Gut angekommen in St. Gallen

Im Juni trat Donat Ledergerber seine neue Stelle als Generalsekretär im Gesundheitsdepartement von Regierungsrätin Heidi Hanselmann an. Der einstige SP-Kantonsrat und Kirchberger Schulleiter zieht nach einem halben Jahr eine Zwischenbilanz.

Beat Lanzendorfer
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Generalsekretär Donat Ledergerber hat sich in seinem Büro in St. Gallen gut eingelebt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Generalsekretär Donat Ledergerber hat sich in seinem Büro in St. Gallen gut eingelebt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Herr Ledergerber, betreiben Sie als Generalsekretär des Gesundheitsdepartements auch Sport?

Donat Ledergerber: Wieder. Ich hatte mir im Mai 2013 bei einem Fussballspiel mit dem FC Kantonsrat in Flums die Achillessehne gerissen. Diese Beeinträchtigung sowie das Jahr als Vizepräsident und das folgende als Präsident des Kantonsrates liessen den Sport in den Hintergrund treten – zwangsläufig. Seit ich hier in St. Gallen arbeite, besuche ich zwecks Kraft und Ausdauer zweimal in der Woche ein Fitnessstudio. Zu viel mehr reicht es immer noch nicht.

Dann leben Sie seit Ihrem Wechsel in die Kantonshauptstadt auch gesünder?

Ledergerber: Das kann man sicher so sagen. In der Cafeteria im Regierungsgebäude gibt es hervorragende und ausgewogene Menus. Auch das Angebot in der Stadt, in der unmittelbaren Umgebung, ist sehr vielfältig. Allein schon deswegen lebe ich gesünder. In Kirchberg hatte es in der Mittagspause jeweils nur zu einem einfachen Schnellimbiss gereicht.

Wie geht es Ihnen an Ihrem neuen Arbeitsplatz?

Ledergerber: Gut, wirklich gut. Ich habe am 1. Juni angefangen, konnte mich in den Monaten davor aber behutsam einarbeiten. Mein Vorgänger Roman Wüst hat es einmal passend formuliert: Am Morgen liegen fünf Dossiers auf dem Tisch, am Abend hat man dann fünf andere behandelt. Es ist spannend und abwechslungsreich. Vieles ist nicht planbar, manches unberechenbar. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Nach einem halben Jahr ist mein Einarbeitungsprozess auch noch nicht abgeschlossen.

Was macht eigentlich ein Generalsekretär?

Ledergerber: Ich bin der nächste Mitarbeiter von Regierungsrätin Heidi Hanselmann und leite mit ihr das Departement. Sie vertritt und repräsentiert das Departement nach aussen und ist die politische Vertreterin. Ich leite es gegen innen an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Regierung. Das Amt hat durchaus politischen Charakter, wenn auch keinen parteipolitischen. Netzwerkarbeit und regelmässige Meetings mit den diversen Branchen, Institutionen und Anspruchsgruppen des Gesundheitswesens gehören ebenfalls zu meinem Aufgabenbereich. Letztlich begleite ich alle unsere Geschäfte, bis diese in der Regierung oder im Kantonsrat ankommen.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Tagesplan aus?

Ledergerber: Heute nehme ich nebst dem normalen Tagesgeschäft als Mitglied der Projektgruppe nach diesem Interview an einer IT-Strategiesitzung des Kantons teil. Anschliessend steht eine Besprechung mit der Leiterin des Personalwesens an. Am Nachmittag folgt ein Meeting mit meiner Stellvertreterin Fabienne Frei. Darüber hinaus führen wir einen Betrieb mit offenen Türen: Anliegen und Fragen können daher unkompliziert behandelt werden. Ein Fixpunkt in der Woche ist der Donnerstag: Bis zehn Uhr müssen alle unsere aktuellen Politgeschäfte vorliegen. Diese werden dann so vorbereitet, dass sie unsere Chefin an der Regierungssitzung vom folgenden Dienstag einbringen kann.

Was schätzen Sie an Ihrer jetzigen Aufgabe besonders?

