Gute Tropfen trotz Regen

Einige Hobbywinzer der Region Wil hatten 2014 mit schlechtem Sommerwetter, dem Mehltau oder der Kirschessigfliege zu kämpfen. Dennoch war 2014 ein gutes Weinjahr.

Stefan Etter
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Weinfreunde-Präsident Josef Stäuble (rechts) und Rebmeister Walter Jung bei der Ernte in Niederbüren. (Archivbild: Zita Meienhofer)

Weinfreunde-Präsident Josef Stäuble (rechts) und Rebmeister Walter Jung bei der Ernte in Niederbüren. (Archivbild: Zita Meienhofer)

REGION. Die diesjährige Wümmet ist Geschichte. Die Weinbauern haben in den vergangenen beiden Monaten ihre Weintrauben bereits geerntet und diese selber oder in einer Weinkellerei abgepresst und in grossen Weinfässern eingelagert. So auch in der Region Wil, wo sich in den vergangenen Jahren vermehrt Hobbywinzer auf Rebbergen betätigen. Dabei hatten die Freizeitbauern mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen.

Nasser und kühler Sommer

Der Verein Rebberg Degenau beispielsweise baut in Jonschwil zwischen Oberstufenzentrum und Sportanlage Weintrauben an. Auf einer Fläche von knapp 1500 Quadratmetern pflegen die zwölf Vereinsmitglieder rund 670 Rebstöcke, zu zwei Dritteln bestehend aus Trauben der Sorte Dornfelder (Rotwein) und zu einem Drittel aus der Sorte Doral (Weisswein). «Von der Menge her können wir uns nicht beklagen», sagt Vereinspräsident Christian Bühler. Insgesamt wurden etwa 1,2 Tonnen Trauben geerntet und zu 800 Litern Wein verarbeitet. Doch der Öchslegrad sei heuer mit 70 bis 72 Grad nicht gut gewesen.

«Wie die Qualität des Weins insgesamt einzustufen ist, werden wir erst im Winter sehen», sagt Bühler. Zu schaffen machten dem Verein dieses Jahr vor allem die Kirschessigfliege und der feuchte und kühle Sommer. Dies seien ideale Wetterbedingungen für die Ausbreitung des echten Mehltaus – eine Pilzerkrankung der Trauben. «Wir haben aber rechtzeitig Pestizide gespritzt und die Weintrauben früh im Oktober geerntet. Sonst hätte es grössere Ausfälle gegeben.»

Hälfte des Vorjahrs

Bereits im September hat der Waldverein Wuppenau seine Weintrauben geerntet. Von den 340 Aktivmitgliedern kümmern sich 11 um die beiden Rebberge am Südhang des Nollen. «Dieser gilt mit knapp 700 Metern als höchstes Weinbaugebiet des Kantons Thurgau», erklärt Lilian Gantenbein, Mitglied der Rebberggruppe. Deshalb habe sich der Waldverein auf die Rebsorte Garanoir (Rotwein) fokussiert, die auch in höheren Lagen gut gedeiht. Insgesamt wachsen 360 Rebstöcke. «Dieses Jahr haben wir 200 Kilogramm geerntet, 2013 etwa doppelt so viel.»

Heuer sind die Trauben laut Gantenbein wegen geringerem Wachstum klein geworden und die Ernte fiel deshalb magerer aus. Mit ein Grund dafür sei der verregnete und kühle Sommer gewesen. «Zudem mussten wir dafür sorgen, dass wir an den trockenen Tagen gegen den echten Mehltau spritzen konnten, und einige faule Trauben herausschneiden.» Dafür seien die Trauben vom Befall der Kirschessigfliege praktisch verschont geblieben. So ist Gantenbein mit dem Resultat insgesamt zufrieden. «Wir haben den Öchslegrad von 73 auf 74 gesteigert.»

Reben auf 2200 Quadratmetern

Der grösste Rebberg in der Region Wil, der von Hobbywinzern betrieben wird, befindet sich in Wallenwil. Auf dem «Stutz» baut der Rebbauverein Wallenwil auf 2200 Quadratmetern Weinreben der Traubensorten Garanoir (Rotwein) und Müller-Thurgau (Weisswein) an – 560 und 1032 Kilogramm waren es in diesem Jahr. «Die diesjährige Ernte ist mit 1100 Litern Wein zufriedenstellend», sagt Vereinspräsident Peter Dietrich.

Auch den Weinreben des Rebbauvereins Wallenwil habe das schlechte Sommerwetter 2014 zugesetzt. «Dadurch wurde ein Teil der Trauben vom Mehltau befallen und musste speziell behandelt werden.» Die elf Vereinsmitglieder hätten grossen Aufwand betrieben, die Trauben mit Pestiziden gesund zu halten und die durch Kirschessigfliegen angestochenen Trauben auszusortieren. «Doch wir sind überzeugt, dass es ein guter Jahrgang wird.» Die Garanoir-Trauben haben 78, die Müller-Thurgau-Trauben 72 Öchslegrad erreicht. «Damit sind wir über dem Durchschnitt der letzten Jahre.»

Keinerlei Chemikalien

Ein solch grosse Erfahrung haben die Weinfreunde Niederbüren, die sich 2010 zusammenschlossen, noch nicht. 2013 wurde die erste Ernte überhaupt eingefahren. Auf einer Fläche von 800 Quadratmetern wachsen neben der katholischen Kirche 380 Rebstöcke mit Cabernet-Jura-Trauben (Rotwein). «Eine sehr Mehltau-resistente Traube, für deren Pflege wir bisher keinerlei Chemikalien benötigt haben», sagt Vereinspräsident Josef Stäuble. «Auch von der Kirschessigfliege wurden wir weitestgehend verschont.»

Positiv sieht es auch mit der Erntemenge aus. Während rund 20 Aktivmitglieder im letzten Jahr 152 Kilogramm Trauben pflückten und 110 Liter Wein herstellten, waren es heuer 272 Kilo. Der Öchslegrad wurde 2014 von 82 auf 87 gesteigert. Kürzlich hätten die Weinfreunde den Wein aus der ersten Ernte degustieren können. «Die Qualität ist mehr als zufriedenstellend. Nach einem Jahr Lagerzeit wird er noch besser schmecken.»