Gutgläubigkeit ausgenutzt: Eine selbstständige Coiffeuse aus Wil fühlt sich nach Vertragsabschluss mit einer Werbeagentur gelinkt

Mit regionaler Werbung wollte Ilda Kalender ihr junges Geschäft ankurbeln. Dabei ging einiges schief.

Miguel Lo Bartolo
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Die selbstständige Coiffeuse aus Wil, Ilda Kalender, bereut den Vertragsabschluss mit der «PMS Öffentlichkeitswerbung».

Die selbstständige Coiffeuse aus Wil, Ilda Kalender, bereut den Vertragsabschluss mit der «PMS Öffentlichkeitswerbung».

(Bild: Miguel Lo Bartolo)

«Ich wollte nur etwas Werbung machen», sagt Ilda Kalender, die ihren eigenen Coiffeursalon «Empire of Beauty» in Wil leitet. Dass sie dabei aber von Vertretern einer Werbeagentur übervorteilt wird, hat sie nicht kommen sehen, wie sie sagt. Es handelt sich um die «PMS Öffentlichkeitswerbung», einer GmbH aus Rapperswil, deren Kundenakquise schon seit geraumer Zeit kritisch beäugt wird.

Jüngst tat dies auch der «Kassensturz», der einen Beitrag unter dem Titel «Hilfsbereitschaft von KMU ausgenutzt» veröffentlichte. Das etablierte Fernsehformat richtete sich mit dem Vorwurf einer «unanständigen Bereicherung» an die PMS, die jegliche Anschuldigungen zurückwies.

Was sich in Wil zugetragen hat, ist symptomatisch für die Geschäfte der PMS: Sie werfen stets Fragen auf, die weitestgehend unbeantwortet bleiben.

Trotz anfänglicher Skepsis eingeknickt

Im November des vergangenen Jahres bekam Kalender einen Telefonanruf von der Werbeagentur PMS. Die Frau am anderen Ende der Leitung bezeichnete Kalender als «auserlesene Unternehmerin», der ein Sonderangebot zuteil wird. Mit ebendieser attraktiven Offerte versuchte man die junge, selbstständige Coiffeuse für Werbezwecke zu gewinnen.

Auskünfte, welche die Art der Werbung, die Kosten und die Partnerunternehemen betrafen, konnte die anonyme Stimme aber keine geben. Stattdessen ihr Vorschlag: Die Werbeagentur würde einen Vertreter vorbeischicken, der sie vor Ort über die Details aufklären und ihr dann ein konkretes Werbeangebot machen würde. Kalender war skeptisch, willigte aber wider besseres Wissen ein.

Ilda Kalender, selbstständige Coiffeuse aus Wil.

Ilda Kalender, selbstständige Coiffeuse aus Wil.

Bild: Miguel Lo Bartolo

Druck durch aggressive Verkaufsstrategie

Nur wenige Tage nach besagtem Telefonat kamen zwei Aussendienstler der «PMS Öffentlichkeitswerbung» bei Kalender im Salon vorbei. «Sie waren gross und kräftig, stellten sich kurz vor und gingen gleich zum Geschäftlichen über», sagt Kalender. Mit einer äusserst aggressiven Verkaufsstrategie hätten sie Druck auf die 26-Jährige ausgeübt.

«Ich hatte den Eindruck, dass sie mich gar nicht ernst nehmen.»

Das Angebot schien zu schön, um war zu sein, und gleichzeitig eben auch zu schön, als dass sie es hätte ablehnen können. «Ich mache sonst keine Werbung», sagt Kalender. «Aber dieses Angebot war preiswert und genau auf mein Zielpublikum zugeschnitten.» Werbepartner der PMS ist nämlich eine lokale Bäckerei. Das Logo des «Empire of Beauty» hätte folglich auch in ihrem potenziellen Kundenkreis kursiert. Am Preis war auch nichts auszusetzen – dachte sie jedenfalls.

Kosten steigen um das Dreifache

Gemäss Absprache mit den Aussendienstlern sollte für 750 Franken und während einer Laufzeit von drei Jahren das Logo des Coiffeursalons auf den Bäckertüten der lokalen Bäckerei abgebildet werden. Im Vertrag steht allerdings unter puncto Preis eine andere Zahl.

Vor knapp zwei Wochen, also gut drei Monate nach Abschluss des Vertrags, erhielt Kalender die Vertragsbestätigung. «2250 Franken sollte die Werbung plötzlich kosten», sagt Kalender. Das ist genau das Dreifache der mündlich vereinbarten Leistung. Hinzu kommen allerdings noch 148 Franken, die vertraglich als «Produktionspauschale für Layout und Satz», also für das Bedrucken der Bäckertüten, festgehalten wurden.

Das «Empire of Beauty» steht an der Bronschhoferstrasse 17 in Wil.

Das «Empire of Beauty» steht an der Bronschhoferstrasse 17 in Wil.

Bild: Miguel Lo Bartolo

Lokale Bäckerei weiss von nichts

In ihrer Hysterie meldete sie sich bei der lokalen Bäckerei, um sich über deren Wissensstand bezüglich des Preisaufschlags zu erkundigen. Die Geschäftsführerin dementierte indes jegliche Zusammenarbeit mit dem Werbeunternehmen. In der Vergangenheit habe zwar eine Kooperation bestanden. Es seien tatsächlich mit Firmenlogos bedruckte Bäckertüten bei ihr eingegangen und auch an die Kundschaft verteilt worden – letztmals allerdings vor zirka drei bis vier Jahren.

Beim Gespräch mit der Geschäftsführerin erfährt Kalender ausserdem von der zeitnah geplanten Schliessung der Bäckerei. Da wird sie hellhörig. Sie erinnert sich an die vertraglich geregelte Mindestlaufzeit von drei Jahren. «Das kann doch gar nicht sein», sagt Kalender.

«Ich soll für drei Jahre zahlen, dabei gibt’s die Bäckerei bestenfalls noch ein paar Monate?»

PMS will von der Geschäftsschliessung nichts gewusst haben. Auf Anfrage bezieht sie Stellung: «Wir arbeiten mit der Bäckerei seit 2012 partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen. Wir unterstellen unserem Partnerunternehmen angesichts der langjährigen Vereinbarung, dass sie uns über einen so weitreichenden Sachverhalt rechtzeitig in Kenntnis setzt.»

Vertragsinhalt lässt Fragen offen

Wie aus den 750 Franken fast 2500 Franken wurden, ist Kalender nach wie vor schleierhaft. Im Vertrag steht zwar in der für den verbindlichen Preis vorgesehenen Zeile ein Betrag über 2250 Franken. Darunter auch die mit 148 Franken dotierte Produktionspauschale. Zwischen den Zeilen steht allerdings auch der Betrag von 750 Franken.

Auf das Pochen Kalenders, der Vertreter hätte ihr den höheren Betrag lediglich als Anschauung für eine umfassendere Leistung, die sie nicht betreffe, geschildert, entgegnet PMS folgendes:

«Der Kunde hat letztlich diesen Preis akzeptiert, als er den Vertrag unterzeichnet hat. Wäre ein anderer Preis vereinbart gewesen, hätte der Kunde sicherlich darauf bestanden, diesen schriftlich festzuhalten.»

Kalender hat als Unternehmerin bei sogenannten Haustürgeschäften keine Möglichkeit, ein Widerrufsrecht geltend zu machen. Es bleibt ihr aber noch die Option, die Gültigkeit des Vertrages anzufechten.