo temporär ein Freiluft-Coiffeur wirken könnte.

Philipp Haag
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Sie präsentieren die Plakatausstellung zum Altstadtleitbild: Stadtpräsidentin Susanne Hartmann, Stadtrat Marcus Zunzer, Informationschef Stefan Hauser und Stadtplaner René Haefeli. (Bilder: Philipp Haag)

Sie präsentieren die Plakatausstellung zum Altstadtleitbild: Stadtpräsidentin Susanne Hartmann, Stadtrat Marcus Zunzer, Informationschef Stefan Hauser und Stadtplaner René Haefeli. (Bilder: Philipp Haag)

WIL. Die Wiler Altstadt: historisch gewachsen, architektonisch wertvoll und schmuck – eine Visitenkarte für die Stadt –, aber etwas wenig belebt. Die Passanten fehlen. Die Altstadt hat etwas von einer Schlafstadt. Ab und zu fällt der Begriff «es tötelet», wenn vom historischen Zentrum von Wil die Rede ist. Eine Altstadt soll hingegen ein lebendiger Ort sein, wie Stadtpräsidentin Susanne Hartmann gestern nachmittag sagte, «und kein Freilicht-Museum». Um das Leben zurück in die Altstadt zu holen oder es wieder stärker zum Tragen zu bringen, erarbeitet der Stadtrat ein Leitbild. Dieses basiert auf dem Leitbild aus dem Jahr 1998, einer Analyse des «Netzwerk Altstadt», war im Januar an einem öffentlichen Forum besprochen worden und liegt nun in einem Entwurf vor. Das Altstadtleitbild dient als strategisches Instrument, bildet den Rahmen der Nutzung, bei dem es immer wieder zu (Ziel-)Konflikten zwischen Bewohnern und der Öffentlichkeit kommt. Die umstrittensten und am intensivsten diskutierten Themen sind der Verkehr (Parkplätze) und die Emissionen (Lärm).

Mitwirkung mit Wirkung

Der Stadtrat schickt nun das Altstadtleitbild in eine öffentliche Vernehmlassung. Um die Bevölkerung auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, unter dem Motto «Mitwirkung mit Wirkung» über eine Online-Umfrage sich beteiligen zu können, geht der Stadtrat einen ungewöhnlichen Weg. Einerseits mit einer Plakatausstellung, was einem gängigen Vorgehen entspricht, anderseits mit zwei temporären Installationen, was besonders ist: Die Installationen stehen auf dem Bärenplatz und auf dem Parkplatz hinter der Post. Auf dem Bärenplatz ist eine Art Pavillon aufgestellt. Dieser kann von den umliegenden Gewerblern und Geschäften jeweils am Samstag genutzt werden, wie Stadtplaner René Haefeli bei der gestrigen Präsentation sagte. «Die Bewilligung ist vorhanden.» Optionen sind ein Sommercafé, wie es in den vergangen Jahren bereits betrieben wurde, «allerdings auf schrägem Boden». Die Ideen für die Nutzung sind vielfältig. «Wieso schneidet der angrenzende Coiffeur die Haare nicht im Freien?» fragt Haefeli. Beim Pavillon geht es dem Stadtplaner darum, symbolisch aufzuzeigen, dass eine Nutzung des Platzes unter Umständen möglich ist. Ihn nimmt wunder, wie die Leute darauf reagieren. Das Gleiche gilt für den Parkplatz hinter der Post. Eine Parkfeldreihe beim Gebäude wird komplett gesperrt. Darauf wird eine Art Freizeitplatz eingerichtet mit Bänken, Tischen, einem Marktstand, einem Mühlespiel und acht bis zehn Paletten, die mit Gemüse und Blumen bepflanzt werden. Das daneben stehende Plakat erklärt die Hintergründe für die vorübergehende Umgestaltung der Parkfelder. Auch beim Bärenplatz steht eine Tafel.

Drei Wirkungsziele

Verteilt über die Altstadt und die Tonhallestrasse werden mehrere Plakate installiert. Bei den Eingängen zur Altstadt gehen die Aushänge grundsätzlich auf das Altstadtleitbild ein mit seinen drei Wirkungszielen (unter anderem: Vielfalt an Wohnen und Einkaufen in Altstadt und Vorstädten fördern) sowie sechs Handlungsfeldern (unter anderem: Wohnverträgliche Mischnutzungen anstreben oder historisches und kulturelles Zentrum pflegen). Die Plakate beim Bärenplatz, beim Parkplatz hinter der Post, beim Hofplatz, beim Lindenplatz, beim Kirchplatz und entlang der Tonhallestrasse widmen sich einem hervorzuhebenden Thema. Die Infotafeln werden am nächsten Freitag aufgestellt. Die Online-Umfrage ist bereits gestartet. Diese und die Plakatausstellung laufen mehr als einen Monat, bis am 31. Juli. Im Anschluss werden die Eingaben ausgewertet und gegebenenfalls ins Leitbild aufgenommen. Der Stadtrat muss das Papier absegnen. Danach wird es dem Stadtparlament vorgelegt, das es zur Kenntnis nehmen oder ablehnen kann. Das Altstadtleitbild sollte bis im Frühling 2017 in die Legislative gelangen. Ob, und falls Ja, welche Projekte umgesetzt werden, entscheidet sich im Anschluss.

Infos: www.stadtwil.ch/ altstadtleitbild

Die Parkplätze hinter der Post werden vorübergehend ein Freizeitplatz.

Die Parkplätze hinter der Post werden vorübergehend ein Freizeitplatz.

Auf dem Bärenplatz steht bis Ende Juli ein Pavillon.

Auf dem Bärenplatz steht bis Ende Juli ein Pavillon.