Ledergerber: Die Vielseitigkeit und dass man spüren kann, welche Verantwortung man trägt. Letztlich ist ja die Gesundheit das Wichtigste im Leben. Den ganzen Tag für die Gesundheit der St. Gallerinnen und St. Galler arbeiten zu dürfen, das erachte ich schon als eine edle Aufgabe, auch wenn es jetzt etwas pathetisch klingen mag.

Was hat den Reiz ausgemacht, den Job anzunehmen? Hat es sich gelohnt, zu wechseln?

Ledergerber: Ich bin letzte Woche 49 geworden und mir bot sich die Chance, mich in diesem Alter noch einmal beruflich zu verändern. Ich wusste, wenn du diese Chance jetzt bekommst, musst du sie packen. Gerade der Wechsel von der Bildung in die Gesundheit ist anforderungsreich und spannend. Ich habe mich der Herausforderung gestellt und bereue es nicht.

Stehen Sie im täglichen Kontakt mit Ihrer Chefin, Heidi Hanselmann?

Ledergerber: Wenn es die Zeit zulässt, ja. Regierungsrätin Heidi Hanselmann ist sehr viel absorbiert. Aussenstehende können sich nicht vorstellen, was Regierungsräte leisten. Repräsentative Aufgaben sind zwar schön und abwechslungsreich. Dadurch bleibt die Arbeit im Büro allerdings liegen, die dann abends oder am Wochenende zu erledigen ist. Ich staune immer wieder, wie Heidi Hanselmann ihr enormes Arbeitspensum meistert. Sie bezeichnet sich als «Kurzschläferin», das kommt ihr bei den langen Arbeitstagen sicher entgegen.

Gibt es viele öffentliche Anlässe, die Sie zusammen mit Heidi Hanselmann besuchen? Falls ja, welche waren besonders spannend?

Ledergerber: Wir haben gemeinsame Auftritte. Die meisten offiziellen Termine nimmt sie selber wahr, manchmal darf ich für sie als Stellvertreter einspringen, wobei sie als vom Volk gewählte Regierungsrätin ja keinen eigentlichen Stellvertreter hat. Ein schöner Anlass, bei dem wir beide dabei waren, war die Medieninformation im Herbst im Botanischen Garten. Wir durften zusammen aktuelle Themen des Gesundheitsdepartements vorstellen.

Was sind die derzeitigen Themen, die Ihnen unter den Nägeln brennen?

Ledergerber: Hochaktuell ist das Thema «Medical Master», welches die Vorgaben für ein Medizinstudium in St. Gallen erarbeiten soll. Ein weiteres ist das Hundegesetz. Die Vernehmlassung dazu ist abgeschlossen, zu Beginn des nächsten Jahres dürfte es vor die Regierung kommen. Anschliessend wird es den Kantonsrat beschäftigen. Das Hundegesetz kommt deshalb, weil der Kanton St. Gallen nach den Beissattacken, die vor ein paar Jahren die Schweiz erschütterten, noch keine rechtliche Handhabe erarbeitet hat. Eigentlich ist es kein Tierschutzgesetz, sondern ein Gesetz zum Schutz der Menschen.

Die Prämien steigen, die Leistungskosten auch – Jahr für Jahr. Woran krankt unser Gesundheitssystem?

Ledergerber: Krank ist für unser Gesundheitssystem schon einmal der falsche Ausdruck. Es wird sicher teurer, dabei spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle. Zum einen die Demographie. Wenn Menschen älter werden, ist die Möglichkeit grösser, dass sie krank werden. Und die Krankheit im Alter ist teurer. Der zweite Faktor ist die technische Entwicklung, welche die Medizin durchläuft. Wenn etwas möglich ist, wird es gemacht. Auf medizinische Leistungen zu verzichten, sind Fragen, die sich zurzeit nicht oder noch nicht stellen. Kosten eindämmen kann man, wenn der Einzelne auf bestimmte Behandlungen verzichten würde.

