«Grünaustrasse ist eine Sackgasse»

WIL. Der Parlamentarier Daniel Stutz (Grüne Prowil) fordert den Stadtrat auf, von der innerstädtischen Entlastungsstrasse Abstand zu nehmen und die Abklärungen zur Verkehrsentlastung des Stadtzentrums ergebnisoffen anzugehen.

Philipp Haag
Drucken
Teilen
Die Grünaustrasse soll in etwa entlang des Grünauwegs vom Gammakreisel zur Fürstenlandstrasse führen. (Bild: Philipp Haag)

Die Grünaustrasse soll in etwa entlang des Grünauwegs vom Gammakreisel zur Fürstenlandstrasse führen. (Bild: Philipp Haag)

In den Augen von Daniel Stutz, Parlamentarier der Grünen Prowil, konzentriert sich der Stadtrat zu stark und zu einseitig auf die Grünaustrasse. Er hat gar den Eindruck, der Stadtrat arbeite in Absprache mit dem kantonalen Baudepartement «mit Hochdruck» an deren Realisierung. Die Grünaustrasse ist Bestandteil des Agglomerationsprogramms der Regio Wil und im Strassenbauprogramm 2014 bis 2018 des Kantons enthalten. Mit der Grünaustrasse soll das Stadtzentrum, im besonderen die Tonhallenstrasse und die Toggenburgerstrasse, aber auch die Fürstenlandstrasse und die St. Gallerstrasse, vom Verkehr entlastet werden. Die Strasse führt entlang des Grünauwegs vom Gammakreisel hinauf zur Fürstenlandstrasse, vorbei an der Klosterwiese, dem Weidle-Quartier und einem Sportplatz.

Die Bevölkerung sprach sich bereits einmal gegen die Entlastungsstrasse aus. Die Volksabstimmung im Jahr 2003 ergab ein Nein von 57 Prozent. Stutz erwartet vom Stadtrat, den Volkswillen zu beachten – «die Stimmung in der Bevölkerung hat sich nicht geändert» – und für die Zentrumsentlastung auch Alternativen zur Grünaustrasse in die Überlegungen einzubeziehen. In einer Interpellation verweist der Stadtparlamentarier auf den Richtplan, in dem festgehalten sei, die Stadt habe nach Möglichkeiten zur Verkehrsentlastung des Zentrums im Osten der Stadt zu suchen, wobei die Grünaustrasse lediglich eine Option sei. Die Strasse sei nicht nachhaltig, sagt Stutz. «Die Grünaustrasse ist eine Sackgasse.» Sie führe nicht zum Ziel einer Verkehrsentlastung des Stadtzentrums. Als Beleg sieht Stutz die Einschätzung des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), welches der Grünaustrasse lediglich ein genügendes Kosten-Nutzen-Verhältnis attestiere und die Netzergänzung im Agglomerationsprogramm in einer B-Priorität eingestuft habe. Dies bedeutet, vorderhand fliessen keine Bundesgelder für den Bau der Grünaustrasse. «Diesen Umstand ignoriert der Stadtrat.»

Bewusste Falschinformation?

Die Stadt sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Grünaustrasse anscheinend positiver als der Bund, hat doch der Wiler Stadtplaner gemäss Stutz' Aussage dieses an einer Informationsveranstaltung zum Agglomerationsprogramm für Parlamentsmitglieder als «gut» deklariert, was die Fraktion der Grünen Prowil «in höchstem Mass» irritierte. Für Stutz ist die «Falschinformation» ein Beispiel für die Propaganda des Stadtrats, die Grünaustrasse als effiziente und alternativlose Massnahme darzustellen. Gleiches gilt für einen Projektstudienauftrag der Stadt an Studierende der Hochschule Rapperswil zur Aufwertung der äusseren Altstadt (Tonhallen-/Grabenstrasse), in dem die Grünaustrasse vorgegeben war. Stutz erwartet, dass der Stadtrat von der einseitigen Fokussierung auf die Grünaustrasse Abstand nimmt, den Blickwinkel nun öffnet, «und die Überlegungen zur Verkehrsentlastung des Zentrums ergebnisoffen vornimmt».

Verlagerung auf den öV

Dabei stehen für Stutz verkehrsberuhigende Massnahmen sowie solche zur Stärkung des öffentlichen Verkehrs im Vordergrund. Er nennt die Einführung von Tempo 30 auf neuralgischen Strassen, den Ausbau des Velo-/Fussgängernetzes und im Besonderen des öffentlichen Verkehrs. Auch Visionen wie einen Tunnel von Rossrüti bis zur St. Gallerstrasse oder die Verlängerung der Frauenfeld-Wil-Bahn nach Rossrüti sollen gemäss Stutz als Handlungsoptionen in die mittel- und langfristigen Planungen einfliessen. Im Grunde sollen Massnahmen realisiert werden, welche die Bevölkerung zum Umsteigen vom privaten motorisierten auf den öffentlichen Verkehr veranlassen.

Diese Anreize entsprechen auch dem Richtplan, der gemäss dem Interpellationstext eine angebotsorientierte Verkehrsplanung vorsieht. Dies heisst so viel, als dass das zusätzliche Verkehrsaufkommen aufgrund des mittlerweile begrenzten Verkehrsraums nicht primär durch neue Strassen aufgefangen werden soll, sondern in den begrenzten Räumen eine für alle Verkehrsarten optimale Verkehrsabwicklung angestrebt werden soll. «In der Stadt Wil ist es für die Optimierung der Leistungsfähigkeit des Gesamtverkehrssystems von Bedeutung, dass ein grösserer Teil des Verkehrs durch den öffentlichen Verkehr und den Fuss-/Radverkehr bewältigt werden kann», zitiert Stutz aus dem Richtplanbeschrieb. Er hofft darum, dass der Stadtrat durch den Vorstoss merkt, dass es mit der Grünaustrasse kein Vorwärtskommen gibt und «die Stadtregierung nun über die Bücher geht».

Daniel Stutz Parlamentarier Grüne Prowil (Bild: pd)

Daniel Stutz Parlamentarier Grüne Prowil (Bild: pd)