«Grenzen gehören zum Leben»

Am zweiten Sportgottesdienst der Evangelischen Kirchgemeinde war Christoph Kunz zu Gast. Der Medaillengewinner der Paralympics in Vancouver erzählte in einem Gespräch mit Pfarrer Marc Ditthardt aus seinem Leben.

Carola Nadler
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Der Sportler des Jahres 2010, Christoph Kunz, war Gast des Sportgottesdienstes der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil. (Bild: can.)

Der Sportler des Jahres 2010, Christoph Kunz, war Gast des Sportgottesdienstes der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil. (Bild: can.)

NIEDERUZWIL. Die Atmosphäre im evangelischen Kirchgemeindehaus hatte an diesem Allerheiligen-Nachmittag so gar nichts von einem Gottesdienst: Zwar stand das grosse Holzkreuz auf der Bühne, die Push-Band hatte sich bereit gemacht. Doch im Saal waren Tische gruppiert, aufwendig mit Sport- und Herbstutensilien dekoriert. Und wenn man seine Nase etwas in die Luft reckte, konnte man bereits etwas von dem Racletteplausch erahnen, der im Anschluss des Sportgottesdienstes auf dem Programm stand.

Töffunfall

Wer alles aktiven Sport betreibe, wollte Marc Ditthardt in seiner Begrüssung wissen und ging mit dieser Frage im Saal umher. Zahlreiche Vereinssportler meldeten sich, FC Uzwil und Unihockey dominierten. Ausserdem waren auch zahlreiche Jogger, Radfahrer und Reiter anwesend, ein kleiner Bub meldete stolz: «Fussball!».

Gast des Sportgottesdienstes und Interviewpartner von Pfarrer Ditthardt war Christoph Kunz, Sportler des Jahres 2010. Der geborene Frutiger und gelernte Bankkaufmann hatte bei den Paralympischen Spielen von Vancouver eine Silber- und eine Goldmedaille gewonnen. Ein Töffunfall vor elf Jahren verursachte eine Querschnittslähmung ab dem fünften Brustwirbel. «Ich bin zu schnell in eine Linkskurve gefahren», erzählt Kunz. Und da sei es passiert. Er sei nach dem Sturz auf dem Rücken gelandet, wollte wieder aufstehen und merkte, dass er sich nicht mehr bewegen konnte.

«Meine Welt ist zusammengebrochen», so Kunz weiter.

Grenzen erweitern

Wochen- und monatelang war der Bettrand seine Grenze. Für einen 18-Jährigen, der Ausdauersport im Mittel- und Langstreckenbereich gemacht hatte, besonders tragisch. Doch sein Lebensmotto lautet: «Alles ist möglich, wenn man vertraut.» Und er vertraute: Auf sich, auf sein Umfeld und auf Gott und wagte es, diese neuen Grenzen ständig zu erweitern.

Ob es nach solch einem Medaillenerfolg noch Sportziele gebe? Kunz gestand durchaus Appetit auf mehr: auf Perfektion, auf das Suchen nach Grenzen und deren Überwindung. «Gerade im Skisport sind die Grenzen schmal.» Einmal gab es in Vancouver einen kritischen Moment, doch Kunz konnte einen Sturz verhindern. «Ich kann nicht sagen, wie ich diesen Fast-Sturz erlebt habe. In solch einem Moment ist man so extrem auf das Reagieren fokussiert, dass man nicht mehr denkt.»

Neue Saison

Kurzfilme zeigten Ausschnitte aus dem Leben und Training des jungen Sportlers. Das Training für die anstehende Wintersaison hat bereits begonnen, in zwei Wochen ist der erste Slalom: In Holland, in einer Skihalle. In einem Input am Ende des Interviews zeigte Pfarrer Ditthardt nochmals auf, dass man Berge versetzen könne, wenn man glaube. «Andere erleben weitaus weniger Schlimmes und ziehen sich danach verbittert von der Welt zurück.» Ein Racletteplausch beendete den Abend gemütlich und bot noch zahlreiche Gelegenheiten, mit Christoph Kunz persönlich ins Gespräch zu kommen.

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