Wahlkampf um Degersheimer Gemeindepräsidium: Das ist die Frau, die Monika Scherrer herausfordert

Zwei Frauen kämpfen um ein Amt: Monika Scherrer (CVP) will Gemeindepräsidentin von Degersheim bleiben, Daniela Grob Braun (parteilos) will es werden. Ihre Motivation? Der Bürgerschaft eine Wahlmöglichkeit bieten und die Gemeinde mit unternehmerischem Denken und einer bürgernahen Politik voranbringen.

Andrea Häusler
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Daniela Grob Braun tritt in Degersheim gegen die amtierende Gemeindepräsidentin an, sagt aber: «Es geht mir nicht um die Person von Monika Scherrer, sondern darum, der Wählerschaft eine Auswahl zu ermöglichen.»

Daniela Grob Braun tritt in Degersheim gegen die amtierende Gemeindepräsidentin an, sagt aber: «Es geht mir nicht um die Person von Monika Scherrer, sondern darum, der Wählerschaft eine Auswahl zu ermöglichen.»

Bilder: PD

Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten scheinen regional fest im Sattel zu sitzen. Alle Mandatsträger treten zu den Erneuerungswahlen an und sie dürften auch bestätigt werden. Denn Konkurrenz haben sie keine. Mit einer Ausnahme: Monika Scherrer, seit 2012 Gemeindepräsidentin von Degersheim. Will sie der gut 4000-Seelengemeinde auch in der nächsten Legislatur vorstehen, muss sie sich im Wahlkampf gegen Daniela Grob Braun durchsetzen.

Deren Kandidatur überraschte, zumal sie erst kurz vor Ende der Eingabefrist für Kandidierende bekannt wurde. So spontan wie es scheint, ist ihr Entscheid aber nicht gefallen. «Ich habe es mir sehr gut überlegt», sagt die 47-Jährige und ergänzt:

«Ich möchte dem Stimmvolk eine Alternative und damit eine Auswahl bieten. Werden Behördenmitglieder vierjährlich bestätigt, ist das keine Wahl.»

Wobei dies nur ein Grund und nicht das ausschlaggebende Argument für ihre Kandidatur sei. «Vor allem interessiert mich die Aufgabe; die Möglichkeit, Projekte zu lancieren und zu begleiten, Verantwortung zu tragen und mich Herausforderungen zu stellen», sagt sie.

Drogistin, Bäuerin und Unternehmerin

Daniela Grob Braun ist in Degersheim aufgewachsen und hier zur Schule gegangen, um sich anschliessend in Teufen zur Drogistin ausbilden zu lassen. Es sei ihre Urliebe zur Landwirtschaft und zur Natur gewesen, welche sie, 21-jährig, zum Besuch der Bäuerinnenschule Custerhof in Rheineck veranlasst habe. Dennoch führte sie der Karriereweg später zurück in die erstberufliche Branche. Zunächst arbeitete sie im Pharmaaussendienst, später im Verkaufsinnendienst der Brenntag (Schweizerhall Chemie AG). Nach der Standortschliessung in Flawil machte sich Daniela Grob Braun im Bereich Chemierohstoffverkauf selbstständig und führte während 15 Jahren ein Unternehmen mit rund zehn Mitarbeitenden. Seit dem Verkauf ihres Geschäfts im Jahr 2014 betreibt sie in Degersheim unter dem Namen «Alpenrösli» einen Onlineshop, über den sie eine internationale Kundschaft mit traditionellen Schweizer Artikeln beliefert. Daneben ist sie in Teilzeit in einer Apotheke in Herisau als Drogistin und Naturheilpraktikerin tätig.

Politisch rechts der Mitte

Auf ihre Qualifikationen angesprochen wirft Grob Braun primär ihre unternehmerische Erfahrung in die Waagschale, überzeugt, dass eine Gemeinde wie eine privatwirtschaftliche Firma zu führen ist. Hier wie dort gehe es wesentlich darum, die Zukunft solide zu gestalten und finanzielle Ziele zu erreichen. «Das traue ich mir zu», sagt sie. «Ich bin ein Machertyp, war das schon immer.» Und die politischen Referenzen? «Ich war eine Zeit lang Mitglied der BDP Wil-Untertoggenburg, dort auch im Vorstand», sagt die Kandidatin und macht damit klar, wo sie sich, obwohl heute parteilos, parteipolitisch positioniert: «Leicht rechts der Mitte».

Daniela Grob Braun liebt die Natur. Deshalb liess sich die Drogistin auch zur Bäuerin und später zur Naturheilpraktikerin ausbilden.

Daniela Grob Braun liebt die Natur. Deshalb liess sich die Drogistin auch zur Bäuerin und später zur Naturheilpraktikerin ausbilden.

Die derzeitige Gemeindepräsidentin, Monika Scherrer (CVP), hatte ihr Amt in einer für Degersheim finanziell schwierigen Situation angetreten, seither den Ausstieg aus dem Übergangsausgleich geschafft, den Steuerfuss auf 157 Prozent gesenkt und, trotz Investitionen von gut 20 Millionen Franken in die Infrastruktur, die Pro-Kopf-Verschuldung deutlich reduziert.

Trotzdem macht Daniela Grob Braun in Teilen der Bevölkerung eine gewisse Unzufriedenheit aus. Und sie kritisiert, dass in der Gemeinde zu viele Projekte isoliert betrachtet würden und zu wenig in Gesamtkonzepten gedacht werde. Sie spricht die Strassen und Strässchen an, die in den vergangenen Jahren kostspielig so saniert worden seien, dass der Verkehr in die Quartiere gelenkt werde. Als weitere Beispiele nennt sie den Sternenplatz mit der alten Schmitte, der nun brach oder die umstrittenen, ortsbildrelevanten Baubewilligungsentscheide ausserhalb der Kernzone.

Kosten und Nutzen der diversen Label

Sparen sei richtig und wichtig, betont Daniela Grob Braun, aber am richtigen Ort. Sie setzt die Prioritäten anders, stört sich beispielsweise an der kostenintensiven «Labelitis», die in der Gemeinde grassiere. Umso mehr, als all die Zertifizierungen kaum vermarktet würden. Und sie fragt sich:

«Wo wird erkennbar darauf hingewiesen, dass Degersheim eine Grünstadt ist und damit ein Mehrwert generiert?»

Vorrang hat für sie in jedem Fall das Gewerbe. «Die Läden, Restaurants, die Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe machen eine Gemeinde erst lebendig», sagt sie. Deren Interessen mit jenen der Politik abzugleichen, Anliegen ernstzunehmen, und aktiv den Dialog zu suchen, – diesbezüglich bestehe noch Luft nach oben. Wie dies funktionieren könne, habe die Gemeinde Flawil in der Coronakrise auf sympathische Art aufgezeigt: «Der Bevölkerung wurden Gutscheine für Einkäufe bei lokalen Anbietern abgegeben.»

Funktionierender Spagat zwischen zwei Gemeinden

Grob Braun ist verheiratet und wohnt zeitweilen in Degersheim, wo sie ihren Geschäftssitz hat, und in Lütisburg, wo sie die Liebe zur Landwirtschaft in einem umgebauten Bauernhaus mit Pferden, Katzen und Hund zumindest ansatzweise leben kann. Ihre Schriften hat sie in Lütisburg deponiert. Ob sich das ändert, entscheidet sich am 27.September.

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