Grosser Bahnhof für kleine Bahn

Die Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB) rüstet ihr gesamtes Rollmaterial um. Gestern nachmittag traf der erste von fünf neuen Zügen in Wil ein. Fahrplanmässig auf der Schiene rollt dieser erste geräuscharme Zug ab 27. Juni.

Sebastian Keller
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Werkstätte Wil: Der erste von fünf Niederflur-Gelenktriebwagen traf gestern ein.

Werkstätte Wil: Der erste von fünf Niederflur-Gelenktriebwagen traf gestern ein.

WIL. «Er kam mit dem Zug, wie es sich für einen Zug gehört», sagte Thomas Baumgartner. Der Direktor der Frauenfeld-Wil-Bahn erzählte, dass der erste von fünf Niederflur-Gelenktriebwagen in der Nacht von Bussgang nach Wil transportiert wurde. «Wir konnten aber nicht den direktesten Weg nehmen.» Denn: Der Zug misst 45,5 Meter, ist 64 Tonnen schwer und passt nicht in eine S-Bahn.

Viel neuer Komfort

Gestern nachmittag zeigte sich, dass der neue Zug die Zugfahrt unbeschadet überstanden hat. Baumgartner lobte die Vorteile des neuen Fahrzeuges: Stellplatz für Velos und andere Sportgeräte, eine erste Klasse mit zwölf Plätzen, eine zweite mit 110, W-LAN für alle gratis, klimatisiert. Das alles hat seinen Preis: Ein Zug kostet 6,2 Mio. Franken. Bevor der erste am 27. Juni in den ordentlichen Fahrplan integriert wird, testet ihn die FWB «auf Herz und Nieren», führte Baumgartner aus. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 erhält die FWB alle fünf Niederflur-Gelenktriebwagen schrittweise geliefert. Die neuen Züge haben auch Auswirkungen auf die Werkstätte in Wil: «Wir mussten die Grube verlängern.» Der Grund: Die neuen Züge sind länger als die alten. Auch eine neue Waschanlage hat die FWB in der Wiler Werkstätte eingebaut. «Dies kann auch das Heck und die Front reinigen», sagte Heinz Blatti, Leiter Rollmaterial/Werkstätte gegenüber dieser Zeitung. Vergleichbar ist diese mit einer Autowaschanlage – nur viel länger.

Modernstes Rollmaterial

Kaspar Schläpfer, Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Thurgau, merkte an: «Mit dem Fahrplanwechsel haben wir im ganzen Thurgau modernstes Rollmaterial auf der Schiene.» Dass der Zug von der Firma Stadler in Bussnang stamme, sei «wunderschön». Hier produziert, hier unterwegs.

Alte Züge verkaufen

Bruno Gähwiler, Verwaltungsratspräsident der Frauenfeld-Wil-Bahn und alt Stadtpräsident Wils, freute sich: «Wir erneuern die Fahrzeugflotte auf einen Schlag.» Einzig zwei der alten Züge – sie sind zwischen 20 und 30 Jahre alt – behalte das Bahnunternehmen als Reserve. In die Schrottpressen sollen die andern alten nicht geführt werden: «Wir wollen sie verkaufen.» In der Buchhaltung weisen sie keinen Wert mehr auf, sie seien abgeschrieben. Mit der Beschaffung des Rollmaterials für die 17,4 Kilometer lange Strecke zwischen Wil und Frauenfeld sei die Diskussion «Bus oder Bahn im Murgtal?» auf Eis gelegt. Gähwiler wusste Aktuelles zu berichten: «Die SBB haben im vergangenen Jahr 1,2 Prozent weniger Passagieren transportiert, wir konnten um 2 Prozent zulegen.» Im 2012 nutzten 1,3 Mio. Passagiere die FWB.

Erstmals zwei Klassen: Neu hat die FWB 12 Plätze in erster Klasse.

Erstmals zwei Klassen: Neu hat die FWB 12 Plätze in erster Klasse.

Erstklassige Freude in zweiter Klasse: Kaspar Schläpfer, Bruno Gähwiler und Thomas Baumgartner (v. l.).

Erstklassige Freude in zweiter Klasse: Kaspar Schläpfer, Bruno Gähwiler und Thomas Baumgartner (v. l.).

Die neue Waschanlage befindet sich in der FWB-Werkstätte in Wil. (Bilder: seb.)

Die neue Waschanlage befindet sich in der FWB-Werkstätte in Wil. (Bilder: seb.)

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