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Kondome, Handys und Unterhosen im Abwasser: Das WC wird als Gratis-Abfallkübel missbraucht

Täglich spülen Leute Dinge ihr WC hinunter, die eigentlich in den Abfall gehören. Würde die Kläranlage diese nicht aus dem Abwasser filtern, fänden sich in unseren Gewässern gebrauchte Kondome, Handys oder Unterhosen. Uzwil schlägt nun Alarm.
Lara Wüest
Ein unappetitlicher Anblick: Der getrocknete Abfall aus den WC. (Bilder: Lara Wüest)

Ein unappetitlicher Anblick: Der getrocknete Abfall aus den WC. (Bilder: Lara Wüest)

Ein bisschen sieht er aus wie ein Requisit aus einem 80er-Jahre-Science-Fiction-Film, der rhombusförmige Stahlrechen der Kläranlage Niederuzwil, der das Abwasser der Region reinigt. Was sich an diesem Nachmittag in ihm verfangen hat, ist kein schöner Anblick: weisse Feuchttücher hängen darin, Plastik von Verpackungsmaterial, ölige Speisereste. Durchweicht von Wasser und mit Fäkalien zu einem bräunlichen Brei vermischt. Ein beissender Geruch nach menschlichen Ausscheidungen geht von ihm aus. Atmen fällt schwer. Mit einer grossen Taschenlampe leuchtet Klärmeister Peter Huber in die Masse. «Dort sieht man eine Damenbinde», sagt er und zeigt auf ein rot-weisses Etwas. Jeden Tag haben Peter Huber und seine Kollegen mit solchem Fremdmaterial zu kämpfen. Im vergangenen Jahr filterte der Rechen rund 43 Tonnen festes Material aus dem Abwasser.

Lebendige Schildkröte heruntergespült

Alltagsgeräte wie Handys sollten nicht das WC hinuntergespült werden, da sie die Rohre der Kanalisation und die Pumpen der Kläranlagen verstopfen. (Bild: Getty)

Alltagsgeräte wie Handys sollten nicht das WC hinuntergespült werden, da sie die Rohre der Kanalisation und die Pumpen der Kläranlagen verstopfen. (Bild: Getty)

Die Liste von dem, was nicht ins WC gehört, und trotzdem hinuntergespült wird, ist lang: Handys, Schmuck, Unterhosen, Portemonnaies. Verpackungsmaterial, Watterondellen, gebrauchte OBs, Binden und Kondome, um nur ein paar davon zu nennen. Und einmal, sagt Huber, da hätten sie sogar eine lebendige Schildkröte gefunden. «Die Besitzer wollten sie vermutlich loswerden.»
Viele Leute sehen das WC als Gratisabfallkübel. Die Gemeinde Uzwil schlägt nun Alarm. Fast das ganze aktuelle Uzwiler Mitteilungsblatt ist diesem Thema gewidmet, die Autoren schreiben vom «ganz normalen, täglichen Wahnsinn im Rechen der Kläranlage». Und rufen die Einwohner zu mehr Eigenverantwortung auf: «Solche Abfälle gehören in den Kehricht.»
Derzeit bringt Uzwil seinen Entwässerungsplan auf den neusten Stand. Dazu gehört auch eine Bestandsaufnahme des Kanalisationsnetzes und später, wo nötig, dessen Sanierung. Damit das neue Netz nicht gleich wieder beschädigt wird, will die Gemeinde die Bürger sensibilisieren.

Zerfressene Rohre, verschmutztes Grundwasser

Der Rechen der Kläranlage Niederuzwil reinigt das Abwasser.

Der Rechen der Kläranlage Niederuzwil reinigt das Abwasser.

Denn was für einige Personen eine bequeme Variante ist, um Hygieneartikel oder Lebensmittel loszuwerden, kann der Kanalisation zum Verhängnis werden. «Fettablagerungen von Essensresten können zu Verstopfungen in den Rohren führen», sagt Christoph Paly, Leiter Bau der Gemeinde Uzwil. Und Lösungsmittel oder Säuren würden zum Teil die Kanalisationsrohre zerfressen. «Dadurch müssen sie schneller ersetzt werden», so Paly. Gehen diese kaputt, gelangt das Abwasser ins Grundwasser, was der Umwelt schadet. Und auch den Kläranlagen machen die Abfälle in den WC zu schaffen. Peter Huber sagt:

«Wir haben zwei- bis dreimal pro Woche verstopfte Pumpen.»

Das hat seinen Preis: «Uns kostet das viel Arbeit und die Allgemeinheit bezahlt letzten Endes über die Abwassergebühren.» Doch nicht nur die Kanalisation trägt Schäden davon. Der Müll aus den Toiletten kann auch Leitungen zwischen Häusern und Kanalisation verstopfen. Für deren Spülung müssen die Hauseigentümer aufkommen. Gemäss Paly geschieht das jedoch viel zu selten. «Nicht alle nehmen diese Pflicht wahr, weil man die Rohre und ihren schlechter Zustand nicht direkt sieht.»

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