Gute Bühnenproportionen in der Tonhalle

Längst sind die Proben zu den «Banditen» des Musiktheaters Wil angelaufen. Auch die Bühne nimmt langsam ihre Formen an: In der Werkstatt von Enrico Caspari werden die Entwürfe von Kirstin Osmundsen umgesetzt.

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Jacques Offenbachs Opéra buffa «Die Banditen» darf Kirstin Osmundsen nicht das erste Mal gestalten. Zusammen mit dem Kostümbildner Max Kaiser, der auch die Kostüme für die Wiler «Banditen» entworfen hat, hat die Bühnenbildnerin schon einmal diese Operette bearbeitet: 2007 in Möriken. Mit Max Kaiser verbindet Osmundsen eine über 40jährige Zusammenarbeit. «Beide haben wir Produktionen am Opernhaus gemacht», erzählt sie von früher. Dann sei sie 20 Jahre in Marseille gewesen. «Als ich zurückkam, haben wir uns zufällig in Zürich wiedergefunden.»

Tiefe erzeugen

Doch für die Wiler «Banditen» braucht es ein völlig neues Bühnenbild: Zum einen ist da das Budget, das eingehalten werden muss. Zum anderen sind natürlich die Bühnendimensionen überall anders. Die Bühne von Muolen beispielsweise ist sehr tief – aber was nutzt diese Tiefe? So weit weg vom Bühnenrand kann man keinen Chor und keine Solisten positionieren. «Die Wiler Tonhallenbühne dagegen hat ein wunderbares Verhältnis von Tiefe und Breite», schwärmt Osmundsen in ihrem Atelier in Zürich und baut in ihrem kleinen Puppenstubenmodell die Felsenlandschaft zum Wirtshaus des zweiten Aktes um. In Wil kann man sehr gut «tricksen», mit Kulissen und Vorhängen Tiefe erzeugen. Ein Rundvorhang beispielsweise wird diesen Effekt vermitteln: Der feine Tüllstoff ist bereits in der Werkstatt von Enrico Caspari und seinem Sohn Sandro mit einer Parklandschaft bemalt worden und wartet auf seinen Transport.

Riesiges Bett

Drei Bühnenbilder braucht diese Operette, das ist relativ viel. Doch die erfahrene Bühnenbildnerin hat eine Lösung gefunden, die platzsparend und erst noch gut umzubauen ist. Ein Holzgerüst dient zuerst als Gebirgslandschaft und wird im zweiten Akt dazu verwendet, die Fenster des Wirtshauses zu erreichen. Die Felsen selbst bestehen aus bearbeitetem Stoff und nicht aus Styropor, der bei Umbauten problematisch ist. Im dritten Akt wird ein riesiges Bett mit einem roten Baldachin die Bühne dominieren. Das Holzgerüst wird bereits bei den Proben von Chor und Solisten eingesetzt und wird Anfang Dezember mit allen weiteren Kulissen in der Tonhalle aufgebaut werden.

Zuletzt das Licht

«Enrico Caspari kann man gut alleine arbeiten lassen», meint Osmundsen. Sie muss ihn nicht «überwachen». Dennoch fährt sie einige Male von Zürich nach Kirchberg, um Details abzuklären, beispielsweise die Bespannung von drei Stühlen. Oder die zahlreichen Messer der Banditen: Wie bekommt man die Klinge so echt wie möglich hin? Das letzte Element des Bühnenbaus wird dann das Licht sein. «Das ist dann die Sache des Regisseurs, wie er es haben möchte», erklärt Kirstin Osmundsen. Ihre Arbeit ist nun beendet, sie wird ihre Bühne an der Premiere im Januar wiedersehen. (pd)