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«Konkurrenzdenken ist gross»: Pilzschwemme in der Region Wil – aber die Sammler verraten nicht, wo man fündig wird

Derzeit wachsen so viele Pilze wie schon lange nicht in dieser Jahreszeit. Pilzsammler geben sich verschwiegen.
Lara Wüest und Tobias Söldi
Sieht nicht so aus, ist aber essbar: Krause Glucke, auch Fette Henne genannt. (Bild: Ramona Heim)

Sieht nicht so aus, ist aber essbar: Krause Glucke, auch Fette Henne genannt. (Bild: Ramona Heim)

Für die Pilzsammler verspricht es, ein gutes Jahr zu werden. Wie verrückt spriessen die Pilze derzeit zwischen Wurzeln, Gräsern oder auf Moosteppichen hervor. Und das bereits früher, als in anderen Jahren. Verantwortlich ist das Wetter. Die Pilze mögen es warm und feucht. Der Regen der vergangenen Tage lässt sie schneller wachsen.

So manche Pilzkontrollstelle hat bereits alle Hände voll zu tun – obwohl die Saison erst begonnen hat. So sagte etwa Hanspeter Schumacher gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» kürzlich, man habe bereits 30 Kontrollen durchgeführt. Schumacher ist Pilzkontrolleur der Pilzkontrollstelle im botanischen Garten in der Stadt St.Gallen.

Ihre Plätze hüten sie wie ihren Augapfel

Die «Wiler Zeitung» wollte von der Pilzkontrollstelle in Bischofszell, wo Pilzsammler aus der Region ihre Pilze kontrollieren lassen können, wissen, ob sie ähnlich gefordert werden wie ihr Kollege in der Kantonshauptstadt. Doch bei der hiesigen Kontrollstelle gibt man sich verschwiegen, man möchte lieber nichts sagen. Zu gross ist die Angst, dass Leserinnen und Leser nach der Lektüre in Scharen in die Wälder laufen und alles Mögliche aus den Böden zupfen und zur Kontrolle bringen. Scheint fast so, als behielten die Pilzsammler ihre Geheimnisse und Wälder lieber für sich.

Vor allem ihre bevorzugten Pilzplätze hüten viele wie ihren Augapfel. Das bestätigt Ernst Gübeli:

«Ein Pilzsammler wird seine Plätze niemandem verraten, da ist das Konkurrenzdenken zu gross.»

Gübeli ist Präsident des Vereins für Pilzkunde in Uzwil. Letzterer bietet Pilzbestimmungsabende, Exkursionen und Lehrgänge an und setzt sich auch für den Schutz der einheimischen Pilzflora ein, wie der Verein im Internet schreibt.

Das Problem: die Erde verdichtet sich

Hanspeter Schumacher, Leiter Botanischer Garten St.Gallen.

Hanspeter Schumacher, Leiter Botanischer Garten St.Gallen.

Hanspeter Schumacher, Pilzkontrolleur im botanischen Garten in St.Gallen, bestätigt den Eindruck: «Pilzler verraten ihre Fundstellen nicht gerne. Jeder hat seine kleinen Geheimnisse.» Manch ein Sammler mache sich wohl Sorgen, dass er leer ausgehe, wenn er seine Entdeckung preisgebe. Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Das haufenweise Betreten einer Sammelstelle verdichtet die Erde. Schumacher erklärt:

«Das sollte vermieden werden. Damit Pilze gut wachsen, ist ein luftiger, lockerer Boden wichtig.»

Doch wenn die Fundstellen so gut gehütete Geheimnisse sind, wie findet ein Neuling Zugang zur Welt der Pilze? «Mit der Zeit entwickelt man ein Auge für gute Standorte», sagt Schumacher. Wer sich ernsthaft auf das Pilzesammeln einlassen will, dem empfiehlt der Experte ohnehin, einem entsprechenden Verein beizutreten. Viele organisieren auch Bestimmungsabende und Kurse. «Das bringt mehr, als auf eigene Faust loszugehen», so Schumacher. Und wer weiss, vielleicht ist man dann bald selbst einmal ein Hüter eines Geheimnisses.

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