«Grenzen überwinden»

Die Regionalzeitung «Alttoggenburger» wird an die Druckerei Flawil AG verkauft. Deren Verwaltungsratspräsident Peter Weigelt über Ziele und die Zukunft das «Alttoggenburgers».

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Herr Weigelt, parallel mit dem Eigentümerwechsel beim «Alttoggenburger» wurde Mitte Woche auch der Verkauf des «Winterthurer Landboten» an den Tamedia- Konzern kommuniziert. Gibt es hier Parallelen?

Peter Weigelt: Ja, die Parallelen sind offensichtlich. Doch nicht nur zum Verkauf des «Landboten», sondern auch zu den vielen anderen Verkäufen im Zeitungsumfeld. International haben in den vergangenen Wochen vor allem der Verkauf der «Washington Post» und des «Boston Globe» dazu Ausrufezeichen gesetzt. All diesen Veränderungen liegt ein dramatischer Umbruch in der Kommunikationsbranche zugrunde, der einerseits durch technische Entwicklungen und andererseits durch ein geändertes Leseverhalten der Konsumenten geprägt ist. Eine Entwicklung, die auch vor regionalen und lokalen Medien nicht haltmacht und zum Handeln zwingt.

Weshalb hat sich die Druckerei Flawil AG trotz diesem schwierigen Umfeld für den Kauf des «Alttoggenburgers» entschieden?

Weigelt: Vordergründig macht es wirtschaftlich natürlich Sinn, zwei Zeitungen möglichst nahe zusammen zu führen, da so in vielen Positionen Kosten gespart werden können. Vor dem Hintergrund stark rückläufiger Inserateeinnahmen kommt Kostenoptimierungen grosse Bedeutung zu. Der tiefere Grund liegt aber nicht in kurzfristigen Kosteneinsparungen. Mit dem Kauf des «Alttoggenburgers» sichert sich die Wiler Zeitung einen Wachstumsraum, der eng mit der Region Wil verbunden ist. So gesehen kommt dem Kauf des «Alttoggenburgers» grosse strategische Bedeutung zu, zumal sich die Wiler Zeitung nur schwer in den Kanton Thurgau weiterentwickeln kann.

Sie sprechen von der Wachstumsregion Alttoggenburg. Heisst dies, dass die Wiler Zeitung nun offensiv in das Gebiet des heutigen «Alttoggenburgers» expandiert?

Weigelt: Nein, ich verstehe den Begriff «Wachstumsregion» nicht als kurzfristigen Expansionsraum, sondern vielmehr als Raum mit neuen Chancen und Möglichkeiten. Zumindest kurzfristig wollen wir weder am Erscheinungsrhythmus noch an der inhaltlichen Ausrichtung des Alttoggenburgers etwas ändern. Auch die Wiler Zeitung wird unverändert erscheinen. Innerhalb des Verwaltungsrates der Wiler Zeitung sind wir aber seit Monaten an umfassenden strategischen Überlegungen, wie wir uns für die Zukunft aufstellen.

Was wird sich konkret verändern?

Weigelt: Mit dem Kauf des Alttoggenburgers wird nun der Planungsraum deutlich ausgeweitet. Zudem haben wir mit dem zusätzlichen Volumen auch bezüglich der Konzeption neuer Vertriebskanäle, etwa dem Internet oder mittels Apps, nun veränderte Rahmenbedingungen. Der Verwaltungsrat will deshalb keine überstürzten Veränderungen in die Wege leiten, sondern zuerst ein Gesamtkonzept für die journalistische Bearbeitung und Versorgung der Region Wil-Alttoggenburg erarbeiten.

Kritiker könnten nun anmerken, dass man diese strategischen Planungen schon längst hätte an die Hand nehmen müssen. Warum hat man das Konzept für eine Integration des «Alttoggenburgers» nicht schon früher ausgearbeitet?

Weigelt: Der Kauf des «Alttoggenburgers» ist auf den 1. Januar 2014 ausgerichtet, was noch etwas Zeit lässt. Entscheidend für den Verwaltungsrat der Druckerei Flawil AG war jedoch, dass alle Überlegungen in ein Ganzes eingebunden werden. In den vergangenen Monaten hat sich die Ausgangslage für die Wiler Zeitung stark verändert. Zum einen mit dem Verkauf der Thurgauer Zeitung an die Tagblatt Medien, womit die Verzahnung von Wiler Zeitung und Thurgauer Zeitung in der Agglomeration Wil zusätzlich akzentuiert wurde.

Spielt auch die neue Zeitung «Ostschweiz am Sonntag» eine Rolle?

Weigelt: Mit ihr wurde eine weitere überregionale Spange gesetzt, die Schnittstellen wie strategische Ausrichtung tangiert. Diese spezifischen, auf den Platz Wil einwirkenden Veränderungen, gepaart mit dem technologischen und wirtschaftlichen Wandel und dem nun publizierten Kauf des «Alttoggenburgers» setzen Leitplanken, die wir erst in letzten Monaten genau positionieren und bewerten konnten.

Heisst das nun, die Leserinnen und Leser des «Alttoggenburgers» merken vom Verkauf der Zeitung an die Druckerei Flawil gar nichts?

Weigelt: Nach dem Stand der heutigen Überlegungen trifft dies zumindest für die kommenden Monate zu. Wiler Zeitung und «Alttoggenburger» werden weiterhin in ihrer bisherigen Form erscheinen. Erste Synergien im Inserateverkauf und in der Produktion werden für den Leser nicht spürbar. Wie sich dann die strategischen Entscheide auf die Erscheinung der beiden Blätter auswirken, kann im Moment noch nicht gesagt werden, da wir ganz bewusst die Chance einer grossen Auslegeordnung nutzen wollen.

Was sind die übergeordneten Ziele aus der Sicht der Druckerei Flawil?

Weigelt: Wir handeln aus der Überzeugung, dass regionale publizistische Aufgaben langfristig nur gewährleistet werden können, wenn bisherige Grenzen überwunden werden. Dies heisst für uns aber nicht, dass Bisheriges und Traditionelles einfach über Bord geworfen wird. Vielmehr geht es darum, das regionale Profil zu schärfen und der Region Wil-Alttoggenburg auch in Zukunft ein umfassendes regionales Informationsangebot zu gewährleisten.

Interview: Simon Dudle