«Gut gebrüllt, Tiger!»

In der Tonhalle Wil verzauberte Andreas Wellano in seiner wort- und bildgewaltigen One-Man-Show «Geschichte einer Tigerin» das Publikum und sorgte für Spannung und schallendes Gelächter.

Beatrice Oesch
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Wil. Am Freitagabend lockte ein komödiantischer Leckerbissen ein sehr zahlreiches Publikum in die Tonhalle Wil. Nach einem von der Confiserie Hirschy AG in Wil gesponserten Apéro mit von der Tonhalle Wil offerierten Getränken spielte Andreas Wellano unter der Regie von Angelika Sieburg Dario Fo's «Geschichte einer Tigerin», ein in kerniger Sprache verfasstes Stück, mit welchem er seit mehr als zwanzig Jahren Erfolge feiern konnte, und das es nun – so die Ankündigung – als europäische Dernière zu sehen gab.

Schlicht weiss gekleidet in Turnschuhen, Jeans und Hemd, mit einem roten Halstuch als einzigem Farbtupfer, betrat er die leere schwarze Bühne und liess dank seiner Präsenz, mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik in seiner wort- und bildgewaltigen One-Man-Show sogleich vergessen, dass weder Kostüme noch Requisiten oder Kulissen zum Einsatz kamen.

Parteifunktionäre ausgetrickst

Die bizarre und mit politischem Sarkasmus gewürzte Handlung spielt im China Mao Tse Tungs, wo ein Soldat mit seiner Truppe einen entbehrungsreichen Marsch und schliesslich eine Wunde im Bein erleidet, die brandig wird. Wegen des grässlichen Gestanks seiner Wunde wird er halb tot zurückgelassen, ertrinkt daraufhin beinahe in einem Hochwasser und schleppt sich mit letzter Kraft in die Höhle einer Tigerin und ihres Jungen.

Die Tigerin säugt ihn und bringt seine Wunde durch Ablecken zur Heilung, und er übernimmt dafür den Küchendienst in der Höhle. Als er gesund ist, flieht er in ein Dorf, wo die dümmlichen Dorfbewohner seiner Geschichte keinen Glauben schenken.

Furchteinflössendes Gebrüll

Als die Tigerin mit ihrem Jungen auf der Suche nach ihm ins Dorf kommt, wird sie gleich zur Verteidigung eingesetzt, und Parteifunktionäre werden ausgetrickst.

Alle Rollen der Geschichte spielte Wellano selbst, und so flitzte, hinkte, stolzierte er über die Bühne als verwundeter Soldat oder dümmlicher Dorfbewohner. In der Rolle der Tigerin wurden seine Finger zu Krallen und seine Stimme zu furchteinflössendem Gebrüll, während er als kleines Tigerchen ein jämmerliches Wimmern von sich gab. In Sekundenbruchteilen schlüpfte er von einer Rolle in die nächste, jede Figur war deutlich wiederzuerkennen. Zudem schaffte Wellano es, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.

Die skurrile Geschichte lebte von den köstlichen Possen und dem Temperament des Darstellers; so war etwa seine anschauliche Anleitung, wie zu Heilzwecken einem schlafenden Tiger sein Speichel aus dem Maul entnommen werden kann, ein Höhepunkt des Abends, bei dem im Publikum zum Abwischen der Lachtränen etliche Taschentücher zum Einsatz kamen.

Nach Spontanapplaus während der Aufführung bedankte sich das Publikum am Schluss der Vorstellung mit tosendem Applaus und Bravo-Rufen für diesen gelungenen Abend.