Grenzenlose Kulturförderung

Am Donnerstagabend wurde in Rickenbach der Verein Thurkultur gegründet, der das kulturelle Schaffen im Grossraum Wil fördern soll. Einzig Jonschwil, Lütisburg, Niederbüren und Wuppenau beteiligen sich nicht daran.

Simon Dudle
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RICKENBACH. Nach nur gut vier Jahren wurde der 2007 gegründete Verein Kultur Südthurgau am Donnerstagabend im Rickenbacher Thurlinden-Schulhaus einstimmig aufgelöst. Dies geschah mit wenig Wehmut, wurde doch nur eine Stunde später der Nachfolgeverein Thurkultur gegründet. Dieser basiert auf den Grundsätzen von Kultur Südthurgau, umfasst aber nicht nur die Hinterthurgauer Gemeinden, sondern auch jene rund um Wil im Kanton St. Gallen. Das Einzugsgebiet ist nahezu deckungsgleich mit jenem der Regio Wil.

22 Gemeinden sind dabei

Ein Unterschied ist, dass sich nicht ganz alle Gemeinden dazu durchringen konnten oder wollten, dem Verein beizutreten. Auf Thurgauer Boden macht Wuppenau nicht mit, da man sich dort seit dem Wechsel des Bezirkes Richtung Weinfelden zu orientieren scheint. Schönholzerswilen ist hingegen dabei. Im Kanton St. Gallen haben sich Niederbüren, Lütisburg und Jonschwil entschieden, nicht beizutreten. Lütisburg gehört bereits dem noch vor nicht allzu langer Zeit gegründeten Kultur-Förderverein im Toggenburg an. Niederbürens Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein begründet den Entscheid damit, dass man nicht der Regio Wil angehöre. Stefan Frei, Gemeindepräsident von Jonschwil, sagt: «Wir wollen abwarten, wie sich der neue Verein entwickelt und das Geld lieber an die lokalen Organisationen weiterleiten.»

Alle anderen 22 Gemeinden der Region gehören Thurkultur an. Es sind dies aus dem Kanton Thurgau Rickenbach, Wilen, Fischingen, Bichelsee-Balterswil, Sirnach, Eschlikon, Münchwilen, Aadorf, Wängi, Bettwiesen, Braunau, Schönholzerswilen, Tobel-Tägerschen und Lommis. Auf St. Galler Gebiet sind es Wil, Bronschhofen, Kirchberg, Zuzwil, Uzwil, Oberuzwil, Oberbüren und Niederhelfenschwil, nicht aber Flawil und Degersheim. Jede dieser Gemeinden zahlt einen Franken pro Einwohner in den gemeinsamen Kultur-Topf, die Kantone St. Gallen und Thurgau verdoppeln den Betrag. Dieses Geld steht den Kulturschaffenden, Veranstaltern, Vereinen und Organisationen mit kulturellem Engagement zur Verfügung. Für einmalige und wiederkehrende Beiträge bis zu 10 000 Franken ist Thurkultur zuständig, für höhere Beträge sind es die Kantone.

Hans Suter wird Präsident

An der Gründungsversammlung wurde auch der neunköpfige Vorstand gewählt. Diesem gehören Vertreter der Politik und der Kultur an. Fünf von ihnen vertreten den Kanton St. Gallen, vier den Thurgau (siehe Bildlegende). Da der Präsident gemäss Statuten ein Vertreter der Politik sein soll, wurde Hans Suter, Gemeinderat von Rickenbach, vorgeschlagen und auch einstimmig gewählt. Suter war bereits Präsident das Vereins Kultur Südthurgau gewesen und hat das neue Amt – genau wie die restlichen Vorstandsmitglieder – vorerst bis 2012 inne. Danach wird der Präsident – analog zu den Legislaturperioden im Kanton St. Gallen – für vier Jahre gewählt.

«Profil erarbeiten»

Dem neuen Kultur-Förderverein steht im ersten Jahr ein Budget von gut 220 000 Franken zur Verfügung. Was im Detail damit geschieht, steht noch nicht fest. «Wir müssen uns zuerst ein Profil erarbeiten», sagte Bruno Gähwiler, der als Tagespräsident durch die Gründungsversammlung führte.

Bereits jetzt können auf der Internetseite der Regio Wil Anträge für das Jahr 2012 eingegeben werden. Das Vorhaben muss einen konkreten Bezug zum Vereinsgebiet von Thurkultur haben, öffentlich zugänglich sein, und das Gesuch muss ein schlüssiges Budget oder einen Finanzplan enthalten.

Weitere Bilder • www.wilerzeitung.ch