Guido Wick (Grüne Prowil) kritisiert Energiepolitik der Stadt: "Die Kommunikation läuft ins Leere"

Die Stadt Wil möchte das «Energiestadt»-Label erneuern. Jetzt kommt aber Kritik auf – nicht nur am Label, sondern auch an der Energiepolitik generell.

Tobias Bruggmann
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«Spiel Energie» soll die Jugend für Energiethemen sensibilisieren. (Bild: PD)

«Spiel Energie» soll die Jugend für Energiethemen sensibilisieren. (Bild: PD)

Das Label «Energiestadt» muss alle vier Jahre erneuert werden. Jetzt ist es in der Stadt Wil wieder soweit: Ein externer Fachmann hat berechnet, dass die Stadt Wil 70 Prozent der Massnahmen, welche im Jahr 2014 beschlossen wurden, erfolgreich umgesetzt hat (Ausgabe vom 23. August 2018). Das ist eine Steigerung im Vergleich zum letzten Mal: Damals wurden 64 Prozent erreicht. Trotz der hohen Prozentzahlen kommt auch Kritik an der Energiepolitik – von grüner Seite.

«Viele Anlässe zur Energiepolitik in der Stadt Wil verfehlen die Zielgruppe – nämlich jene, die sich nicht für das Energiesparen interessieren: Die grosse Mehrheit, welche sich noch nicht intensiv mit Energie- und Umweltfragen befasst hat, erreicht man mit solchen Anlässen nicht», kritisiert Stadtparlamentarier Guido Wick, Fraktionspräsident der Grünen Prowil. Für Stefan Grötzinger, Energiebeauftragter der Stadt Wil, ist diese Kritik unverständlich: «Unsere Veranstaltungsreihe wird von anderen Städten kopiert, eben weil sie besonders jene Zielgruppen anspricht, die sich noch nicht für Energiefragen interessieren. Seit drei Jahren wollen wir mit «Spiel Energie» zielgruppenspezifisch die Jugend sensibilisieren.

Fehlende Breitenwirkung gegen beste Bewertung

Guido Wick sieht auch noch eine weitere Schwachstelle der Energiepolitik. Er hat den Eindruck, die Energieberatung der Stadt Wil bewirtschafte die Energieprobleme primär, anstatt sie zu lösen: «Den Anlässen, die organisiert werden, fehlt die Breitenwirkung und sie sind nicht wirkungsorientiert. Es gibt immer ein gewisses Grundrauschen von Energiethemen, doch die Kommunikation läuft vielfach ins Leere.» Auch diese Kritikpunkte teilt der Energiebeauftragte nicht: «Wir verknüpfen die Anlässe thematisch, lassen zum Beispiel über Monate Grosseltern mit Enkeln Solarautos bauen und bringen so spielerisch Energiethemen an den Familientisch. Im Übrigen haben wir gerade im Bereich der Kommunikation und Zusammenarbeit mit Schulen die beste Bewertung in der Rezertifizierung erhalten.»

Wick, der mit seiner Firma Unternehmen und Gemeinden in Umweltmanagementfragen berät, macht auch Vorschläge, wie eine erfolgreiche Energiekommunikation aussehen könnte: «Ähnlich wie beim Fussball, wo Sportler gegen Rassismus kämpfen, könnte man lokale Identifikationsfiguren, welche sympathisch und bekannt sind, in die Energiepolitik einbinden.» Und hier stimmt Stefan Grötzinger teilweise zu: «Identifikationspersonen, die unsere Botschaften weitergeben, sind für unsere Arbeit wichtig, deshalb haben wir sie auch schon verschiedentlich eingesetzt, zum Beispiel als sich 80 Prominente aus der Region zum Energiesparen bekannten. Unsere Botschafter sind vor allem Schüler, die mit ihren Eltern über Energie sprechen.» Dazu begleitet die Stadt Wil den Energieunterricht in den Schulen. Nach eigenen Angaben haben über 1400 Schülerinnen und Schüler teilgenommen.

Teure Energielabel- Erneuerung

Der Fraktionspräsidenten der Grünen Prowil relativiert denn auch die Wirkung des Labels «Energiestadt»: «Ich begrüsse die Anstrengungen der Stadt, den Energieverbrauch zu reduzieren. Ob die Zertifizierung die erhoffte und versprochene Wirkung erreicht, ist zu bezweifeln, sie schadet der Stadt aber auch nicht.» In anderen Gemeinden ist man kritischer: Die Gemeinde Rheinau im Kanton Zürich verzichtet auf eine Labelverlängerung, weil das etwa 12000 Franken kostet. Für den Energiebeauftragten in Wil ist ein Rückzug wegen der Kosten kein Thema: «Der Stadtrat und das Parlament haben das Energiekonzept und das «Energiestadt»-Label genehmigt und das Label ist ein gutes Tool zur Zielerreichung.»

Der Stadtrat möchte deshalb einen Schritt weitergehen und hat sich das Label «Energiestadt Gold» zum Ziel gesetzt. Um dieses Label zu erhalten, muss Wil bis in den nächsten vier Jahren 75 Prozent der Massnahmen erfüllen.