SP-Anliegen hatten es in den vergangenen Jahren schwer. Zweimal Nein zur Einheitskasse, Nein zur Prämienverbilligung. Will niemand auf die SP hören?

Ledergerber: Ich arbeite hier in einer Position, in der ich keine Parteipolitik mehr betreibe, daher möchte ich mich zu dieser Frage nicht äussern. Das Amt des Generalsekretärs ist eine Schnittstelle zur Politik, aber nicht zur Parteipolitik.

Haben Sie als Generalsekretär trotzdem politischen Einfluss?

Ledergerber: Politischen Einfluss habe ich durchaus. Wenn Heidi Hanselmann am Dienstag in die Regierung geht, hört sie sich im Vorfeld verschiedene fachliche Meinungen an, darunter auch meine. Der Kantonsrat ist ein Milizparlament, die Regierung und die Verwaltung sind Profis. Es ist interessant, die verschiedenen Sichtweisen zu sehen und unter einen Hut zu bringen.

Vermissen Sie als ehemaliger SP-Kantonsrat die Debatten im Parlament?

Ledergerber: Nein, ich bin ja noch dabei. Ich kann die Debatten hier im Büro via Lautsprecher mitverfolgen. Ich vermisse höchstens die Stimmung, die zu spüren ist, wenn man als Kantonsrat dabei ist. Das hatte für mich immer etwas Feierliches, den Kanton im Parlament zu vertreten. Es waren acht schöne Jahre.

Sind Sie mit den in der Novembersession gefällten Entscheiden Ihrer einstigen Kollegen im Kantonsrat zufrieden?

Ledergerber: Was die Entscheide im Gesundheitsdepartement angehen, ja. Der Kantonsrat hat uns unter anderem den Auftrag erteilt, gesetzliche Grundlagen für ein Palliativkonzept zu erarbeiten. Darüber hinaus ist es für mich allerdings fragwürdig, wenn Stellen in der Prävention gestrichen werden.

Sie waren vorher während 23 Jahren als Lehrer oder Schulleiter tätig. Was vermissen Sie am meisten aus dieser Zeit?

Ledergerber: Ich habe gar keine Zeit, etwas zu vermissen. Wenn ich etwas vermisse, sind es die persönlichen Kontakte mit den Kolleginnen und Kollegen. Das letzte halbe Jahr war derart intensiv, ich war selber überrascht, wie schnell ich den Übergang von der Schule in die neue Welt hier in St. Gallen gemeistert habe.

Vorher hatten Sie aus dem Büro eine Aussicht auf das ländlich geprägte Kirchberg. Was sehen Sie jetzt, wenn Sie aus dem Fenster schauen?

Ledergerber: Der Ausblick ist spannend. Rechts das Rathaus der Stadt St. Gallen beim Bahnhof, vorne die Fachhochschule und daneben das Bundesverwaltungsgericht. Auf kleinem Raum verteilt Bundes-, Kantons- und Stadtebenen.

Bleibt noch Zeit, die Beziehungen im Toggenburg zu pflegen?

Ledergerber: Zur Toggenburger Sektion und zur Kreispartei der SP habe ich weiterhin noch Kontakt. Meine privaten Beziehungen beschränken sich zurzeit auf das Umfeld von Kirchberg und auf meine Familie. Aber auch dort kommt vieles zu kurz. Ich bin aktuell in einer Phase, in der die Arbeit Priorität hat. Das beinhaltet in der Regel Zwölf-Stunden-Tage und mehr. Ich habe durchaus ein Privatleben, dieses beschränkt sich aber aufs Wochenende.

Bei Ihrem Abschied stellten Sie in Aussicht, Ihren Wohnsitz nach St. Gallen zu verlegen.

Ledergerber: Es sind tatsächlich Überlegungen da. Ich bin häufig auf das Auto angewiesen und daher möchte ich mir bei Gelegenheit den Arbeitsweg nach St. Gallen sparen. Am liebsten in Fussdistanz zum Arbeitsplatz. Mein Partner und ich sind auf der Suche, lassen uns aber Zeit.

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