«Gute Seele» als Beruf

Unterwegs mit Alltagshelden (Teil 7): Zu Hause ist es für viele ältere Menschen am schönsten, doch der Haushalt ist nicht mehr für alle machbar. In solchen Fällen bietet Anita Hubmann aus Balterswil als Haushaltshilfe Unterstützung.

Belinda Halter
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bichelsee-balterswil. Anita Hubmann wäscht, putzt, bügelt und kocht. Was für viele eine mühsame Pflicht darstellt, macht ihr Freude. Deshalb erledigt sie diese Arbeiten nicht nur bei sich zu Hause, sondern auch bei anderen Leuten. Als Haushaltshilfe bei der Spitex Tannzapfenland geht sie zu Menschen, die krankheits- oder altersbedingt den Haushalt nicht mehr selbständig machen können. Ihre heutige Tour führt sie nach Bichelsee. Als sie beim Klienten ankommt, erwartet sie dieser bereits. Denn sie macht nicht nur den Haushalt, sondern leistet ihren Klienten auch Gesellschaft.

Grosses Aufgabengebiet

Nach ein paar Wortwechseln legt sie gleich los. Als Erstes sammelt sie die Wäsche ein und startet die Waschmaschine. Nachdem sie anschliessend staubgesaugt hat, macht sie sich mit Reinigungsmitteln und Lappen ins Badezimmer auf. Dabei erzählt sie von ihrer Arbeit. «Dass mir der Beruf auch nach 16 Jahren noch gefällt, liegt an der Abwechslung», erklärt Anita Hubmann. Denn die verschiedenen Leute bringen auch unterschiedliche Arbeiten mit sich. «Bei den einen kümmere ich mich nur um den Haushalt.

Bei anderen mache ich eine einfache Grundpflege. Dabei unterstütze ich die Klienten beim Duschen oder Aufrichten», sagt sie. Ausserdem seien die älteren Menschen oft froh um eine Fahrgelegenheit, um beispielsweise einzukaufen. Damit sie über die Arbeiten ausserhalb der Haushaltshilfe den Überblick behält, zückt sie dann schnell ihren Taschencomputer. Mit dem elektronischen Gerät kann sie nicht nur die Arbeitszeit und den Weg, sondern auch die Arbeiten eintragen.

Lebenserfahrungen in Afrika

Dem Gerät sei sie zuerst kritisch gegenübergestanden, sagt Hubmann. Doch nun sei sie froh darüber, denn im Vergleich zu früher, wo alles noch von Hand eingetragen wurde, sei es viel einfacher. Eine ganz andere Erfahrung in Sachen Einfachheit hat sie in Afrika gemacht. Mit ihrem Mann habe sie zehn Jahre lang in Nigeria gelebt und dabei so einiges gelernt. Sie hätten viel mehr Zeit gehabt und viel einfacher gelebt.

«Wenn man selber Brot und Nudeln zubereitet, merkt man schnell, dass man nicht alles einkaufen kann», erzählt Anita Hubmann. Was sie jedoch in Balterswil vermisse, sei das schöne Wetter. Denn auch noch mit 62 Jahren treibe sie sehr gerne Sport. So oft es gehe, fahre sie mit dem Velo zu den Klienten. Und wenn sie einmal in Bichelsee sei, gehe sie nach der Arbeit gerne schwimmen. «Für mich ist der Sport ein Ausgleich zur Arbeit.

Damit kann ich abschalten und bin fit für die körperlich strenge Arbeit», meint sie und macht sich sogleich an die nächste Aufgabe.

In der Serie «Unterwegs mit Alltagshelden» porträtiert die Wiler Zeitung in loser Folge Menschen aus dem Hinterthurgau. «Alltagshelden» üben einen Beruf aus, ohne den das alltägliche Leben unmöglich wäre, der meist aber nicht besonders beachtet wird.