Gute Erfahrungen mit Integration

Anfang 2012 bettete die Gemeinde Flawil die Spielgruppen in das soziale Netzwerk zur Integration von Migranten ein. Das Fazit fällt positiv aus. Nun soll die Leistungsvereinbarung mit den Spielgruppen in Flawil verlängert werden.

Melanie Graf
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Zusammen spielen und basteln: Im Projekt «Starke Spielgruppen» werden sozial schwache Kinder gefördert und integriert. (Bild: Melanie Graf)

Zusammen spielen und basteln: Im Projekt «Starke Spielgruppen» werden sozial schwache Kinder gefördert und integriert. (Bild: Melanie Graf)

FLAWIL. In Spielgruppen lernen Kinder im Vorschulalter spielerisch den sozialen Umgang mit anderen Kindern. Die Spielgruppen in Flawil bestehen schon seit mehr als 30 Jahren und werden auf privater Basis betrieben. Mit dem Projekt «Starke Spielgruppen» sollen auch die sozial schwachen Kinder berücksichtigt werden. Die Früherkennung von benachteiligten oder auffälligen Kindern soll erhöht, das Erlernen der deutschen Sprache gefördert und der Kontakt zu Migrantenfamilien ermöglicht werden. Der Gemeinderat unterstützt das Projekt mit einem Beitrag, es besteht eine Leistungsvereinbarung. «Diese soll demnächst verlängert werden», sagt Gemeinderat Erich Baumann, Bereichsvorsteher Soziales und Gesundheit. An einer der nächsten Gemeinderatssitzungen werde er den Antrag dazu stellen.

Ziele wurden erreicht

Rund 100 bis 120 Kinder pro Jahr erreichen das Spielgruppenalter. Vor drei Jahren wurden die Ziele definiert: 100 Prozent aller Eltern von Kindern im Vorschulalter kennen das Angebot der Flawiler Spielgruppen, und 80 Prozent aller Flawiler Kinder sollen bis zum Eintritt in den Kindergarten eine Spielgruppe besuchen oder besucht haben. «Diese Ziele wurden erreicht», sagt Erich Baumann. Die Spielgruppen seien voll, und viele Kindern aus Migrantenfamilien würden das Angebot nutzen. In Flawil ist der Bereich Soziales zentral und alle, die in diesem Bereich arbeiten sind gut vernetzt. Dank des Projekts «Starke Spielgruppen» konnten auch die Spielgruppen in dieses Netz integriert werden. «Es freut mich auch persönlich, dass mit wenig Geld am richtigen Ort viel bewegt werden kann», so Baumann. Wenig Geld, bedeutet wenige tausend Franken.

Gute Erfahrungen gemacht

Ebenfalls positiv über das Projekt spricht die Person, die in direktem Kontakt mit den Eltern und den Spielgruppenkindern steht: Daniela Morante ist Leiterin der Spielgruppe im Bitzgi. Die Nachfrage an Spielgruppenplätzen sei da, sagt sie, «Integration bedeutet nicht nur, ausländische Kinder mit wenig Deutschkenntnissen in einer Spielgruppe aufzunehmen, sondern auch lebhaftere Kinder oder Kinder anderer Glaubensrichtungen Platz zu bieten.» Daniele Morante hat viele gute Erfahrungen mit Migranten gemacht. «Sie sind sehr offen, sie wollen, dass ihre Kinder sich integrieren können. Und die Erwachsenen selbst wollen sich auch integrieren.» Die Spielgruppenleiterinnen nähmen die Kinder so, wie sie seien, das sei wichtig. Und die Eltern dürften auch während der Spielgruppenzeit anwesend sein. «Manchmal brauchen die Kinder etwas mehr Zeit, um sich abzulösen.» Kinder von zweieinhalb Jahren bis zur Einschulung besuchen die Flawiler Spielgruppen. «Die Spielgruppen sind altersdurchmischt. Auch das macht die Spielgruppen stark», ist sie überzeugt.

Keine Ablehnung

Schweizer Eltern, die sich ablehnend gegenüber den ausländischen Kindern zeigen, seien selten, sagt Daniela Morante. Eine Mutter, die ihr Kind in die Spielgruppe begleitet, findet es gut, dass Kinder aus Migrantenfamilien die Spielgruppe besuchen. Sie kenne einen Fall aus St. Gallen, da habe es so viele Reklamationen gegeben, dass die Leiterinnen gezwungen waren, eine Gruppe nur für Schweizer Kinder zu führen. «Das ist doch eine Katastrophe.»