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Guardian am Ort des Friedens

In der Stille der Bescheidenheit hat sich im Kapuzinerkloster Wil ein Führungswechsel vollzogen: Bruder Benno Zünd hat Bruder Josef Haselbach als Guardian abgelöst. Während Josef Haselbach nun nach Assisi wandert, begibt sich Beno Zünd auf einen unbekannten Weg.
Hans Suter
Bruder Benno Zünd im Klostergarten. Er ist ein Bewunderer der Echinacea purpurea (Roter Sonnenhut). Die Heilpflanze stärkt das Immunsystem. (Bilder: Hans Suter)

Bruder Benno Zünd im Klostergarten. Er ist ein Bewunderer der Echinacea purpurea (Roter Sonnenhut). Die Heilpflanze stärkt das Immunsystem. (Bilder: Hans Suter)

Nachmittag, 14 Uhr. Es ist still im Kapuzinerkloster an der viel befahrenen Konstanzerstrasse in Wil. Die dicken Klostermauern halten nicht nur den Lärm irdischen Treibens fern, sondern auch die drückende Sommerhitze. Vom Korridor her werden Schritte hörbar. Ein Mann mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht betritt das Empfangszimmer, grüsst höflich und lädt formvollendet zum Gespräch. Er trägt einen sauber geschnittenen, grau melierten Bart und eine ebenso gepflegte, modische Frisur. Die für Kapuziner typische braune Kutte wirkt an ihm wie eine neue Kreation eines Modeschöpfers.
Die moderne Welt der Zivilgesellschaft ist ihm vertraut. Mehr noch als die klösterliche. Erst ein Dutzend Jahre ist es her, seit sich der, um einiges jünger wirkende 55-Jährige für das kontemplative Leben als Kapuzinermönch entschieden hat – für ein Leben und Wirken in Bescheidenheit. «Einen solchen Entscheid fällt man nicht von einem Tag auf den anderen», sagt er in reinem Ostschweizer Dialekt. Er ist in Freidorf bei Roggwil aufgewachsen. Durch seine in Toos bei Mettlen aufgewachsene Mutter hat er seit jeher einen Bezug zur Region Wil. «Es ist ein jahrelanger Prozess», fährt er fort. «Am Anfang weiss man nie, wie es herauskommt.» Persönlichkeiten und Gespräche, insbesondere ein Kapuziner, hätten ihn auf diesen Weg geführt. Nicht zielgerichtet, es habe sich im Lauf der Zeit so ergeben. «Und ich habe mich darauf eingelassen», sagt er. Rückblickend bezeichnet er diesen Wirkungsprozess, der nicht frei von Zweifeln war, als ein Dreieck von «Wollen, Können, Sollen».

Abschied vom Leben als weltgewandter Akademiker

Ein Mann mit breiter Lebenserfahrung und Empathie: Bruder Benno Zünd, der neue Guardian des Kapuzinerklosters Wil.

Ein Mann mit breiter Lebenserfahrung und Empathie: Bruder Benno Zünd, der neue Guardian des Kapuzinerklosters Wil.

Zuvor führte er das Leben eines erfolgreichen, gebildeten Realisten, der die Welt mit Leichtigkeit mit Zahlen erklären und interpretieren konnte. An der damaligen HSG und heutigen Universität St. Gallen studierte er als junger Mann Betriebswirtschaft, zog später nach Zürich und führte das abwechslungsreiche Leben eines weltgewandten Akademikers. In Zürich war es dann auch, wo er seine letzte Arbeitsstelle in seinem angestammten Beruf hatte: Er war Con­troller bei der Swissair. Sein Weggang sei allerdings vor dem Grounding erfolgt, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.
Im Jahr 2004 trat er ein anderthalbjähriges Postulat bei den Kapuzinern in Olten an. «Es war quasi ein gegenseitiges Beschnuppern», sagt Bruder Benno, der nicht als Guardian oder Pater angesprochen werden möchte. Er mag keine Klassenunterschiede. «Brüder sind Brüder», sagt er. Früher wurden Laien als Bruder, studierte Theologen und Priester als Pater angesprochen. Diese Klassenunterschiede wurden auch in Bereichen des klösterlichen Alltags gelebt. Wurden – denn der Wandel machte auch vor den Klostermauern nicht halt.
Auf das Postulat folgte alsbald das Noviziat in Salzburg. «Das ist ein verbindlicherer Schritt, und man wird eingekleidet», sagt Bruder Benno. «Es ist die eigentliche Grundausbildung zum Mönch.» In der zunehmend gefestigten Überzeugung, seine Bestimmung gefunden zu haben, legte er 2007 das Einfache Gelübde ab und studierte in Münster im deutschen Bundesland Westfalen und in Luzern Theologie. Zur akademischen Ausbildung gehört auch eine Fachausbildung beim Orden. «Ich habe mich für ein Wirken in Armenhäusern in Indien entschieden», sagt Bruder Benno. Am 16. August 2014 wurde er in der Wiler Stadtkirche St. Nikolaus zum Priester geweiht und wirkt seit dem Abschluss des Studiums in der Pfarrei der Wiler Katholiken als Kaplan. Nun verändert sich sein Leben abermals radikal: Per 1. August wurde er vom Orden zum Guardian des Kapuzinerklosters in Wil berufen. Sein Vorgänger, Bruder Josef Haselbach, der dieses Amt mangels Nachfolger elf Jahre ausfüllte, ist nun als Fusspilger von Altdorf nach Assisi unterwegs zur einstigen Wirkungsstätte des Heiligen Franz von Assisi. Am 23. September wird er in Wil feierlich verabschiedet. Bruder Benno Zünd indes beschreitet als neuer Guardian einen ihm unbekannten Weg.

Nur drei Brüder sind jünger als 70 Jahre

«Das Wiler Kloster ist von der Ausrichtung her ein Altersheim», sagt er. Das ist arbeitsintensiv. Zurzeit leben 20 Brüder hier, nur drei sind jünger als 70. «Das Durchschnittsalter liegt bei 81 Jahren», sagt der Guardian. Deshalb werde mehr weltliche Hilfe in Haus und Garten beansprucht als anderswo. Die medizinische Pflege leiste die Spitex. Unabhängig vom Alter erfülle jeder Bruder eine Aufgabe, sei es das Spenden des Segens, das Abnehmen der Beichte und weiteres.
Der Verantwortung, die er mit seiner Zusage und seiner Wahl durch den Provinzial nun übernehme, sei er sich bewusst. Wie es derzeit den Anschein macht, werde er zu 50 Prozent als Guardian dienen und zu 50 Prozent bei der Wiler Pfarrei tätig sein. «Es ist mir ein Anliegen, die Brücken in die Pfarrei Wil beizubehalten und die Verbindung zur Bevölkerung zu pflegen», sagt er.
«Die Institution Kloster übt auf viele Menschen eine Faszination aus, auch wenn sie sich nicht für das Leben im Kloster entscheiden», sagt Bruder Benno. «Ein Kloster ist ein Ort des Friedens und der Ruhe, aber nicht weltfremd.»

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