Guter Wolf, böser Wolf?

Die Wiler Bläserkids hatten am Sonntagvormittag zu ihrem Familienkonzert eingeladen und begeisterten mit dem sinfonischen Märchen «Peter und der Wolf» von Sergei Prokofjew ein grosses Publikum.

Carola Nadler
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Die Klarinetten erklangen für die Katze, aber nicht für die Katz. (Bild: Carola Nadler)

Die Klarinetten erklangen für die Katze, aber nicht für die Katz. (Bild: Carola Nadler)

WIL. Eigentlich ist es schon erschreckend, wie in einem Klassiker der Programmmusik gegen ein Tier polemisiert wird, das auch in unseren Tagen die Gemüter erhitzt: Ist der Wolf nun böse oder nicht, soll er zur Jagd freigegeben werden oder ist er schützenswert? Für die Kinder in der Tonhalle ist es ganz klar: Der Wolf gehört zu den Bösen, Peter, seine Ente und der Grossvater zu den Guten. Die Katze? Grauzone zwischen Schmusetier und Vogelmörderin.

Musikalische Charaktere

Im historischen Kontext des Russlands im beginnenden 20. Jahrhundert betrachtet gehört der Wolf sicher noch zu den bedrohenden Lebenselementen und so darf dieses Märchen – auch in der Tradition Grimmscher Märchenfiguren – guten Gewissens verstanden werden. Was von Prokofjews Werk letztlich bleiben wird, ist aber nicht diese Auseinandersetzung, sondern die meisterhafte Umsetzung der einzelnen Charaktere in musikalische Sprache.

Der gemütliche, behäbige, immer etwas grummelnde Grossvater kann schlicht mit nichts anderem als dem Fagott besetzt werden, die geschmeidig-schleichende Katze mit der Klarinette – und der Wolf? Mit drei Hörnern, die sich mit ihren diabolischen Dissonanzen ein wahres Duell an musikalischer Bedrohlichkeit liefern. Thomas Fele, Leiter der Wiler Bläserkids, gelang es grossartig, mit den jugendlichen Musikern und den Zuzügern die Charaktere plastisch herauszuarbeiten.

Und noch ein Hummelflug

Claudia Rüegsegger, Leiterin des Wiler momoll-Theaters, trug zwischen den einzelnen musikalischen Bildern das Märchen vor und bewies auch keinerlei Furcht vor dem bösen Wolf, wie Schulratspräsidentin Marlis Angehrn in ihrer Begrüssung erwähnte. «Ein richtiges Konzert mit einem richtigen Dirigenten», so Angehrn. Nebst «Peter und der Wolf» stand auch Franz Schuberts Ballettmusik zum Schauspiel «Rosamunde» auf dem Programm. Beendet wurde das Konzert mit einem ungemein swingig-schmissigen «Hummelflug», Hugo Alfvens «Vallflickans Dans» und einem erfrischenden Klarinettenmuckl.

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