Grün, verdichtet und familienfreundlich: Das Jonschwiler Raumkonzept hält fest, wie sich die Gemeinde entwickeln soll

Wie sieht die Gemeinde Jonschwil in 20 Jahren aus? Antworten dazu finden sich im Raumkonzept. Demnächst lädt die Gemeinde die Bevölkerung dazu ein, einen Blick darauf zu werfen.

Tobias Söldi
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Das Gebiet hinter dem Gemeindehaus in Jonschwil hat noch Entwicklungspotenzial.

Das Gebiet hinter dem Gemeindehaus in Jonschwil hat noch Entwicklungspotenzial.

Bilder: Tobias Söldi

Der Jonschwiler Gemeinderat hat den Helikopter bestiegen und ist über die Dörfer und Weiler der Gemeinde geflogen – allerdings nicht in der Realität, sondern bloss im übertragenen Sinn. «Auf diese Weise haben wir uns einen Überblick über die Struktur der Gemeinde verschafft», erklärt Gemeindepräsident Stefan Frei. Vor ihm liegt das Resultat dieses imaginären Fluges: Ein detaillierter Plan, der den ganzen Tisch bedeckt, das Raumkonzept.

Dieser Plan bildet die Grundlage dafür, wie sich die Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll. Der Fokus liegt dabei auf den grossen, übergeordneten Strukturen, nicht auf den Details. Es geht unter anderem um Fragen wie die folgenden:

  • In welchen Gebieten soll gewohnt, gearbeitet, wo neue Häuser gebaut werden?
  • Welche Gebiete dienen der Landwirtschaft, welche der Naherholung und welche dem Naturschutz und der Biodiversität?
  • Wo braucht es neue Wanderwege, wo neue Haltestellen für den öffentlichen Verkehr?
Gemeindepräsident Stefan Frei erläutert das Raumkonzept.

Gemeindepräsident Stefan Frei erläutert das Raumkonzept.

Innen- vor Aussenentwicklung

Die Antworten auf diese – und noch vielen weiteren Fragen – dienen als Grundlage für den kommunalen Richtplan, der sich in Arbeit befindet. Wie jede andere Gemeinde muss auch Jonschwil seine Ortsplanungsinstrumente überarbeiten, nachdem die Schweizer Bevölkerung 2013 die Änderung des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes angenommen hat. Der neue Grundsatz Innen- vor Aussenentwicklung bewirkt substanzielle Veränderungen für die Raumplanung des Kantons und der Gemeinden.

Doch was bedeutet das konkret für Jonschwil? Wie sieht die Gemeinde in 20 Jahren aus? Gemeindepräsident Stefan Frei sagt:

«Es wird zum Beispiel mehr Baumreihen geben. Das ist sicher eine augenfällige Veränderung.»

Die Baumreihen oder Hochstammobstgärten seien ein Markenzeichen der Gemeinde, das noch gestärkt werden soll. Lücken werden geschlossen, vereinzelt sind auch neue Baumreihen und Hochstammobstgärten vorgesehen.

Zuerst innere Reserven mobilisieren

Überhaupt, so Frei, sollen die Siedlungsgebiete Platz für Natur bieten. Denn die Vision für die Gemeinde ist immer noch die einer familien- und seniorenfreundlichen Wohngemeinde im Grünen. Doch das Raumkonzept betrifft nicht nur die Natur, sondern vor allem auch die Wohn- und Gewerbeflächen in der Gemeinde. Das Ziel: Verdichtung nach innen. Die bauliche Entwicklung soll innerhalb der heutigen Siedlungsgrenzen erfolgen, Neueinzonungen sind erst nach konsequenter Mobilisierung der inneren Reserven möglich.

Jonschwil verfolgt diesen Ansatz gemäss Frei schon länger erfolgreich: «Die Gemeinde weist schon sehr viel Verdichtung auf.» Als aktuelles Beispiel dafür erwähnt er das sich im Bau befindende Primarschulhaus in Schwarzenbach mit – eine Besonderheit – integrierter Tiefgarage.

«Dadurch steht mehr qualitativ hochwertige Aufenthaltsfläche zur Verfügung.»

Generationenwechsel fördern

Für die von Einfamilienhäusern geprägte Gemeinde bedeutet der Grundsatz der Innenentwicklung aber auch, den Generationenwechsel in den Häusern zu fördern und so dem Bau von neuen Häusern entgegenzuwirken. Frei erklärt:

«Als Gemeinde müssen wir diesen Erneuerungsprozess aktiv mitgestalten; zum Beispiel, indem wir die Anpassung bestehender Gebäude an die heutigen Wohnbedürfnisse mit einem entsprechenden Baureglement fördern.»

Ein Kriterium für das Wachstum der Bevölkerungszahl ist dabei auch die Zahl der Kinder in den beiden Primarschulhäusern und dem Oberstufenschulhaus– beides muss in einem Verhältnis zueinanderstehen.

Identitätsstiftende Bauten erhalten

Doch es gibt auch Gebiete und Gebäude, die bleiben sollen, wie sie sind, wo Bausubstanz und Charakter erhalten werden sollen. Ein Beispiel ist der Dorfkern Jonschwils. Um-, An- oder Neubauten müssen den Charakter des Dorfkerns stärken. Auch prägende Bauten wie das Schloss Schwarzenbach oder die Kapelle und das Gasthaus Rössli in Schwarzenbach gehören in diese Kategorie der identitätsstiftenden Bauten.

Bei all dem hat die Bevölkerung ein Wörtchen mitzureden – denn letztendlich ist es ihr Lebensraum, der sich verändert. Sie wurden bereits mit Workshops und Onlineumfragen ins Boot der Ortsplanungsrevision geholt, und demnächst lädt die Gemeinde zur Sprechstunde über das Raumkonzept ein.

Wenn alles rund läuft, werden die Ortsplanungsinstrumente – Baureglement, Zonenplan und Schutzverordnung – in zwei Jahren öffentlich aufgelegt. «Wir wollen die Bevölkerung nicht vor vollendete Tatsachen stellen», sagt Frei.

Hinweis: Die Gemeinde lädt die Bevölkerung ein, das Raumkonzept kennen zu lernen und Fragen zu stellen, dies am Donnerstag, 13.August, 19 bis 21 Uhr, und am Mittwoch, 19.August, von 19.30 bis 21.30 Uhr. Die Anlässe finden im Pfarreiheim Jonschwil statt.

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