GUNTERSHAUSEN: Fehlalarm auf Facebook

Eine Meldung über ausgelegte Giftköder für Tiere hat sich in den letzten Tagen schnell auf dem grössten sozialen Netzwerk verbreitet. Laut der Polizei gibt es aber keinerlei Beweise.

Roman Scherrer
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Dieser Facebook-Beitrag sorgte für Verunsicherung. (Bild: Printscreen Facebook)

Dieser Facebook-Beitrag sorgte für Verunsicherung. (Bild: Printscreen Facebook)

Roman Scherrer

roman.scherrer@thurgauerzeitung.ch

Bis gestern Abend haben über 800 Leute den Facebook-Beitrag geteilt, den eine Privatperson veröffentlichte. Grund dafür ist die vermeintlich brisante Meldung: «Achtung Um Guntershausen bei Aadorf legt ein Tierhasser Giftköder aus. Katzen und Hunde sollen bereits Opfer sein.» Auf den Beitrag äusserten sich einige Personen besorgt in den Kommentaren. «Oh mein Gott und meine Katze ist draussen», lautete etwa eine Reaktion.

Im gleichen Zuge zweifelten andere Kommentatoren den Wahrheitsgehalt der Meldung an. Einige fragten, woher die Information stammt, andere bezeichneten den Beitrag als «Angstmacherei». «Und wie ist das bis nach London durchgedrungen?», fragte jemand und verwies damit auf die Wohnortsangabe auf dem Profil der Person, die den Beitrag verfasst hatte. Diese äusserte sich selbst nicht in der Diskussion, was die Kommentatoren weiter verunsicherte.

«Keine Meldungen von Geschädigten»

Eine Meldung, dass in der Umgebung von Guntershausen Giftköder ausgelegt sein sollen, ist der Kantonspolizei Thurgau bekannt. «Am vergangenen Freitag hat eine Drittperson diesen Verdacht beim Polizeiposten in Aadorf gemeldet», sagt Mario Christen, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau.

Der Verdacht, der sich auf einen lange zurückliegenden Fall bezieht, hat sich allerdings nicht erhärtet. «Die Person konnte uns keine weiteren Beweise liefern, dass tatsächlich Giftköder ausgelegt worden sind. Es handelte sich lediglich um Vermutungen. Zudem gab es keine Meldungen von Geschädigten», sagt Christen. Die Polizei nimmt solche Meldungen ernst. Erscheinen sie aber ausschliesslich als Facebook-Beitrag, kann ihnen nur nachgegangen werden, wenn die Polizei davon erfährt. «Uns ist es daher lieber, wenn sich die Leute in solchen Fällen direkt bei uns melden», sagt Christen. Die Polizistinnen und Polizisten in den Posten hätten einen guten Draht zur Bevölkerung. Wenn sie erfahren, dass Giftköder entdeckt wurden oder Tiere nachweislich vergiftet worden sind, nehmen sie mit den betroffenen Personen Kontakt auf und leiten Ermittlungen ein. Wer auf Facebook einen Verdacht äussert, der – wie in Guntershausen – nicht bestätigt werden kann, muss nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

«Solche Meldungen über ausgelegte Giftköder können bei Tierbesitzern natürlich eine grosse Angst auslösen», sagt Monika Frei. Sie ist die Präsidentin des Tierschutzvereins Frauenfeld und Umgebung, welcher unter anderem für Guntershausen zuständig ist. «Mir ist allerdings nicht bekannt, dass wir in unserem Gebiet ein grösseres Problem dieser Art gehabt hätten», sagt Frei.